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Selbst die Leidensfähigkeit von Rafael Nadal (23) kennt Grenzen. «Seit neun Monaten spiele ich mit Schmerzen», verrät die Nummer 1 der Welt in Wimbledon. «Ich bin müde davon, diese Schmerzen auszuhalten.» Logische Konsequenz: Nadal wird seinen Wimbledon-Titel nicht verteidigen. Er tritt gar nicht an.
Den letzten Schlag versetzt ihm ausgerechnet Stanislas Wawrinka. Der zweitbeste Schweizer bezwingt ihn bei einem Showturnier im Londoner Club Hurlingham (4:6, 7:6, 10:3), wie tags zuvor bereits Hewitt. Danach wirft Nadal das Handtuch. Niedergeschlagen gibt er zu: «Das ist einer der schwersten Entscheide meiner Karriere.» Wimbledon sei für ihn schon immer ein spezielles Turnier gewesen, vielleicht das speziellste. «Jetzt erstmals als Nummer 1 hier zu sein…» Nadal stockt. «Das ist hart.» Aber er fühle sich nicht 100 % und sei nicht in der Verfassung, das Turnier gewinnen zu können.
Nadal wird nicht nur seinen Titel, den er Federer letztes Jahr in einem Fünfsätzer von epischen Ausmassen entrissen hat, nicht verteidigen können. Er risikiert auch, seine Führung in der Weltrangliste kampflos abgeben zu müssen. Holt Roger in zwei Wochen seine sechste Wimbledon-Krone, übernimmt er nach 47 Wochen als Nummer 2 wieder die Spitze.
«Wenn das passiert, werde ich es akzeptieren, so wie ich es vier Jahre lang akzeptiert habe, dass ich die Nummer 2 war», sagt Nadal. Wann er sich wieder wehren könne, wisse er im Moment nicht. «Ich werde wohl ein Weilchen out sein.» So mache es jedenfalls keinen Sinn. «Eines der Probleme ist, dass ich auf dem Platz mehr an meine Knie denke, als an das, was auf dem Platz abgeht», klagt der Mallorquiner. So zu spielen, sei sehr schwierig.
Nadal gibt indirekt zu, dass er in der Saisonplanung wohl Fehler gemacht hat. «Woche für Woche habe ich mich gequält und gekämpft.» Ein Sportler habe immer irgendwo Schmerzen. Man wisse nie genau, wo die Grenze sei. «Ich denke, ich habe meine Grenze jetzt erreicht.»
Seit neun Monaten habe er nun Schmerzen im Knie gehabt. Unter anderem verpasst Nadal deshalb den letztjährigen Davis-Cup-Final. In dieser Zeit gewinnt er aber auch die Australian Open sowie in Indian Wells, Monte Carlo und Rom. Besonders akut werden die Probleme in Madrid, wo er im Final gegen Federer chancenlos ist. Er sagt: «Wenn ich einen Fehler gemacht habe, dann wahrscheinlich den, in Madrid zu spielen.»
Nun bezahlt Nadal den höchstmöglichen Preis für diese Überbeanspruchung seines Körpers. Nach Madrid verliert er in Paris sensationell schon in den Achtelfinals gegen Robin Söderling. Und nun muss er auf Wimbledon verzichten. «Zwei der wichtigsten Turniere des Jahres wegen physischen Problemen zu verpassen, ist sehr traurig für mich.» Wer es nicht glaubt, braucht bloss in das Gesicht Nadals zu schauen.
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Rafael Nadal bezahlt den höchstmöglichen Preis für die Überbeanspruchung seines Körpers. (Sven Thomann)