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Es war wie fast immer. Die Schlagzeilen gehörten vor diesem Duell fast ausschliesslich Andy Murray. Dem schottischen Hoffnungsträger, der endlich etwas Grosses gewinnen muss, um von der unbarmherzigen britischen Presse nicht früher oder später ein Verlierer-Image aufgedrückt zu bekommen.
Nachdem er in sechzehn Anläufen in Grand-Slam-Turnieren bislang immer scheiterte, sollte es nun wenigstens bei den ATP World Tour Finals – dem Saisonabschluss der besten Acht – klappen. Die Kommentatoren hauten Federer dessen Negativbilanz gegen Murray (3:6) genüsslich um die Ohren und heizten das Spiel entsprechend an.
Trotzdem kommt es anders. Am Ende packt Federer, der zuletzt in Paris eine frühe Niederlage hatte hinnehmen müssen, die ganz grossen Schläge aus. Er ist reifer, abgeklärter und vor allem variantenreicher als sein Gegenüber.
Murray gewinnt zwar den ersten Satz dank ausgezeichnetem Service und guten Returns, doch dann minimiert der Klassenprimus seine Fehlerzahl und setzt wie schon gegen Fernando Verdasco zu einem Steigerungslauf an.
Für Murray ist es am Ende eine weitere bittere Lehrstunde. Für Federer die Revanche für die Niederlage in den Gruppenspielen vor einem Jahr in Schanghai. Gleichzeitig sichert er sich die Nummer 1 bis Ende 2009.
Die Qualifikation für die Halbfinals ist nach dem zweiten Sieg in Griffweite gerückt, aber noch nicht ganz perfekt. Im Extremfall kann sich Federer im dritten Gruppenspiel sogar eine Niederlage leisten.
Morgen wartet dort Juan Martin Del Potro. Die Revanche des US-Open-Finals ist völlig offen, nachdem der Argentinier gestern mit seinem ersten Sieg (über Verdasco) Selbstvertrauen tanken konnte.
In den Wochen nach New York stand Del Potro völlig neben den Schuhen. In Tokio schied er bereits in Runde 1 gegen einen Qualifikanten aus. In Schanghai und Paris beklagte er kleine Blessuren und gab jeweils auf. Laut eigenen Angaben war er aber vor allem leer, konnte sich nach dem überraschenden Höhepunkt nicht mehr motivieren und hätte die Saison am liebsten bereits im September beendet.
Jetzt scheint er den Tritt wieder gefunden zu haben. «Aber Federer ist mir in der Halle mindestens noch einen Schritt voraus. Ich muss besser als bei den US Open spielen, um eine Chance zu haben.»