Stöhnen, Grunzen, Schreien – Ex-Star Martina Navratilova fordert: «Verbietet es!»

  • Publiziert: 24.06.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Marcel Hauck aus Wimbledon

So sieht die Zukunft des Tennis aus: Teenie-Girlies wie Michelle Larcher De Brito prügeln von der Grundlinie auf die Bälle ein und machen dabei so viel Lärm wie eine Motorsäge.

Über 300 Zuschauer drängen sich auf den kleinen Court 17, um einen 16-jährigen Teenager aus Portugal zu sehen. Ist Michelle Larcher De Brito einer der Stars von morgen? Vielleicht. Was die Zuschauer und Reporter aber von der Nummer 91 der Welt sehen oder, besser, hören wollen: das lauteste Stöhnen im Tenniszirkus.

Sie werden enttäuscht. Die in Florida lebende und trainierende Portugiesin hält sich zurück. Nicht bewusst. Sondern, weil sie für den Einzug in die zweite Runde nie an ihre Grenzen gehen muss. «Wenn es intensiver wird, wird auch mein Stöhnen lauter», sagt sie. Die englischen Reporter werden also auch heute wieder mit ihrem «Gruntometer» zu Larchers Court pilgern.

Gut zum relaxt bleiben?

Das tun sie seit den frühen 90er-Jahren, als Monica Seles laufend für neue Lautstärken-Rekorde sorgte. Heute stöhnen die Williams-Schwestern (um 90 Dezibel) und Maria Scharapowa (über 100 Dezibel). In Paris bringt es aber Larcher De Brito auf neue Lautstärken und Längen. Ein Zufall, dass sie wie Seles und Scharapowa durch die Schule von Tennis-Guru Nick Bollettieri ging? Dieser relativiert den Vorwurf, seinen Spielerinnen absichtlich das Stöhnen beizubringen, damit sie im Spiel einen Vorteil haben: «Das wird bei uns nicht gelehrt, aber wir raten den Spielern auch nicht davon ab.» Das sei für viele Sportler ihre Art, auf dem Platz relaxt zu bleiben.

Doch die Kritiker melden sich immer zahlreicher zu Wort. Die Offiziellen in Wimbledon verweisen auf die Möglichkeit der Schiedsrichter, Verwarnungen und Punktabzüge zu verhängen, wenn der Gegner absichtlich gestört wird.

Navratilova will Verbot

Martina Navratilova (52) geht das aber zu wenig weit. Die neunfache Wimbledon-Siegerin fordert eine Regeländerung, die zu lautes «Stöhnen, Grunzen, Schreien oder wie immer Sie es nennen wollen» grundsätzlich verbietet. Für sie ist das Ganze nicht einfach eine Frage des verdorbenen Genusses beim Zuschauen. «Das ist schlicht und einfach Beschiss», sagt sie. «Die Stöhner überdecken durch ihre Laute den Klang des Balles, wenn er mit dem Racket getroffen wird.» Dieser Klang helfe dem Gegner, früh zu erkennen, wie hart oder mit wie viel Spin ein Ball geschlagen wurde.

Doch auch Larcher De Brito fühlt sich unfair behandelt. «Alle reden nur über mein Stöhnen, keiner von all den Opfern, die ich erbracht habe, um so gut Tennis spielen zu können.» Sie lässt keinen Zweifel daran, dass sie nicht damit aufhören wird. «Sollen sie mich doch büssen», sagt sie kämpferisch. «Ich bezahle lieber, als dass ich ein Match verliere, nur weil ich meinen Geräuschpegel im Zaum halten muss.»

Hilft die eigene, bittere Medizin?

Wenn sie einem so direkt gegenüber sitzt, fällt die Vorstellung schwer, dass dieses zierliche, 1.65 Meter kleine und 57 Kilo leichte Persönchen einen solchen Lärm produzieren kann. Vielleicht sollte man ihr mal ein Tape ihrer Matches vorspielen, wie es der Deutsche
Michael Stich, Wimbledon-Sieger von 1991, vorschlägt. «Damit sie mal selber hört, wie unangenehm dieses Gekreische ist.»

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