Erst das Pfeiffersche Drüsenfieber, jetzt rätselhafte Folge-Erkrankungen. Tennis-Crack Robin Söderling geht durch die Hölle. Das Karriereende scheint unausweichlich.
Äusserlich ist ihm nichts anzusehen. Robin Söderling wirkt so athletisch und durchtrainiert wie in seinen besten Tagen. Und in diesen schrieb der Mann aus Schweden Geschichte. Bis heute ist er der einzige Spieler, der Sandkönig Rafael Nadal in dessen Reich, auf der roten Asche von Roland Garros, besiegen konnte. Das war 2009.
2011 hätte sein bestes Jahr werden können. Söderling ist die Weltnummer 4, gewinnt in Brisbane, Rotterdam und Marseille. Im Juli auch bei seinem Heimturnier in Bastad. Doch dann geht nichts mehr beim Mann, der für seine knallharten Grundschläge bekannt ist. Der Modellathlet ist schlapp, kraftlos, wird von Fieberschüben und Schwindelgefühlen geplagt. Die Diagnose: Pfeiffersches Drüsenfieber. Er erklärt für die US Open forfait, fällt dann für den Rest der Saison aus.
Zu einem Comeback-Versuch kommt es nie. Zu weit ist der 28-Jährige von seiner Bestform entfernt. Im Juli 2012 ist er nicht einmal mehr eine Nummer, fällt ganz aus der Weltrangliste. Einer der raren Lichtblicke: Anfangs Oktober wird Söderling erstmals Vater. Seine Frau Jenni Moström bringt Tochter Olivia zur Welt. «Wir könnten nicht glücklicher sein», lässt der frischgebackene Papa über Twitter verlauten.
Doch auch auf dem Kurznachrichtendienst ist es seither still geworden. Jetzt bricht Söderling sein Schweigen. «Ich weiss noch nicht, wann ich zurückkehre», sagt er zu einer schwedischen Nachrichtenagentur. Wenn es 2013 nicht klappe, müsse er wohl aufgeben. «Dann kann ich bei den Veteranen spielen.» Der French-Open-Finalist 2009 und 2010 sagt es mit einem Lächeln im Gesicht.
Denn aufgeben will er noch nicht. Im Sommer weilt er für zwei Monate bei einem Spezialisten in San Francisco. Doch die Ärzte stehen vor einem Rätsel - noch immer. Die Symptome des Drüsenfiebers sind längst abgeklungen. Trotzdem fühlt sich Söderling schlapp. «Manchmal schaffe ich es noch nicht einmal, von der Couch aufzustehen.»
Bei den Bluttests in den USA haben die Ärzte eine Unterfunktion der Schilddrüse festgestellt. Eine ausreichende Erklärung für den Gesundheitszustand der ehemaligen Weltnummer vier ist das indes nicht. «Frustration und Energielosigkeit sind nervtötend. Es ist echt beschissen», erklärt Söderling. An ein tägliches Training ist weiter nicht zu denken.
Das Warten, die Ratlosigkeit. Gegen diese Feinde holt sich Söderling Hilfe. «Ich spreche mit einem Sportpsychologen. Aber ich muss es akzeptieren. Die Situation wird sich nicht in ein paar wenigen Tagen ändern.» Auch mit dem Gedanken an einen Rücktritt schlägt sich der 28-Jährige inzwischen herum: «Wenn ich nicht zurückkomme, dann ist es eben so.»
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