Stanislas Wawrinka Gut ist nicht gut genug

  • Publiziert: 02.04.2009, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Marcel Hauck aus Miami

Stanislas Wawrinka geht gegen Rafael Nadal an die Grenzen, bringt die Weltnummer 1 ganz schön ins Schwitzen. Blick nennt die vier Gründe, warum Stan noch kein ganz Grosser ist.

Das Dilemma ist Stanislas Wawrinka anzusehen. Frustriert sitzt er in den Katakomben des Tennisstadions auf der Ausflugsinsel Key Biscayne vor Miami. Er hat die vielleicht beste Partie seiner Karriere geliefert – und doch verloren. Zweimal zwingt Wawrinka (24, ATP 17) den derzeit besten Tennisspieler des Planeten in ein Tie-Break, zweimal bleibt Rafael Nadal (22) ganz cool, gewinnt – wie gegen Roger Federer und fast jeden anderen – die entscheidenden Punkte. Warum steht Nadal im Viertelfinal, obwohl Wawrinka praktisch alles richtig macht?Die Erfahrung: Nadal ist zwar gut ein Jahr jünger als Wawrinka, hat aber schon acht Grand-Slam-Finals gespielt. Der Spanier wird nicht nervös wegen einer Night Session vor rund 10 000 Zuschauern. Wawrinka hingegen zeigte am Schluss der beiden Sätze Nerven.Die Klasse: «Ich musste heute sehr gut spielen», zeigt sich Nadal zufrieden mit seiner Leistung. Und dennoch: Während Wawrinka sein allerletztes Potenzial ausreizen musste, um nur schon am Mallorquiner dranzubleiben, konnte Nadal in den Tie-Breaks den Druck nochmals leicht erhöhen. «Das ist der Unterschied», analysiert Wawrinka. Die Fitness: Der Lausanner spielte von der Grundlinie äusserst druckvoll, liess sich von Nadal kaum in die Defensive drängen und überraschte ab und zu mit Netzangriffen. Nicht viele Gegner hätten dem standhalten können. Nadal schon. Sensationell, wie die Weltnummer 1 im zweiten Satz einen Stoppball erlief und so die Basis zum einzigen Break legte. Selbst, wenn Wawrinka den zweiten Satz gewonnen hätte, Nadal wäre auch bereit gewesen, nach 2:43 Stunden auf dem gleichen Niveau weiterzuspielen. Die mentale Stärke: Wawrinka zeigte sich äusserst effizient, wehrte insgesamt elf von zwölf Breakchancen Nadals ab, meist mit krachenden Aufschlägen. Der Spanier zeigte sich darüber zwar ab und zu etwas verärgert, verlor jedoch nie die Nerven, wartete cool auf seine nächste Chance. Wawrinka darf mit der fünfwöchigen USA-Tournee dennoch zufrieden sein. Die Wettkampfpause für ein intensives Trainingsprogramm nach den Australian Open zahlt sich definitiv aus. Die schlechter klassierten Gegner hatte er im Griff, an den Topcracks ist er nahe dran (in Indian Wells verlor er gegen Novak Djokovic ebenfalls 6:7, 6:7). Wawrinka weiss: «Nun muss ich aber den nächsten Schritt machen.»

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