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Boris Becker, Sie blieben Paris viele Jahre fern. Jetzt spielen Sie beim Legendenturnier. Aber Roland Garros und Sie, das war nie eine Liebesbeziehung, oder?
Boris Becker: Ich war immer gerne in Paris. Ich finde die Stadt wunderschön. Das Turnier habe ich in der Tat nie gewonnen, war aber immerhin dreimal in den Halbfinals (er unterlag 1987 Wilander, 1989 Edberg, 1991 Agassi, d. Red.). Mit der deutschen Brille betrachtet würden wir uns heutzutage alle freuen, wenn einer nur schon in die Viertelfinals käme und nicht immer alle in der ersten Runde verlieren würden.
Legenden wie Sampras, McEnroe oder Sie konnten Paris nicht gewinnen, Roger Federer gelang es auch noch nicht. Alles dominierende Spieler einer Generation. Was macht Paris so schwierig?
Es sind ja alles Offensivspieler, die Sie jetzt aufgezählt haben. Es sind Leute, die den Punkt mit einem Offensivschlag machen wollen. In Paris gewinnt man aber, wenn man weniger Fehler macht. Psychologisch müssen Offensivspieler auch gegen sich spielen, und dies über zwei Wochen. Das geht an die Substanz. Und irgendwann im Halbfinal oder Final kommt dann einer, der dieses defensive Spiel einfach besser kann. Wenn du jeden Tag ausziehen und gegen deinen Charakter spielen musst, gehts oft irgendwann nicht mehr auf.
Trauern Sie manchmal Ihren vergebenen Chancen hier nach?
Ich bin ein Perfektionist und versuche jeden Weg, um ans Ziel zu kommen. Da ich hier so oft in den Halbfinals war, kann ich mit Fug und Recht behaupten, ich hätte alles versucht. Daher habe ich damit abgeschlossen. Ich war damals nicht gut genug. Ein Wilander war besser, ein Edberg war besser. Ein Jahr hätte ich vielleicht in den Final kommen können, gegen Edberg. Da hatte ich Break im fünften Satz, aber Edberg ist ein grosser Champion. Wäre ich gut genug gewesen, hätte ich gewonnen.
Ist Roger Federer gut genug?
Roger kämpft wie gesagt einen Kampf gegen sich selber. Er ist einer, der einen Gewinnschlag anbringen will. Hier gilt aber: Warten. Er macht das sehr gut, das ist aber nicht sein natürliches Spiel. Und das ist sein Problem. Kommt dazu, dass er mit Nadal einen Gegner hat, der auf Sand eine Legende ist. Es gab Phasen, als die Paris-Sieger schlechter waren. Nadal ist einer der Allerbesten überhaupt. Für Roger ein Pech. Aber das ist oft so.
Was macht man gegen einen wie Nadal, der auf einer solchen Wolke schwebt?
Roger hat seine Waffen. Er darf sich nicht beeindrucken lassen. Das war ja jetzt alles Vorgeplänkel. Das soll man alles nicht ernst nehmen. In Hamburg hatte er mehr Chancen. Da ist er nicht an Nadal gescheitert, sondern an den eigenen Nerven. In Monte Carlo stand es vier zu null im zweiten Satz. Ich meine, da muss er den Satz machen. Da ist nicht Nadal der Gegner, sondern er selbst.
Federer spielte in den bisherigen Finals immer einen guten Satz. Plötzlich wirkte er aber ratlos. Haben Sie eine Erklärung?
Das ist vor allem auch eine mentale Sache, wenn er nachlässt. Das können 10 bis 15 Minuten Zweifel sein. Natürlich wäre das auch ein Traum für ihn, hier zu gewinnen. Es wäre das Ultimative, jeder würde ihn als besten Spieler aller Zeiten bezeichnen. Das sind die Probleme, die er hat. Es ist das Volumen eines Sieges. Das ist riesengross.
Was wünschen Sie sich?
Dass Roger gewinnt. So ein Champion sollte auch Paris gewinnen. Das ist eine Werbung für den Sport. Bei Nadal gilt: Ob er’s drei- oder viermal gewinnt, das spielt in seinen Annalen keine Rolle. Aber wenn Federer hier einmal gewinnen würde, das wäre toll.
Könnte eine Niederlage einen Karriereknick bedeuten?
Man hat das ja auch letztes Jahr gedacht, und es ist nicht passiert. Ich glaube nein, es wird keinen Karriereknick geben, aber der Wettbewerb wird härter. Djokovic spielt sehr gut dieses Jahr. Tsonga hat
bei den Australian Open überzeugt. Es kommen immer neue. Die Zeit bleibt nicht stehen. Deswegen: Die Chancen, die er hat, soll er nutzen. Ewig wird er nicht 26 bleiben.
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Sonntagsblick-Kolumnis Boris Becker besuchte den GP von Monaco. (Keystone)