Jammeri Nadal macht sich klein

  • Aktualisiert am 19.01.2012
  • Von Christian Bürge

Die Nummer 2 der Tennis-Welt schreibt den Thron langfristig ab. Ist das gefühlte Realität oder nur Zweckpessimismus?

Ich war die Nummer 1 und 2 während einer langen Zeit. Und es ging gut. Aber früher oder später wird das unmöglich sein», sagte Nadal diese Woche beim Masters 1000 in Shanghai. Traut sich der Mallorquiner in naher Zukunft wirklich nicht mehr zu, um die Spitze mitzukämpfen?

Gestern machte es nicht den Anschein, dass er sich bald aus der ersten Reihe verabschieden wird. Gegen James Blake ging er aus einem hochklassigen Dreisatz-Match als Sieger hervor. Nadal präsentierte sich wie ein Rennpferd, nicht wie ein lahmender Gaul. Keine Spur von Verletzungsnachwehen, kein Zeichen von Verunsicherung nach seiner desaströsen Niederlage gegen Marin Cilic in Peking.

Die Konkurrenz hat gemerkt, dass Nadal aus Fleisch und Blut ist

Wo also liegt die Wahrheit? Unbestritten ist, dass Nadal der Konkurrenz nicht mehr als mentaler Gigant erscheint, wie noch nach dem Australian-Open-Final. Seine diesjährigen Bezwinger heissen Gaël Monfils, Andy Murray, Juan Martin Del Potro, Roger Federer, Robin Söderling, Novak Djokovic und Marin Cilic.

Sie haben aus dem Unzerstörbaren einen normalen Spieler gemacht. Nadal widerfährt momentan derselbe Effekt wie Roger Federer: Die Konkurrenz hat gemerkt, dass er ein Spieler aus Fleisch und Blut ist. Sogar ein eindimensionaler Spieler und bekannter Angsthase wie Blake wittert seine Chance. Das sagt alles.

Dem Familienmensch Nadal hat zudem die Scheidung seiner Eltern zugesetzt. Einer, der nervös wird, wenn auf dem Platz die Trinkflasche nicht am richtigen Ort steht, den wirft ein Erdbeben im Umfeld erst recht aus der Bahn.

Primärer Grund für Nadals Vorbehalt ist aber nicht die neuerdings furchtlose Konkurrenz oder die gescheiterte Beziehung seiner Eltern, sondern sein Körper.

Vier der sechs Weltbesten pausieren

«Für mich ist es unmöglich, so zu spielen wie in den vergangenen fünf Jahren. Vom 1. Januar bis zum 5. Dezember immer anzutreten und 100 Prozent fit zu sein, geht nicht», sagt er, der sich mit anderen für eine Verkürzung des Turnierprogramms stark macht. Gestern forderte letzteres ein weiteres Opfer.

Mit US-Open-Sieger Juan Martin Del Potro verletzte sich noch ein Topstar. Somit pausieren momentan vier der sechs weltbesten Spieler (Federer, Murray, Del Potro, Roddick). Nadal könnte profitieren. In Sachen Selbstvertrauen, in Sachen Punkten. Damit er bald wieder grösser ist, als er sich momentan macht.

Nadal verliert Final

Nikolai Dawydenko nützte Roger Federers Abwesenheit am Masters-1000-Turnier von Schanghai zum Turniersieg. Dawydenko besiegte im Halbfinal Novak Djokovic und im Final Rafael Nadal (7:6, 6:3). Der Russe verschaffte sich mit dem Turniersieg in China eine aussichtsreiche Ausgangslage im Rennen um die letzten drei Plätze fürs Masters der besten acht Ende November in London. (si)
Nadal putscht sich auf: Wie lange kann er noch Weltklasse spielen?- AP

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