Das sagt Severin Lüthi
«Merci für die vielen Fragen und die guten Wünsche. Ich muss jetzt aber trainieren, damit es mit dem Sieg klappt. Gruss an alle, Seve.»
Zur Person
Der Berner Severin Lüthi hat einen der interessantesten Jobs der Welt. Nicht nur coacht die ehemalige Nummer 10 der Schweiz das Davis-Cup-Team. Immer wieder hat Lüthi die Weltnummer 1 Roger Federer auf der Tour begleitet und unterstützt. Der 33-Jährige hat im Federer-Staff keine offizielle Funktion als Coach inne, aber er unterstützt Federer in taktischen und technischen Fragen. Somit ist Lüthi ein exzellenter Federer-Kenner.
Chat: Alle Fragen und Antworten
Frage von Caluori Diego, Chur: Guten Tag Herr Lüthi. Ist es möglich, dass Roger seine Sandsaison, aufgrund der wenigen Turniere die er bislang im 2009 gespielt hat, verlängert, dass er ev. zusätzlich noch Monte-Carlo spielt um sich besser auf Roland Garros vorzubereiten?
Antwort von Severin Lüthi: Möglich ist natürlich alles. Aber das hängt halt etwas von den nächsten Wochen ab.
Gerber Stefan, Steffisburg: Servus Sevä. Bist du eigentlich als Trainer auch so ehrgeizig und aggressiv wie du in deiner aktiven Zeit als Spieler warst? Gruss Stuf
Lüthi: Hoi Stuf. Du kennsch mich doch. Ich bi völlig usgliche und relaxed uf em Platz!
Rufner Daniel, Thun: Hallo Severin, hat Roger auch so viele und geniale Fussballtricks drauf wie du?
Lüthi: Hoi Rufi, wie gats? Wie du ja weisst, konnte ich mich letzte Woche massiv verbessern, aber für Roger reicht es halt immer noch nicht :-((
Doris Löffel, Oberburg: Aller Guten Dinge sind 3.... Sälü Severin Sitze am Donnerstag – wo ja bekanntlich die Auslosung bekannt gegeben wird im Flieger Richtung Birmingham. Kannst du schon was zur CH-Aufstellung sagen? Wie gross sind die Chancen, dass Chiudi spielen wird? Stan nehme ich mal an ist gesetzt oder?
Lüthi: Stan ist supergut drauf. Halt viel trainiert in den letzten Wochen. Wir haben die Aufstellung natürlich noch nicht gemacht, aber die Chance, dass Stan spielt ist sicher gross. Über den zweiten Einzelspieler haben wir schon gesprochen. Wir haben schon eine Idee, aber wir warten natürlich sicher noch die weiteren Trainings ab.
Stefanie, Berner Oberland: Sälü Severin, i hoffe äs si alli unverletzt und frohen Mutes! üsi dütschschwizer-truppe cha dismal leider nid so vollzählig erschiene wie bi de letsde Partie, aber mir wärde nech sälbstverständlich vo hie us unterstütze.
Lüthi: Merci und drucked fest d Tuume. Fans sind für üs extrem wichtig. Mir freud eus über alli, wo chömed und hoffed, dass ihr nöchsts Mal wieder chönd cho.
Roland Stucki, Heimberg: Sind eigentlich die Tennisbälle in einer höheren Region wie Gstaad länger in der Luft?
Lüthi: Tschou, Stettler Dani :-)) Du weisch ja us eigener Erfahrig vu Gstaad, dass das effektiv so isch. D Bäll flüged halt chli witer als gwöhnt. Muesch halt vilicht chli meh Topspin geh oder allefalls chli herter z bespanne. Rücklag vertreits halt so nöd!
Foletti Fabio: Bekommst du viele Anfragen, ob du Tickets für die grossen Turniere besorgen kannst? :-)
Lüthi: Logisch. Ich kann halt nie allen ein Ticket besorgen, die eines möchten.
Foletti Fabio: Siehst du in Roger Federer, den besten Tennisspieler, den die Welt je gesehen hat?
Lüthi: Ich hoffe, dass er einst als bester Spieler in die Geschichte eingeht. Im Moment geht es aber darum, weitere Grand Slams zu gewinnen und den Rekord von Sampras zu schlagen.
Thomas Pirovano, Bern: Tschou Severin, hesch immer no Kontakt zur Martina Hingis?
Lüthi: Ich habe leider keine Ahnung, was sie im Moment macht.
Lukas Bern: Hallo Severin. Was macht Roger jetzt gerade?
Lüthi: Er ist am Trainieren und bereitet sich auf Indian Wells und Miami vor.
Perrottet,Andrea Zürich: Glaube Sie das die Schweiz ohne Federer weit kommen wird?
Lüthi: Wir glauben immer dran, aber erst schauen wir mal auf die erste Runde. Und die wollen wir gewinnen! Auch wenn wir nicht Favorit sind. Wir sind nicht hierher gereist, um zu verlieren.
Edi Barsa, Herrenschwanden: Hallo Seve:) Ich finde die Optik etwas einseitig: Federer ist natürlich die Nr. 1, ABER das Schweizer Team hat gute, junge und motivierte Spieler. Wir reden von einer Mannschaft, einem Team. Es wie anderen Manschaftssportarten: Bayern München kann auch gewinnnen, wenn Ribéry mal nicht dabei ist. Die Abwesenheit von Roger sehe ich somit auch als Chance zu zeigen, dass das TEAM als ganzes stark ist. Seve ist übrigens ein Top-Typ mit Charakter ! Er wäre auch ohne Federer erfolgreich. Und auch das TEAM um Lüthi hat riesen Potential. FAZIT: Mit Federer stärker, ohne Federer immer noch sack-stark:) Oder, was denkst Du, Seve? LG (BRASIL-)Edi
Lüthi: Danke für das Kompliment. Ich bin eben im Tennis besser als im Fussball, gell?
Foletti Fabio: Welches ist dein Lieblingsturnier auf der Tour? Wo gefällt es dir am besten?
Lüthi: Nicht einfach. Es gibt viele, die aus verschiedensten Gründen coole Turniere sind. New York ist als Stadt unglaublich, Melbourne ist von den Grand Slams das Ruhigste.
Knecht Ueli, Bangsaen, Thailand: Roger scheint wie blockiert zu sein in gewissen Phasen gegen Spieler wie Nadal, Murray oder Simon. Könnte es sein, dass Peter Lundgren diese psychologische Verkrampfung bei einer Verpflichtung für eine Übergangszeit etwas bewirken könnte? Die beiden schafften es damals, warum heute wieder nicht? Dass Roger Federer das Zeug dazu hat, bezweifelt auf der Welt keiner.
Lüthi: Ich glaube nicht, dass Peter im Moment ein Thema ist. Er hat mit Dimitrov ja einen sehr talentierten, jungen Spieler, um den er sich kümmert.
Federer Fan Bern: Wie siehst Du die Rivalität zwischen Federer und Nadal? Hat Federer in Deinen Augen einen Nadalkomplex? Oder wie ist seine Unsicherheit im Match gegen Nadal zu erklären?
Lüthi: Einen Komplex hat er sicher nicht. Man muss einfach sehen, dass Nadal auf einem unheimlich hohen Niveau spielt und gegen fast alle dominiert. In Wimbledon und Australien hat Roger zwei Matches, die er ein anderes Mal genauso gut wieder gewinnen kann.
jean joseph pitteloud, sion: hallo seve, how is the team spirit?
Lüthi: Sehr gut. Wir haben seit einigen Jahren einen sehr guten Team Spirit und eine gute, motivierte Mannschaft. Wir achten sehr darauf, dass dies auch so bleibt. Gerade heute morgen haben wir ein Team-Frühstück mit Pingpong gemacht. Auch das Jassen ist immer gut für den Team Spirit.
Karin Bünter, Altendorf: Hallo Herr Lüthi. Wir sind Fans von Jean Claude Scherrer und wohnen in der Nähe seines Wohnorts. Warum hat er dieses Jahr als Nummer 1 im Doppel nicht Daviscup gespielt obwohl er die besseren Resultate als Allegro liefert?
Severin Lüthi: Wir freuen uns sehr über die guten Resultate von Jean-Claude und hoffen, dass er noch weiter nach vorne kommt. Die Türe für ihn ist keineswegs zu. Wir schauen aber auch nicht nur auf die Rangliste und werfen einen Spieler gleich aus dem Team, wenn er von einem anderen überholt wird. Yves bringt seit Jahren sehr gute Leistungen im Davis Cup und spielt im Team eine sehr wichtige Rolle und verdient unser vollstes Vertrauen.
kunda john Tampa: Wer ist im Pingpong der Beste im Team
Lüthi: (er studiert lange) Ist eine sehr heikle Frage, weil ich niemanden brüskieren will. Es gewinnt nicht immer der Gleiche. Wir müssen den Champion noch ausspielen. Chiudi, Stéph und Rog sind meistens in der Leadergruppe, aber Stan und ich machen ihnen das Leben schwer.
michael n. triesen: Guten Tag, Eine wirkungsvolle Variante gegen das Beidhand-Lift-Spiel von Nadal wäre der präzise, tiefe Slice in verschiedenen Längen und Geschwindigkeiten. Federer beherrscht den Schlag wie kein Zweiter denke ich. In Melbourne hat Roger das zuwenig gezeigt. Topspin-Duelle gegen Nadal sind keine gute Taktik. Was denken Sie?
Severin Lüthi: Von aussen sieht das vielleicht einfacher aus, als es ist. Aber versuchen Sie mal, auf Nadals Topspin einen aggressiven Slice zu spielen. Wenn der Slice nämlich zu passiv ist, dominiert Nadal nachher den Punkt komplett.
Ueli Livers, Thun: Hallo Herr Lüthi. Was würden Sie eigentlich machen, wenn Sie nicht Tenniscoach wären?
Lüthi: Das ist eine schwierige Frage. Ich habe eine kaufmännische Ausbildung. Im Moment bin ich aber sehr glücklich mit meinen Aufgaben. Der Bezug zum Sport ist mir schon sehr wichtig. Den ganzen Tag im Büro zu sitzen, könnte ich mir nicht so vorstellen.
Severin Fischer Ettiswil: Roger Federer verzichtet auf Davis-Cup, ist das die richtige Wahl?
Lüthi: Für ihn ist es die richtige Entscheidung, weil er aus Präventionsgründen auf seinen Körper schauen muss. Damit er noch viele Jahre Topleistungen bringen kann. Als Davis-Cup-Captain ist es natürlich schade, dass er nicht hier sein kann. Aber im Team verstehen alle seine Entscheidung.
pinchi chur: Hallo Severin eine Frage. Wird im Tennis gedopt?
Lüthi: Ausschliessen kann man das natürlich nicht. Aber ich habe bis jetzt nie etwas in diese Richtung festgestellt. Ich habe nie einen Spieler gesehen, dem konkret etwas angeboten wurde oder wo es konkrete Hinweise auf Doping gibt.
Markus, Zug: Glaubst du dass Roger das French open wirklich gewinnen kann?
Lüthi: Auf jeden Fall!
Doris Löffel, Oberburg: Und wer hat beim Jassen die bsten Trümpfe?
Lüthi: Stan und ich!
Federer Fan Bern: Was hast Du früher im Training am liebsten trainiert? Respektive welche war/ist deine Lieblingsübung? Und wenn du einen Match gegen Federer spielst, hast du eine Chance gegen ihn?
Lüthi: Am liebsten Spielformen, wenn es um Punkte ging. Wenn Roger richtig spielt, gewinne ich kein Game.
Strässle Joël Uzwil: Glauben sie das Nadal die Saison Körperlich übersteht?
Lüthi: Man sollte Nadal nicht unterschätzen. Man sagt seit Jahren, dass er körperlich Probleme bekommen wird. Aber er gewinnt seine Spiele zum Teil leichter als früher und kann so Energie sparen. Klar ist aber, dass sein Spiel körperlich aufwendiger ist.
Joey Luchsinger, Allschwil: Wie gross sind die Chancen auf ein Weiterkommen des Schweizer Davis Cup Teams gegen die USA?
Lüthi: Wir sind nicht Favoriten, aber ich glaube, dass wir in jedem Match eine Chance haben und das Maximum herausholen können. Ich glaube, dass wir gewinnen.
Thomas F, Marly: Es hat doch geschneit in dieser Gegend von Amerika! Ich hoffe ihr könnt diesen Heimvorteil nutzen! Fühlen sich die Spieler wohl in der Umgebung?
Lüthi: Wir fühlen uns hier sehr wohl. Wir sind in einem superschönen Hotel, haben einen Schweizer Küchenchef, der uns jeden Wunsch von den Augen abliest.