Roger Federer versucht nach diesem grandiosen Erfolg seine Gefühle zu erklären.
Roger Federer, fühlt sich dieser Sieg anders an als die anderen?
Alle Wimbledon-Titel sind speziell, man gewöhnt sich nie wirklich daran. Gegen Andy Murray war es aussergewöhnlich, unter dem Dach auch. Ja, er fühlt sich anders an. Und ich werde ihn ganz anders geniessen als mit 25, weil ich in meinem Leben stabiler bin. Dieses Mal ist es wohl noch etwas grösser, weil so viele Dinge zusammenkommen.
Haben Sie hier ein bestimmtes Schicksal?
Aus irgendeinem Grund fühle ich mich hier besser, warum, weiss ich nicht genau. Der Rasen lässt mich sofort vergessen, wie ich in Roland Garros gespielt habe, wo ich mich nie wohlgefühlt habe.
Denken Sie mit 30 daran, dass die Zeit rennt?
Ehrlich, so denke ich nicht. Jemand will immer als Erster mein Ende herbeischwören. Aber auch das ist eine Phase, die zu meiner Karriere gehört. Ich hatte ein tolles Jahr, nur leider haben das nicht immer alle gesehen. Aber der Druck liess dadurch nach. Mein letztes Aus in Wimbledon war hart, das US Open, wo ich nach Matchball verlor, auch. Danach versuchte ich gar nicht erst, mir die Trophäe auszumalen. Verrückt, jetzt ist es erledigt! Ich realisiere das noch gar nicht. Zum Glück habe ich vor Olympia noch etwas Zeit für Ferien mit meiner Familie.
Was bedeutet dieser Sieg für Sie als Vater?
Vor meiner Familie zu gewinnen ist ein ganz grosses Ding für mich! Die Menschen vergessen manchmal, dass ich Zwillinge habe und das eine riesige Herausforderung ist. Die Kinder verändern mein Leben massiv. Es ist wirklich nicht immer einfach. Ich spiele trotz ihnen mehr Tennis, das ist eigentlich nicht normal. Dazu brauchts ein starkes Umfeld und eine ganz starke Frau – die habe ich.
Was sagten Ihre Mädchen als Erstes zu Ihnen?
Ich habe sie noch gar nicht gesehen. Nur vom Platz aus auf der Tribüne – das war ein unglaublicher Moment in meiner Karriere, in meinem Leben. Das ist einfach herzig, auch fürs Mami. Es war immer schon Mirkas Traum, dass die Kinder mich so erleben.
Macht das jetzt Hunger auf noch mehr?
Keine Ahnung, was dieser Sieg jetzt auslöst. Olympia könnte für mich gleich morgen beginnen. Aber das wäre völlig falsch. Ich muss erstmal langsam runterkommen, das alles ist sehr anstrengend.
Was ist schöner – der siebte Titel in Wimbledon oder wieder die Nummer 1 der Welt zu sein?
Beides ist grossartig. Die Nummer 1 konnte ich mir schon länger ausrechnen. Aber mich freuts, dass ich dem Druck standhalten konnte. Es war mental schwierig. Vom siebten Sieg und dem Sampras-Rekord wird schon seit meinem sechsten Sieg 2009 geredet. Der 17. Major-Titel setzt noch einen drauf, obwohl ich schon den 16. nicht fassen konnte. Und dass dies alles in Wimbledon passiert, ist das Grösste.
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