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BLICK: Novak Djokovic, Sie scheinen jeden Auftritt in der Öffentlichkeit zu geniessen. Sind Sie geboren für die grosse Bühne?
Djokovic: Ich würde nicht sagen, dass ich dafür geboren bin. Aber man gewöhnt sich an all die Verpflichtungen. Ich geniesse, was ich tue. Auch abseits des Platzes. Das hält mich frisch im Kopf.
Sie waren in Madrid in einer Fernsehshow und imitierten Leute auf brilliante Weise. Haben Sie dafür lange geübt?
Nein, überhaupt nicht. Ich habe einfach improvisiert. Ich bin offen für solche Spässe, dass man etwas zu lachen hat. Jeder ist da ein wenig anders. Es gibt viele, die wollen neben dem Platz einfach ihre Ruhe haben. Nicht alle sind so extrovertiert.
Im Profisport geht es um Geld und Ruhm. Ist Ihnen das alles zu ernst? Hat es zu wenige Typen, wie sie es sind? Fehlt es an Humor?
Ich würde nicht sagen, dass es allen an Humor fehlt. Aber es gibt zu wenige Persönlichkeiten, zu wenige Charaktertypen. Es gab so viele interessante und attraktive Spieler vor 15 oder 20 Jahren. Leute wie McEnroe, Nastase, Becker, Connors, Agassi. All diese Leute waren interessant. Sie haben die Menschen angezogen. Natürlich waren sie Champions, gewannen viele Grand Slams. Aber andererseits haben sie auch mit dem Publikum gespielt. Und es ist wichtig, eine Verbindung zu den Zuschauern herzustellen.
Und darum machen Sie einen doppelten Effort.
In der Tenniswelt versucht man natürlich, sich selbst zu verkaufen, für sich zu werben. Aber man will auch den Sport so gut wie möglich verkaufen. Das generiert auch das Geld, die Zuschauer. Letztlich ist das ein Geschäft. Und dafür muss man arbeiten.
Sie sind populär bei den Fans. Wie muss man sich den Hype in Serbien vorstellen? Können Sie in Belgrad auf die Strasse gehen?
Nicht wirklich, um ehrlich zu sein. Ich vermisse das. Natürlich würde ich auch gerne Dinge tun, die andere tun. Aber ich kann nicht. Weil ich mich sehr unwohl fühle, wenn mich die Leute anstarren, wenn sie jede Bewegung beobachten, schauen was du trinkst, was du isst und so. Aber das ist halt der Preis, den ich als erfolgreicher Athlet bezahlen muss.
Dabei ist in Serbien nicht der ganze Fokus auf Sie gerichtet. Es gibt Ana Ivanovic und Jelena Jankovic, die auch sehr erfolgreich sind. Sie sind also nicht der einzige Star.
Natürlich. Ich freue mich für die beiden. Sie machen den Sport in Serbien noch populärer. Tennis ist mittlerweile die Sportart Nummer 1 bei uns. Das muss man sich einmal vorstellen. Eigentlich finden wir ja Mannschaftssportarten gut, Einzelsportarten wurden lange gar nicht beachtet.
Sie kennen Ana Ivanovic seit Ihrer Kindheit. Gehen Sie mit Ihr hier in Paris auch einmal zum Essen aus?
Das würde ich eigentlich gerne. Weil, wie sie gesagt haben, wir kennen uns schon so lange. Unsere Familien kennen sich schon lange. Sie ist ein tolles Mädchen. Wir sind Freunde, seit wir fünfjährige Kinder waren. Aber ob es klappt, mit ihr auszugehen hängt natürlich auch von unserem Spielplan ab. Sie hat es zudem lieber ruhig, will sich auf ihre Matches konzentrieren. Jeder hat da seine eigenen Abläufe, auf die er schwört.
Sie könnte Ihnen immerhin einen Tipp geben, wie man die French Open gewinnt.
Das macht sie auch. Ich werde mich nochmals genau bei ihr erkundigen, wie man das macht.
Sie schotten die Beziehung zu Ihrer Freundin von der Öffentlichkeit ab, sind meist alleine an den Turnieren. Warum?
Als wir vor dreieinhalb Jahren begannen, zusammen auszugehen, studierte Jelena noch. Und als sie ihr Studium abgeschlossen hatte, begann sie auch schon zu arbeiten. Sie ist also fünf oder sechs Tage in der Woche von ihrem Job absorbiert. Sie arbeitet ja in Monaco, wo wir auch wohnen. Es hat also nicht damit zu tun, dass wir etwas verbergen wollen. Sie kann einfach nicht mehr. Aber ehrlich gesagt, finde ich das auch gut so. Denn so kommen die Fragen zu meinem Liebesleben, über allzu private Dinge gar nicht erst auf.
Roger Federer ist verheiratet und wird bald Vater. Wie fern ist Ihnen diese Vorstellung?
Ziemlich fern. Ich meine Roger ist doch etwa sieben, acht Jahre älter als ich, von daher…
Nein, nur fünf Jahre.
Okay, fünf Jahre. Aber er ist älter als ich. Nein, für mich kommt das wirklich noch nicht in Frage. Ich mag es, wie es ist. Und sie ist auch ehrgeizig, will auch noch einiges erreichen in ihrem Beruf. Von daher rennt uns die Zeit nicht davon. Aber natürlich wäre es irgendwann nett. Das ist doch der Sinn des Lebens, eine Familie mit Kindern zu haben. Vielleicht jemand, der in deine Fussstapfen tritt.
Sie waren früher ein guter Skifahrer. Kommen Sie jetzt noch heil den Berg runter?
Natürlich. Ich liebe das Skifahren. Normalerweise gehe ich nach St. Anton. Aber ich war auch schon in der Schweiz. In Crans Montana. Das war ein Traum. Skifahren ist ein Sport, wo man die Freiheit spürt, wenn man eine schöne Linie in die Piste ziehen kann. Und dieses Gefühl kann man durch nichts ersetzen. Ich wollte eigentlich Profi werden, weil auch mein Vater es war. Und ich war nahe dran. Ich fuhr einige Rennen und war gar nicht so schlecht.
Sie würden sich selbst also als besten Skifahrer in Roland Garros bezeichnen.
(lacht) Nein, das weiss ich nicht. Vielleicht ist es ja auch Roger. Das haben wir noch nicht geklärt.
Sie haben bislang einen Grand-Slam-Titel gewonnen. Was wollen Sie bei Karrierenende erreicht haben? Was wäre befriedigend?
Ich bin ja erst 22-jährig. Ich habe noch viel Zeit. Hoffentlich wird es noch viel mehr Grand-Slam-Titel geben, wenn ich gesund bleibe. Ich bin glücklich, wie sich meine Karriere bis jetzt entwickelte. Natürlich hat Rafa im gleichen Alter mehr gewonnen. Er ist einzigartig. Aber ich bin trotzdem zufrieden. Ich habe konstant gute Resultate. Und ich weiss, dass ich die Qualität besitze, um noch erfolgreicher zu sein. Aber es braucht Zeit. Und wenn ich nicht in der Ära von Roger und Rafa geboren wäre, sähe es wahrscheinlich jetzt schon anders aus.
Womit würden Sie sich belohnen, wenn Sie Roland Garros gewinnen würden?
Ich mache immer gern was Verrücktes. Ich würde spontan etwas anstellen.
Was taten Sie nach Melbourne?
Das erzähle ich besser nicht. Nein, ehrlich, wir liefen mit unseren Champagnerflaschen durch die Strassen von Melbourne. Wir sangen, feierten vor unserem Hotel. Eigentlich feierten wir überall. Auch im Flugzeug. Dann zuhause in Belgrad natürlich. Das Feiern hörte gar nicht mehr auf.
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Novak Djokovic will in Paris zuerst Federer, dann Nadal überraschen. (AP)