Daniel Berta im Interview Ist er Federers Nachfolger?

  • Publiziert: 10.03.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Christian Bürge

Der weltbeste Tennis-Junior Daniel Berta (17) spielt an den Zurich Open. Im Blick-Interview schwärmt der Schwede von Roger Federer – und will doch nicht so spielen wie er.

Von den aktuellen Top 10 der Tenniswelt waren auch Roger Federer, Andy Roddick und Marin Cilic ehemals weltbeste Junioren. Daniel Berta will dahin, wo sie sind: nach ganz oben. Das supercoole Auftreten eines Stars hat der schmächtige Schwede schon. Er redet mit breitem amerikanischen Akzent und benimmt sich so, als hätte er alles schonmal gesehen. Hat er ja auch, wenn man ehrlich ist.

Daniel Berta, was würden Sie gerne von den schwedischen Ex-Stars kopieren?

Edbergs Fussarbeit und Volleys. Wilander wusste einfach, wo der Ball hinfliegt. Er war ein toller Taktiker. Und Borg war ein genialer Allrounder. Und jetzt haben wir ja noch Söderling, der so hart schlägt, er brettert einfach alles weg. Das beeindruckt mich.

Hoffen die Schweden noch auf Söderling oder schon auf Sie?

Es ist blöd, das zu sagen. Es tönt arrogant. Aber die schwedische Presse schreibt halt schon, ich sei die grosse Hoffnung, der nächste Name.

Kein Wunder, Sie sind die Nr. 1 der Welt bei den Junioren.

Ja, und ich bin Junioren-Sieger in Roland Garros.

Fühlen Sie sich unter Druck?

Ja. Nach Paris haben die mich in den Himmel gehoben. Kein Wunder war ich dann in Wimbledon so verkrampft.

Was können Sie?

Ich bin ein Grundlinienspieler, bin schnell, spiele schnell, und schlage den Ball verdammt hart.

Ein Aufschlagriese werden Sie wohl nicht mehr.

Nein, das ist mit 1,78 Metern Grösse auch schwierig. Ich werde nie ein Ivo Karlovic. Ich müsste noch stark wachsen. (grinst)

Woher nehmen Sie das Geld? Haben Sie schon Sponsoren?

Ja, ich habe die Ausrüster Lacoste und Wilson und werde von Catella mitfinanziert, einem Sponsor, der ein Nachwuchsteam unterhält.

Goran Ivanisevic hat gesagt, dass viele Junioren heutzutage verwöhnte Muttersöhnchen sind und nicht mehr hart genug an sich arbeiten. Was sagen Sie dazu?

Also ich muss sehr hart arbeiten. Wenn man an die Spitze kommen will, muss man 100 Prozent geben. Sonst wird man nie jemand. Man kann nicht rausgehen und 80 Prozent trainieren. Dann bist du ein Witz.

Wieviele Wochen pro Jahr sind Sie unterwegs?

Hmm, vielleicht 40 Wochen?

Für einen 17-Jährigen ist das sehr viel. Haben Sie kein Heimweh?

Nein, denn ich begann ja mit 11 bereits um die Welt zu reisen. Ich bin es gewohnt, vielleicht zwei Tage zuhause zu sein und dann wieder wegzugehen. Letztes Jahr war ich von Juli bis Dezember nur fünf Tage zuhause.

Wer von den Top-Spielern ist Ihr Favorit?

Federer ist halt schon unglaublich. In allem, was er macht. Nicht nur, wie er spielt. Wie er mit dem Druck umgeht, ist Wahnsinn.

Würden Sie gerne so spielen wie er?

Hmm, ehrlich gesagt gefällt mir Del Potros Stil sehr. Und Nalbandians. Beide machen von der Grundlinie unglaublich viel Druck.

Was ist ein realistisches Ziel?

In diesem Jahr sind es die Top 400. Und dann die Top 10. Aber das ist noch ein ziemlich langer Weg.

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