Fast eine Stunde lang passt bei Roger Federer nichts zusammen. Seine Schläge sind ohne Druck, die Bälle unpräzis und Nikolai Dawidenko (ATP 6) spielt zuweilen Katz und Maus mit dem Schweizer.
Federer muss in jedem Game um seinen Aufschlag kämpfen, während er selber zu keinem einzigen Breakball kommt.
Dawidenko, seit 13 Matches ungeschlagen, ist drauf und dran, Federers einmalige Serie von 22 Grand-Slam-Halbfinals in Serie zu beenden. Der russische Masters-Champion gewinnt den ersten Satz 6:2, führt im zweiten 3:1 und hat erneut drei Breakbälle. Roger wirkt schlapp, ohne Energie.
Als er eine Rückhand falsch trifft, fällt sie gerade noch in Dawidenkos Feld. Der hat einen einfachen Ball – und verschlägt.
Mit einem Schlag steht die Partie Kopf. Im nächsten Game gelingt Federer endlich das erste Break. Auf einmal spielt er wieder sein «normales» Tennis, Dawidenko hingegen zeigt, warum er es trotz Spitzentennis noch nie in einen Grand-Slam-Final geschafft hat.
Dem Russen gelingt nichts mehr, dem Schweizer plötzlich alles. Eine Challenge, die er um ein paar Millimeter gewinnt, hilft mit beim zweiten Break zum 5:3.
Federer gewinnt 13 (!) Games in Serie. 40 Minuten, nachdem er mit dem Rücken zur Wand stand, hat er eine Vorentscheidung zu seinen Gunsten geschafft.
Erst bei 2:0 im vierten Satz schafft Dawidenko endlich wieder ein Game. Noch einmal schlägt der Russe zurück, gleicht zum 3:3 aus. Und erarbeitet sich sogar drei Breakchancen zu einer 5:3-Führung. Auch diesmal hat Roger die besseren Nerven. Fünf Aufschlagwinner bringen das Game, ein Doppelfehler Dawidenkos wenig später das entscheidende Break für Federer.
Die Entscheidung? Nicht in diesem kuriosen Match. Dawidenko wehrt einen Matchball mit einem krachenden Returnwinner ab. Und lässt gleich zwei weitere perfekte Schläge folgen. 5:5.
In einem Marathon-Game holt sich Federer den Vorteil aber gleich wieder zurück. Und diesmal serviert die Partie nach gut zweieinhalb Stunden nach Hause. Ein Schrei der Erlösung! Das 2:6, 6:3, 6:0, 7:5 ist einer der kurioseren Siege Federers.
Das Match im Protokoll von Simon Häring
2:6, 6:3, 6:0, 7:5 Aus, schluss, vorbei! Roger Federer steht nach einem packenden, intensiven und spektakulären Sieg über den Russen Nikolai Dawidenko im Halbfinal der Australian Open.
2:6, 6:3, 6:0, 6:5* Das muss es sein! Federer macht wieder das Break! Mach den Sack zu, Roger!
2:6, 6:3, 6:0, 5:5* Das gibts ja gar nicht! Dawidenko wehrt einen Matchball ab und ist zurück im Satz. Wahnsinn.
2:6, 6:3, 6:0, 5:4* Die Vorentscheidung? Federer holt sich das Break und serviert gleich zum Matchgewinn!
2:6, 6:3, 6:0, 4:4* Gleiche Situation wie eben. 0:40 und drei Breakchancen für Dawidenko. Aber diesmal kann Federer alle abwehren! Parforce-Leistung des Baselbieters.
2:6, 6:3, 6:0, 3:4* Dawidenko hält seinen Service. Die Nummer sechs der Welt hat sich wieder gefangen. Jetzt muss Federer aufpassen, dass er die Kontrolle über das Spiel nicht aus der Hand gibt.
2:6, 6:3, 6:0, 3:3* Wie gewonnen, so zerronnen. Plötzlich hat Dawidenko drei Breakchancen in Serie, Federer wehrt zwei ab, doch dann ists passiert. Wieder alles offen im vierten Satz.
2:6, 6:3, 6:0, 3:2* Dawidenko hat sich etwas gefangen und serviert jetzt wieder sicherer. Aber der Russe ist immer noch ein Break hinten.
2:6, 6:3, 6:0, 3:1* Federer wackelt kein bisschen, Dawidenko kommt nicht einmal in die Nähe eines Breakballs.
2:6, 6:3, 6:0, 2:1* Endlich! Dawidenko gewinnt wieder einmal ein Game. Für Federer zu verkraften: Er führt mit 2:1 nach Sätzen und mit Break im Vierten.
+++ Dawidenko hat die letzten 13 Partien gewonnen, zweimal Federer und Nadal geschlagen, das Masters in London für sich entschieden, das Turnier in Doha gewonnen. Der Russe ist die Nummer sechs der Welt. Aber: Gegen Federer hat er die letzten 12 (!) Games allesamt verloren. Eine Demonstration.
2:6, 6:3, 6:0, 2:0* Dawidenko agiert jetzt mit dem Mute der Verzweiflung, holt sich tatsächlich eine Breakchance, aber Federer wehrt ab. Dawidenko haut einen schwierigen Überkopf-Smash ins Netz. Etwas Glück für Federer, der danach das Game zumacht. Grosses Kino, liebe Tennis-Fans, grosses Kino.
2:6, 6:3, 6:0, 1:0* Traumstart Federer! Wieder ein Break. Jetzt wird es langsam bitter für Dawidenko. Übrigens: Es wäre Federers 23. Grand-Slam-Halbfinale in Serie. Das ist, natürlich, Rekord.
2:6, 6:3, 6:0* Das wars! Höchststrafe für Dawidenko. Ein Satz nahe der Perfektion. Federer gewinnt sein zehntes Game in Serie, gibt bei eigenem Aufschlag im dritten Satz nur einen einzigen Punkt ab (!) und breakt Dawidenko seinerseits dreimal. Bis Mitte des zweiten Satzes gabs eigentlich fast kein Federer-Game ohne Breakchance für Dawidenko...
2:6, 6:3, 5:0* Die Kuh im zweiten Satz scheint gemolken. Wieder ein Break.
2:6, 6:3, 4:0* Das achte Game in Serie für Federer. Dawidenko schleicht relativ ratlos über den Platz. Das ist jetzt wie von einem anderen Stern, was der Baselbieter hier produziert. Der Russe, von vielen als DER Favorit bezeichnet, hat im dritten Satz erst drei mickrige Pünktchen gesammelt.
2:6, 6:3, 3:0* Jaja, bei Dawidenko geht fast gar nichts mehr. Federer liegt im dritten Satz mit Doppelbreak in Front. Das ist der kleine aber feine Unterschied: Federer lässt sich von einem verlorenen Satz nicht verrückt machen, wartet geduldig auf seine Chance.
2:6, 6:3, 2:0* Federer dominiert jetzt plötzlich von A bis Z und Dawidenko bringt keinen Fuss mehr vor den anderen. Vor einer halben Stunde war es noch genau umgekehrt.
2:6, 6:3, 1:0* Wahnsinn! Jetzt kann Federer mit dem Break vorlegen! Spürt der Russe den Druck, endlich auch bei einem Grand-Slam-Turnier Grosses vollbringen zu müssen?
2:6, 6:3* Das ist der Satzgewinn. Das ging jetzt aber fix. Wichtig für Federer. Das Spiel kann wieder von Null an beginnen. So kanns weitergehen.
2:6, 5:3* Das Break! Gleich serviert Federer zum Satzgewinn! Er nutzt seine Chancen eiskalt aus. Zwei Breakchancen, zwei Breaks. Unglaublich, wie er hier den Kopf aus der Schlinge gezogen hat.
2:6, 4:3* Jetzt hat er den Hebel offenbar gefunden, ein lockeres Game für Federer. Aber ein Nachlassen liegt gegen den besten Dawidenko den es je gab nicht drin.
2:6, 3:3* Jawoll! Federer schafft das Rebreak, ist zurück im Satz. Langsam, aber wirklich nur sehr langsam findet die Nummer 1 hier ins Match.
2:6, 2:3* Wieder hat Dawidenko Breakchancen, Federer findet nach wie vor nicht ins Spiel. Aber es bleibt bei dem einen Break. Jetzt sind Fighterqualitäten gefragt.
2:6, 1:3* Wieder nichts. Dawidenko bleibt bei eigenem Service unangetastet.
2:6, 1:2* Und schon liegt der Russe mit Break vorn. Eieiei, Federer muss sich etwas einfallen lassen. Dieses Game gibt er ohne Punktgewinn ab.
2:6, 1:1* Dawidenko lässt nichts anbrennen. Noch keine Breakchancen für Federer.
2:6, 1:0* Federer hat sich eine kleine Pause genommen, aber der Wurm ist drin. Dawidenko hat erneut drei Breakbälle, die Federer aber entschärfen kann. Aber der Russe ist wirklich bärenstark drauf. Wichtig, dass er dieses Game durchbringt.
2:6* Nur etwas mehr als eine halbe Stunde dauert der erste Satz. Dawidenko holt sich diesen locker und leicht. Federer scheint völlig von der Rolle. Das wird dem Baselbieter zu denken geben. Vor dem Spiel hatte er den Gewinn des ersten Satzes als Schlüssel zum Sieg bezeichnet.
2:5* Wieder wird es eng, aber keine Breakbälle diesmal. Federer verkürzt, aber gleich serviert Dawidenko zum Satzgewinn.
1:5* Es sieht schlecht aus. Dawidenko macht kaum Fehler, während Federer die gewohnte Sicherheit vermissen lässt. Um ein Comeback zu schaffen, braucht die Nummer 1 eine Parforce-Leistung. Der Russe strotzt vor Selbstvertrauen. Kein Wunder: Er hat die letzten 13 Spiele allesamt gewonnen.
1:4* Grosse Klasse vom Russen. Federer hat bis jetzt keinen Stich. Das zweite Break und der erste Satz ist schon fast weg.
1:3* Dawidenko kann das Break problemlos bestätigen. Federer ist jetzt unter Zugzwang.
1:2* Ein Doppelfehler bringt Federer arg in Bedrängnis. Wieder hat Dawidenko eine Breakchance und er nutzt diese Chance. Ein Kaltstart bei Federer. Schon elf Fehler in nur drei Games.
1:1* Dawidenko bekundet keinerlei Probleme bei eigenem Aufschlag. Federer hat den Rhythmus noch nicht gefunden.
1:0* Der Auftakt gelingt, Federer muss aber zwei Breakbälle abwehren. Dawidenko strahlt unglaublich viel Sicherheit aus. Wohl bloss ein kleiner Vorgeschmack auf die nächsten Stunden.
+++ Es geht los. Federer serviert!
+++ Bei den Australian Open steht der Russe zum zweiten Mal im Viertelfinal. Für Roger Federer ist es bereits der siebte Auftritt auf dieser Stufe. Dreimal konnte er das Turnier für sich entscheiden (2004, 2006 und 2007). In Melbourne trafen die beiden auch schon aufeinander: 2006 gewann Federer im Viertelfinal 6:4, 3:6, 7:6 und 7:6.
+++ Blick.ch-Leser wissen: Nikolai Dawidenko befindet sich in der Form seines Lebens. Der Russe gewann das Saisonfinale in London und das Saisonauftakt-Turnier in Doha. Dabei schlug er Roger Federer jeweils im Halbfinal. Im Head-to-Head führt Federer aber nach wie vor deutlich mit 12:2.
+++ Meine Damen und Herren. Ursprünglich war Roger Federers Match auf 03.45 Uhr Schweizer Zeit angesetzt. Die Frauen haben es aber unheimlich spannend gemacht und für einen mehr als würdigen Auftakt für den Leckerbissen Federer – Dawidenko gesorgt.
+++ Am Schluss ging alles ganz fix: Serena Williams schlägt Viktoria Azarenka 4:6, 7:6 und 6:2. Und dass, nachdem Azarenka 6:4, 4:0 und 40:15 geführt hatte. Damit bleibt die Titelverteidigerin auf Kurs. Gleich erwarten wir hier Roger Federer und Nikolai Dawidenko zum Showdown auf dem Centre Court. Bleiben Sie dran.
+++ Das heisst für Sie, liebe Federer-Fans, dass Sie sich noch etwas gedulden müssen, bis der Baselbieter zum Spiel des Tages gegen Nikolai Dawidenko antreten kann. Vor sieben Uhr Schweizer Zeit werden die beiden wohl nicht auf dem Platz stehen.
+++ Erstaunlich, was sich momentan auf dem Centre-Court abspielt: Viktoria Azarenka aus Weissrussland führt Titelverteidigerin Serena Williams bis zum Stand von 6:4 und 4:0 quasi vor. Dann kommt Williams, rettet sich ins Tie-Break, gewinnt dieses und erzwingt einen Entscheidungssatz.
+++ Der Spielbeginn wird sich wohl noch etwas verzögern. Derzeit spielen Serena Williams und Viktoria Azarenka auf dem Centre-Court um den Einzug in den Australian-Open-Halbfinal.
+++ Aber das frühe Aufstehen lohnt sich: Roger Federer vs. Nikolai Dawidenko ist derzeit etwas vom Feinsten, was der Tennis-Zirkus zu bieten hat.
+++ Willkommen, liebe Tennis-Fans. Blick.ch trotzt heute der morgendlichen Müdigkeit und haut früh in die Tasten. Getreu dem Motto: Morgenstund hat Gold im Mund.