Der Aufstieg von Rafael Nadal Vom Bubikopf zum Tennis-Monster

  • Aktualisiert am 03.01.2012

Rafael Nadal muss den Traum vom fünften French-Open-Titel in Folge abhaken. Trotzdem hat er mit knapp 23 Roger Federer als «Tennis-Monster» abgelöst. Sein Aufstieg in neun Schritten.

1 Der Lehrling (1995-1999)

Mit acht Jahren gewinnt Klein Rafa die balearischen Meisterschaften der Zwölfjährigen auf seiner Heimatinsel Mallorca. Onkel Toni Nadal, der ihn bereits zu diesem Zeitpunkt betreut, ist nicht mal dabei. «Ich dachte, er verliert sowieso in der ersten Runde.» In dieser Lehrlingszeit fallen zwei wichtige Entscheidungen: Nadal konzentriert sich aufs Tennis (statt Fussball) und beginnt, obwohl sonst Rechtshänder, mit links zu spielen.

Toni Nadal: «Was speziell ist an Rafa? Diese Winnermentalität, diese innere Kraft.»

2 Der Jungprofi (2002)

Mit 15 Jahren bestreitet Nadal (damals ATP-Nummer 762) sein erstes ATP-Turnier, zu Hause auf Mallorca. Am 29. April 2002 gewinnt er gegen den Paraguayer Ramon Delgado (ATP 81) 6:4, 6:4. In der zweiten Runde ist der Belgier Olivier Rochus (ATP 70) der erste Spieler, der Nadal auf der ATP Tour bezwingt (6:2, 6:2).

Olivier Rochus: «Er war noch etwas schwächlich und konnte zudem wegen einer Sehnenentzündung kaum richtig aufschlagen. Aber ich konnte bereits da sehen, dass das ein grosser Spieler werden würde.»

3 Der Pechvogel (2003)

In Hamburg entzaubert Nadal die Weltnummer 4 Carlos Moya (7:5, 6:4) und verbessert sich auf Platz 74 der Weltrangliste. Der mit Spannung erwartete erste Auftritt im Sandtennis-Mekka Paris verzögert sich aber wegen Verletzungen bis 2005. Nadal hat unter anderem deshalb eine weisse Weste in Roland Garros, weil er erst als Top-Ten-Spieler erstmals antreten kann.

Roger Federer: «Rafas Bilanz in Paris macht mir keine Angst, denn normalerweise hätte er in jüngeren Jahren hier auch mal verlieren müssen.»

4 Der Patriot (2004)

Nadal spielt erstmals Davis Cup, mit 17 Jahren als jüngster Spanier aller Zeiten. Im Halbfinal gegen Frankreich holt er zwei Punkte. Im Final gewinnt er vor 26 000 Zuschauern im Estadio Olimpico von Sevilla gegen Andy Roddick und verhilft Spanien zum zweiten Triumph im Davis Cup. Kein Davis-Cup-Sieger war jünger als Nadal.

Andy Roddick: «Ab und zu läuft man in einen Spieler, der ein grosser Match-Spieler ist. Nadal ist definitiv so einer. Ich habe alles gegeben, und es reichte nicht.»

5 Der Sieger (2005)

An seinem 19. Geburtstag bezwingt Nadal, bereits die Nummer 5 der Welt, im Halbfinal der French Open Roger Federer. Dank seinem Finalsieg über Mariano Puerta bleibt dessen Überführung wegen Dopingmissbrauchs nur eine Randnotiz. Am Tag nach seinem ersten Grand-Slam-Triumph steht Nadal bereits wieder auf dem Trainingsplatz. Onkel Toni sagt: «Er hat ja nur ein Turnier gewonnen.»

Rafael Nadal: «Für mich hat sich ein Traum erfüllt. Letztes Jahr war ich noch verletzt und jetzt stehe ich auf einer Liste mit all den grossen Spielern, die hier schon gewonnen haben.»

7 Der Champion (2008)

Als erster Spieler seit Björn Borg 1980 triumphiert Nadal innerhalb eines Monats auf dem Sand von Paris und dem Rasen von Wimbledon. Der epische Fünfsatz-Sieg über den fünffachen Titelverteidiger Federer ist ein immens wichtiger Knackpunkt. Jetzt ist Nadal nicht mehr der eindimensionale Sandhase, sondern ein echter Champion, der bei jedem Turnier gewinnen kann.

Björn Borg nach Nadals Fünfsatz-Niederlage gegen Federer in Wimbledon 2007: «Nadal war so nahe am Sieg. Wenn ich einen Champion für 2008 voraussagen muss, dann ist es Nadal. Er ist ein grossartiger Spieler und ein grossartiger Mensch. Er lernt jedes Jahr so viel dazu.»

6 Der Seriensieger (April 2005 – Mai 2007)

Nadal gewinnt 81 Mal in Serie zwischen 2005 und 2007 auf Sand. Erst im Final von Hamburg lässt Roger Federer die sensationelle Serie reissen. Rekordhalter war zuvor der Argentinier Guillermo Vilas (53 Siege zwischen Mai und September 1977).

Guillermo Vilas: «Für eine solche Serie muss die Physis und das Mentale stimmen. Wenn der Kopf müde ist, sind es auch die Beine. Das ist Nadals Erfolgsgeheimnis: Bei ihm stimmt alles.»

8 Der Superstar (2008)

Im Lauf des Sommers entreisst Nadal nicht nur Roger Federer nach 237 Wochen an der Spitze die Nummer 1 der Weltrangliste. Als Krönung eines sensationellen Jahres gewinnt er bei den Olympischen Spielen in Peking auch noch die Goldmedaille. Er wird damit mehr denn je ein Superstar über die Grenzen der Tenniswelt hinaus.

Rafael Nadal: «Ich weiss genau, wie schwierig dieser Titel zu gewinnen ist. Man hat nur alle vier Jahre einmal die Chance.»

9 Das Monster (2009)

An den Australian Open gewinnt Nadal – wieder in fünf Sätzen gegen Federer – sein drittes Grand-Slam-Turnier innerhalb eines Jahres. Federer sagte einmal, er habe mit seinen Seriensiegen ein «Monster» erschaffen, vor dem alle Angst haben. Das Monster heisst nun Nadal, der (fast) alles gewinnt, was es zu gewinnen gibt. Federer bricht an der Siegerehrung sogar in Tränen aus.

Mats Wilander: «Roger muss Rafa dankbar sein. Dank ihm erlebt er Emotionen, die er zuvor nie gekannt hat. Nadal ist der einzige Spieler, der die Eier hat, auf allen Belägen an den Sieg gegen Federer zu glauben.»

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