Nadal steht am liebsten unter der Dusche

  • Publiziert: 22.05.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Marcel Hauck aus Paris

Rafael Nadal, der Tennis-König ohne Macken. Ausser bei der Wahl seines Lieblingsorts.

Zur Auswahl stehen die Place des Mousquetaires mit den Statuen der legendären französischen Tennis-Helden der 20er-Jahre. Oder die TV-Plattform mit dem weiten Blick über das gesamte Gelände des Stade Roland Garros und dem angrenzenden Bois de Boulogne. Oder ganz einfach der Court Central, auf dem der 22-jährige Nadal in 28 Spielen noch nie verloren hat.

Umso überraschender ist die Wahl seines Lieblingsorts beim Grand-Slam-Turnier in Paris, das am Sonntag beginnt. «Die Dusche», sagt Nadal. Warum das so sei, könne er auch nicht genau erklären. «Ich benütze immer die gleiche, und es ist die grösste da», meint er und lächelt etwas verlegen. «Und am Schluss habe ich sie fast für mich alleine.»

Da liegt wohl auch die Erklärung begraben. Jedes Mal, wenn Nadal nach Sieger-Interviews und Dutzenden geschriebener Autogramme in die Garderobe und unter die Dusche zurückkehrt, hat er gewonnen. Vielleicht ist es jeweils der erste ruhige Moment, in dem er den Sieg so richtig realisiert und geniessen kann.

Nadal ist in Paris der Favorit

Wie wird es wohl sein, wenn «Rafa» das erste Mal als Verlierer in «seine» Dusche schleicht? «Ich habe keine Albträume von meiner ersten Niederlage in Paris», sagt die Weltnummer 1 selbstbewusst. In diesem Jahr könnte er mit seinem fünften Triumph in Serie die Leistung von Björn Borg – und von Roger Federer in Wimbledon – egalisieren. Für selbstverständlich hält der Mallorquiner einen solchen Ausgang aber nicht.

«Ich weiss genau, dass diese erste Niederlage kommen wird», ist er realistisch. «Ich werde kein Problem haben, diese zu akzeptieren. Ich habe ja schon oft verloren, einfach noch nie in Roland Garros.»

Im Moment hoffe er lediglich, dass die Pleite nicht in diesem Jahr kommt. Er hat sowieso schon mehr erreicht, als er sich je erträumt hat. Viel mehr. «Als Teenager habe ich davon geträumt, einmal hier spielen zu können», verrät Nadal. Gewinnen? «Nein, davon hab ich nicht einmal geträumt.»

Trotzdem ist er auch 2009 haushoher Favorit. Daran ändert auch Federers Sieg in Madrid wenig. Sollte dem Schweizer jedoch auch in Paris ein solcher Coup gelingen, würde er Nadal nicht nur als Sand-König entthronen, sondern ihm vielleicht gar seinen Lieblingsort im Stade Roland Garros wegnehmen. Die Dusche!

play Warum er sich gerade in der Dusche so wohl fühlt, kann Nadal auch nicht ganz genau sagen. (Reuters)

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