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Federer wirkte gegen Andy Murray ratlos. Könnte ein neuer Coach Roger wichtige Impulse geben? (AP)
Blick: Heinz Günthardt, der letzte Eindruck von Roger Federer gegen Andy Murray war erschreckend. Braucht er einen neuen Coach, um gegen Nadal oder Murray die richtigen Rezepte zu finden?
Heinz Günthardt: Aus der Ferne ist es schwierig zu beurteilen, was ihm das bringen würde. Er hat ja mit Severin Lüthi einen Coach.
Richtig. Und doch testete er mit Darren Cahill. Zeigt das nicht, dass er selbst nach neuen Ideen sucht?
Federer saugt sicher alle Informationen auf, die er bekommen kann. Ich denke durchaus, dass er offen ist für Dinge, die von aussen kommen. Dafür ist er nicht zu stolz.
Hätte ihm eine andere Taktik gegen Murray geholfen?
Es kann sein, dass Federer mit Severin Lüthi die richtige Taktik besprochen und sie dann einfach falsch umgesetzt hat. Die Ausführung der einzelnen Schläge ist sowieso viel wichtiger als die Taktik. Wenn er einen einfachen Ball in die untersten Maschen schlägt, hat das nichts mit Taktik zu tun.
Was macht die Differenz aus?
Auf diesem Niveau ist die Luft extrem dünn. Ein, zwei Fehler reichen, und der Match ist weg. Grundsätzlich sind es Kleinigkeiten, welche die Differenz ausmachen. Federer hatte im fünften Satz in Wimbledon Breakball. Verwertet er den, kanns anders herauskommen. Zudem machen viele einen Denkfehler. Es ist möglich, dass Roger alles richtig macht und gegen Nadal trotzdem verliert. Das ziehen die Leute gar nicht in Betracht.
Könnte ein gewiefter Taktiker an der Seite Federers nicht einiges bewirken?
Tatsache ist, dass es keine Killertaktik gibt. Es ist nicht so, dass auf der Tribüne zwei brillante Köpfe sitzen, welche ihre Leute ins Feld schicken. Das Coaching wird überschätzt. Wenn du als Coach deinem Spieler alle zwei Monate einen entscheidenden Tipp mitgeben kannst, bist du dein Geld wert.
Wie viel macht das Selbstvertrauen in Matches zwischen den Topspielern aus?
Natürlich sehen die ganz genau, wenn einer wackelt. Und das wirkt sich auf beide Seiten aus. Vor einiger Zeit ist Roger das Selbstvertrauen ja zu den Ohren herausgekommen. Dasselbe traf früher auf Martina Hingis zu, die viele Matches deswegen gewann. Und wenn dieses Gefühl in einer wichtigen Phase nicht da ist, zögert man einen entscheidenden Moment, spielt nicht mehr instinktiv – und macht Fehler. Und das kann kein Coach der Welt per Schaltknopf abstellen.
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Heinz Günthard glaubt, dass das Coaching im Tennis überschätzt wird. (RDB)