Top Ten: «Il fenomeno in Bildern» Die phänomenalsten Momente aus Ronaldos Karriere

  • Publiziert: 15.02.2011, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Dominik Steinmann

Ein Fussball-Phänomen tritt ab. Ronaldo (34), auch «Il fenomeno» genannt, hat seine Schuhe an den Nagel gehängt. Blick.ch schaut auf die unbeschreibliche Karriere des brasilianischen Super-Stürmers zurück.

Mit Ronaldo Luis Nazario de Lima – kurz Ronaldo – tritt ein Schwergewicht des Weltfussballs ab. In Erinnerung bleiben nicht nur seine spektakulären Dribblings und unnachahmlichen Antritte. Seine zahlreichen Sex-Eskapaden bleiben ebenso unvergessen wie seine fantastischen Tore (62 Treffer in 97 Länderspielen für Brasilien).

Unter Tränen verabschiedete sich Ronaldo vom Profi-Fussball (siehe Video unten), entschuldigte sich für das ebenso frühe wie blamable Aus mit den Corinthians in der Copa Libertadores. Sein Körper gehorche ihm nicht mehr, erklärte Ronaldo seinen Rücktritt, den er eigentlich erst im Sommer 2012 geben wollte.

Der bescheidene Stürmer mit Killer-Instinkt

Die jüngste Pressekonferenz offenbart den bescheidenen und grosszügigen Charakter des 34-Jährigen. Auch seine ehemaligen Mitspieler und Weggefährten verlieren nur lobende Worte über den abtretenden Superstar. Ex-Real-Spieler Ivan Helguera sagt in der Nacht auf Dienstag in einem Interview mit «Radio Marca»: «Das Bild das von Ronaldo verbreitet wurde, stimmt nicht mit der Realität überein.»

Ronaldo habe sehr wohl gerne gefeiert, er habe aber vor allem Leute um sich geschart, um seine Einsamkeit zu bekämpfen. Helguera: «Er freute sich geradezu auf die Trainings, weil er oft alleine zuhause war und fast draufging.»

Ein ihm nahestehender Journalist erklärt auch die Ursache für Ronaldos Übergewicht: «Zu Real-Zeiten hatte er schon mit den Extra-Kilos zu kämpfen. Er ass zuweilen nur Salat am Abend, doch es nützte nichts.» Eine Stoffwechsel-Krankheit habe ihm zu schaffen gemacht. Die Belastung auf Gelenke und Knochen stieg mit zunehmendem Körpergewicht, Ronaldos Qualen wurden unerträglich.

Ronaldo, das Stehaufmännchen

Dennoch liess sich Ronaldo auch von schwersten Verletzungen nicht stoppen. Im November 1999 verletzte er sich in einem Spiel für Inter Mailand am rechten Knie schwer (Patellasehnen-Riss) und bei seinem Comeback vier Monate später musste er nach gerade einmal sechs Minuten vom Platz. Wieder waren im rechten Knie die Bänder gerissen. Seine noch junge Karriere war stark gefährdet.

Doch Ronaldo rappelte sich hoch und führte die «Seleçao» 2002 in Japan/Südkorea zum WM-Titel. Auch nach seinem galaktischen Wechsel zu Real Madrid erzielte Ronaldo fleissig Tore, bis er im Januar 2007 zur AC Milan wechselte. Ganz der Alte wurde er nie mehr.

Aktionsradius eingeschränkt

Es fällt auf, dass sein Bewegungsradius kontinuierlich abnahm. Gelangen ihm beim PSV Eindhoven, wo er seine Karriere startete, bei Barça und Inter noch Sololäufe aus der eigenen Platzhälfte heraus, mutierte Ronaldo Real und Milan zu einem statischen, aber dennoch stets brandgefährlichen Strafraum-Stürmer. Wegen zahlreichen (teils schweren) Verletzungen lösten die Mailänder den Vertrag mit Ronaldo noch vor dem Gewinn der Champions League 2007 ab. Der Triumph in der Königsklasse blieb ihm für immer verwehrt (siehe Box rechts).

Seine Rückkehr nach Brasilien zu Corinthians (Dezember 2008) war zunächst von Erfolg gekrönt. Mit Corinthians gewann er auf Anhieb die Staatsmeisterschaft von São Paulo, erzielte regelmässig Tore. Nach dem kürzlichen Out in der Qualifikation zur Copa Libertadores gegen den kolumbianischen Vertreter Deportes Tolima entluden sich Fan-Proteste gegen Ronaldo.

Es wurde Zeit für einen Abgang, den Ronaldo gerne erfolgreicher gestaltet hätte. Der Bilderbuch-Karriere des Mannes, der in der unteren Mittelschicht in der Metropole Rio de Janeiro aufwuchs, tut dies aber keinen Abbruch. Manch einer hätte viel früher aufgegeben.

Ronaldo in Zahlen

Ronaldos Palmarés ist beeindruckend: Der Brasilianer hat 15 WM-Tore in 19 Spielen bei drei Weltmeisterschaften (Rekord) erzielt, zwei WM-Titel errungen (1994, ohne Einsatz zwar, und 2002) und einen Vize-WM-Titel (1998) geholt. Dreimal wurde er zum Weltfussballer des Jahres gewählt (1996, 1997 und 2002). Der Ausnahme-Könner gewann zwei spanische Meisterschaften, einen Weltpokal sowie einen Uefa-Pokal. Die Liste liesse sich beliebig verlängern. Dass er die Champions League weder mit Inter und Milan noch mit Barcelona und Real Madrid gewann, wird Ronaldo, der in Holland und Spanien Torschützenkönig wurde, locker verkraften können.