Federer erklärt nach Rafas Austritt aus Spielerrat: So lief der Zoff mit Nadal

In zehn Tagen greift Roger Federer wieder an. Im Gespräch erzählt er, was im Olympia-Sommer zählt und wie er mit dem SC Bern mitleiden musste.

  • Publiziert: 14.09 Uhr, Aktualisiert: 27.04.2012
  • Von Christian Bürge und Marcel Hauck

Roger Federer lädt ein. Nach über einem Monat Pause empfängt er ein paar handverlesene Journalisten dort, wo sich normalerweise die Schweizer Fussball-Nati auf Grossanlässe vorbereitet. Im Panorama-Resort in Feusisberg. Kein Manager, kein Medienmensch an der Seite. Einer der grössten Sportstars der Welt zeigt einmal mehr, wie locker und natürlich er geblieben ist. Mit dem Blick auf den Zürichsee redet er offen über den Sommer, der für jeden Sportler der grösste sein könnte.

Mammutprogramm: «Ich bin mental darauf eingestellt. Dann ist es weniger hart. Es sind ja wunderbare Dinge, die kommen. Die Motivation ist daher kein Problem. Ich freue mich auch riesig, dass es jetzt weitergeht, weil ich die letzten sechs Monate, eigentlich fast ein ganzes Jahr, sehr gut spielte. Ich plane nun mal bis nach Wimbledon. Das ist mein erstes Ziel. Dann habe ich wieder drei Wochen bis Olympia. Zwei Highlights sind dann durch. Dann wird es übersichtlicher.»

Wunschsieg 2012: «Wimbledon ist immer das Nonplus-Ultra für mich. Dort haben meine Idole über 10 Mal gewonnen, wenn man Becker, Edberg und Sampras zusammennimmt. Dort gewann ich bei den Junioren zum ersten Mal. Den Rest kennen wir. Der Sampras-Sieg, mein erster Grand-Slam-Sieg. Wimbledon bleibt speziell. Dass wir ein paar Wochen später die Möglichkeit haben, in Wimbledon nochmals in diesem Stadion um Medaillen zu spielen, ist ein unglaubliches Glück für unsere Generation. Zwischen Wimbledon und Olympia in Wimbledon habe ich keine Präferenz. Beides ist gleich wichtig für mich. Auch wenn viele Leute denken, dass ich mehr für die Schweiz tue, wenn ich bei Olympia gewinne. Ich seh das nicht ganz so. Schön ist auch, dass wir mit dieser fantastischen Generation mit Nadal, Djokovic und Murray dahingehen können. Wir werden enorm im Fokus stehen und fürs Tennis beste Werbung machen. Schön ist, dass ich von Paris bis New York überall eine Möglichkeit habe. Ich hoffe, ich kann ein paar mal zuschlagen, ein paar dieser Topanlässe gewinnen. Als Tennisspieler haben wir da Glück. Viele andere Sportarten haben nicht so viele Highlights.»

Letzte Olympiachance: «Ich habe noch nicht daran gedacht, denn für mich ist es nicht undenkbar, auch 2016 in Rio nochmals zu spielen. Der Druck ist bei Olympischen Spielen grundsätzlich gleich wie bei anderen Turnieren. Der Unterschied ist, dass man bei einer Niederlage wieder vier Jahre warten muss.»

Weltrekord-Match im Bernabeu: «Rafa fragte mich an, ob ich mit ihm dieses Weltrekord-Match machen würde. Aber das Datum passte nicht in meine Planung mit Ferien und der Olympia-Vorbereitung. Natürlich wäre das toll gewesen, nachdem wir schon mehrere ungewöhnliche Exhibitions gegeneinander gespielt haben. Jetzt macht ers mit Novak. Ich hoffe, dass es ein Erfolg fürs Tennis wird.»

Streit mit Nadal: «Dass ich gleicher Meinung wie Rafa bin, was den blauen Sand in Madrid betrifft, hat nichts mit unseren Meinungsverschiedenheiten zu tun. Ich habe nicht das Gefühl, ich müsste etwas gutmachen. Die Diskussion um den Sand ging sowieso schon vorher los. Vor der Diskussion um das Zweijahres-Ranking und den kürzeren Turnierplan. Manchmal sind wir nun mal gleicher Meinung, manchmal nicht. Das ändert nichts an unserer Freundschaft. Dass er aus dem Spielerrat ausgetreten ist, ist schade. Aber man wird ihn immer fragen. Er bleibt ja Rafa Nadal.»

Preisgeld-Erhöhung: «Dass wir in Paris und Wimbledon mehr Preisgeld rausschlagen konnten, ist ein Erfolg für alle. Es ist fair. Und es war wichtig, dass die Schwächeren, die oft früh ausscheiden, stärker von der Erhöhung profitieren. Wir sind immer noch weit von der NBA entfernt, die 50 Prozent an die Spieler abgibt. Aber wir sind froh, dass diese Turniere jetzt reagiert haben.»

Sand-Dominator Nadal: «Ich habe den Monte-Carlo-Final nicht gesehen. Denn wenn ich nicht dabei bin, schaue ich auch nicht, was die anderen machen. Für die French Open sehe ich sicher Rafa in der Pole-Position mit all seinen Siegen da. Einer, der auf Sand in 10 Jahren nur 10 Spiele verliert, ist der Beste. Das muss man sich bewusst sein. Novak sei in Monte Carlo etwas müde und nicht gut drauf gewesen. Wenn ich sowas höre, ist für mich klar: Dann macht dich Rafa platt. Auf Rasen oder Hartplatz kommst du vielleicht mit einem starken Service noch gut weg. Aber nicht auf Sand.»    

Rivalität Nadal-Djokovic: «Es ist spannend, wie Novak diese Niederlage jetzt verarbeitet. 2011 spielte Novak in Madrid und Rom perfekt. Er weiss selbst, wie schwer es ist, dies gegen ihn zu wiederholen. Für Rafa war der Sieg in Monte Carlo vielleicht genau das richtige, um den Spiess längerfristig wieder umzudrehen. Ueber mich hat man ja weniger geredet. Es reicht, einmal in die Ferien zu gehen, dann hat man dich vergessen (lacht).»

Die Niederlage seines SCB: «Das liess mich nicht kalt. Ich sass mit Seve dort, der extrem für den SCB hoffte. Als das Tor dann fiel, dachte ich: Das kann nicht sein! So ist der Sport halt manchmal. Darum gehen wir ja hin. Weil man nicht weiss, was passiert. Es war brutal für den SCB, und gleichzeitig eine unglaubliche Leistung des ZSC. Mir hats Spass gemacht. Ich gehe immer sehr gerne Hockey schauen. Es tat mir leid für die Berner Fans und das Team. Aber sie wissen wahrscheinlich selbst, warum sie verloren haben. Manchmal ist es auch ein wenig Glückssache. Oder ein wenig mehr Wille auf der einen und ein wenig Pech auf der anderen Seite. Da muss man sich halt wieder aufrappeln.»

Beliebteste Kommentare

  • Desirée  Schweri , Uzwil
    Roger, es ist einfach unglaublich wie normal du geblieben bist. Weiterhin viel Freude beim Tennis spielen und vor allem mit deiner Familie! Deine Mirka ist ebenfalls ein großes Vorbild ;-
    • 26.04.2012
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Alle Kommentare (5)

  • Carla  Schär , Gottmadingen
    Lieber Roger, danke fürs Interview, aber einen Satz lasse ich keinesfalls gelten: Es reicht, einmal in die Ferien zu gehen, dann hat man dich vergessen...im Gegenteil..wir können es kaum erwarten, unseren Roger endlich wieder auf dem Platz zu sehen!! Für mich heisst es jedenfalls: Ohne Roger fast kein Tennis..langweilig...nur die Punkte der Konkurrenz v.a. Murray und Rafa verfolge ich genau!
    • 27.04.2012
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  • Pierre  Graf
    Ich habe die Nase etwas voll von Federer. Man sieht in überall; wenn man über die Fernsehkanäle zappt sieht man ihn ein halbes Dutzend mal. Dann sind da noch die Fernsehreklamen und auch jene in den andern Medien. Gibt es ausser Tennis und Geld noch etwas Anderes in Federers Leben?
    • 27.04.2012
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    • Carla  Schär , Gottmadingen
      ...so ein Blödsinn..."man sieht in überall...wenn man über die TV-Kanäle zappt"...also ausser im Schweizer-TV sieht man Roger eben n i c h t!! Ist auch egal, aber bitte keine Märchen erfinden!
      • 27.04.2012
      • als Kommentar auf Pierre  Graf
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  • Meier  Hansruedi
    Herr Federer

    Sie sind ein von Glück beseelter Mann: weil sie hart arbeiten und das Leben um Sie herum nicht vergessen haben. Sie haben eine tragende, liebende Familie, einerlei ob Sie gewinnen oder verlieren!
    Das kann kein Geld dieser Welt ersetzen. Und Sie haben die Demut dies zu erkennen, zu schätzen und zu pflegen! Für mich sind Sie ein toller Mensch und Sportler.
    • 26.04.2012
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  • Desirée  Schweri , Uzwil
    Roger, es ist einfach unglaublich wie normal du geblieben bist. Weiterhin viel Freude beim Tennis spielen und vor allem mit deiner Familie! Deine Mirka ist ebenfalls ein großes Vorbild ;-
    • 26.04.2012
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Platz Name Land Punkte
1 Novak Djokovic SRB 12310
2 Andy Murray GBR 8670
3 Roger Federer SUI 8000
4 Rafael Nadal ESP 6895
5 David Ferrer ESP 6740
6 Tomas Berdych CZE 4700
7 Juan Martin Del Potro ARG 4320
8 Jo-Wilfried Tsonga FRA 3795
9 Richard Gasquet FRA 3090
10 Janko Tipsarevic SRB 2640
11 Stanislas Wawrinka SUI 2630

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