Viel dreht sich bei Patty Schny-der (30, WTA 17) in diesem Jahr um einen möglichen Rücktritt. Im Moment spielt die beste Linkshänderin der Welt wieder so gut, dass ein Rücktritt schade wäre. Paradoxerweise erhöht ihre Topform das «Risiko» eines Rücktritts.
«So will ich auf keinen Fall aufhören», sagte sie, als sie in den ersten vier Monaten des Jahres kaum einen Ball traf. Für ihren vielleicht letzten Auftritt in Paris hat sie nach ihren drei Erfolgen gegen Top–Ten–Spielerinnen an den Turnieren in Rom und Madrid nochmals einiges vor.
«Ich zähle sicher zu denen, die weit kommen können», gibt sie sich selbstbewusst. «Ich hoffe, dass die kleinen Details zusammenpassen.» Frühestens am Montag startet sie gegen Katerina Bondarenko (Ukr). In der dritten Runde könnte sie auf die erste Gesetzte treffen: die Polin Agnieszka Radwanska (WTA 12). Im Achtelfinal droht dann mit Swetlana Kusnezowa (WTA 7, Russ) die erste Top–Ten–Spielerin.
Äusserlich stimmen die Details noch nicht ganz. Das Wetter ist in Paris regnerisch und windig. Beides kommt Schnyders Spiel, das auf hoch abspringenden Bällen beruht, nicht entgegen. Entsprechend wird sie froh sein, nicht schon heute Sonntag antreten zu müssen.
13 Mal in Paris dabei: Total 42 Spiele (29 Siege / 13 Niederlagen). Bestes Resultat: Viertelfinals 1998 (out gegen Sanchez Vicario) und 2008 (out gegen Ivanovic).
Rogers Erster, Pattys Letzter?
Drei Schweizer stehen in Paris im Mittelpunkt. Roger Federer will im Stade Roland Garros erstmals triumphieren, Patty Schnyder ein letztes Mal für Furore sorgen und Stan Wawrinka erstmals die Viertelfinals eines Grossanlasses erreichen.
Eine Frage der Details
Bereit für den Coup
Eine happige Auslosung? «Nicht speziell», sagt Stanislas Wawrinka (24, ATP 18) und lächelt. «Ich bin halt nicht höher gesetzt, da muss ich damit leben, schon in der dritten Runde auf einen besser klassierten Gegner zu treffen. Und da ist ihm Nikolai Dawidenko (ATP 10) allemal lieber als Nadal, Federer oder Djokovic. Zumal der Russe soeben erst nach einer Verletzung zurückgekehrt ist und noch keine Topform hat. Sein Ziel ist klar: «Ich müsste zum ersten Mal hier die Viertelfinals erreichen!»
Erstaunlich, dass auf seiner eigentlich bevorzugten Unterlage Sand, auf der er als Junior die French Open schon einmal gewonnen hat, der grosse Erfolg bisher ausbleibt. Die besten Grand–Slam–Resultate erreicht Wawrinka mit den Achtel-inals in Wimbledon und an den US Open. Auch in diesem Jahr ist der Lausanner mit seiner Sandbilanz nur bedingt zufrieden. Dem Sieg über Federer als Highlight folgen knappe – und unnötige – Niederlagen gegen Juan Martin Del Potro (ATP 5). «Da kann man nicht von einer guten Saison sprechen», ist Wawrinka selbstkritisch.
Dennoch ist er überzeugt: «Mein Spiel ist da, und ich glaube, ich bin ganz nahe am kleinen Etwas, das es für den Coup braucht.» Dass er dennoch «nur» vom Viertelfinal spricht, hat einen einfachen Grund: Dort würde der Gegner Nadal heissen. Grösster Brocken auf dem Weg dahin dürfte nicht Dawidenko, sondern Nadals Landsmann Fernando Verdasco (ATP 8) sein. Der Linkshänder wäre der logische Gegner im Achtelfinal. Wawrinka, der heute noch nicht spielen muss, sollte kein Problem mit den ersten Gegnern haben. Zum Auftakt erwartet ihn Nicolas Devilder (ATP 60, Fr). «Er ist ein solider Sandhase», sagt Wawrinkas Coach Dimitri Zavialoff, «aber gegen ihn kann sich Stan nur selber schlagen.»
4 Mal in Paris dabei: Total 9 Spiele (5 Siege /4 Niederlagen). Bestes Resultat: 3. Runde 2005 (out gegen Puerta) und 2008 (out gegen Gonzales).
Die neue Zuversicht
Der «Roger Slam» – Siege bei allen vier Grand–Slam–Events. Ein Traum, der für Roger Federer (27) in den letzten vier Jahren immer am gleichen Fels zerschellte: Rafael Nadal (22). Der Spanier steht in diesem Jahr wieder im Fokus Federers. Auch wenn seine Floskel wie immer die Gleiche ist: «Ich schaue von Runde zu Runde.» Warum sonst trainierte der Schweizer gestern mit dem Österreicher Stefan Koubek? Ein guter Kumpel und – vor allem – Linkshänder wie Nadal.
Nach seinem Sieg über Nadal in Madrid strotzt Federer jetzt vor Selbstvertrauen. «Dieser Erfolg gibt mir grosse Zuversicht.» Die harte Arbeit zu Beginn der Sandsaison und nach seiner Hochzeitsfeier in Basel zahle sich nun aus. «Ich weiss, dass ich richtig trainiert und die richtigen Dinge verbessert habe.»
Weitere Zuversicht wird ihm ein Blick aufs Tableau geben. Nach einem wohl lockeren Aufgalopp gegen Alberto Martin (ATP 97) am Montag stehen bis zum Halbfinal kaum grosse Brocken im Weg. Andy Roddick (ATP 6), James Blake (ATP 15) oder Tomas Berdych (ATP 19) mögen auf dem Papier gefährlich sein, sind jedoch alles andere als Sandplatz-Spezialisten. Bereits jetzt von Nadal zu sprechen, wäre aber sehr gefährlich. Im Halbfinal wird der Gegner aller Voraussicht nach Novak Djokovic (ATP 4) oder Juan Martin Del Potro (ATP 5) heissen – zwei der heissesten Spieler in dieser Sandplatz-Saison.
Dass Federer bereits vor den Halbfinals scheitert, ist unwahrscheinlich. Letztmals passierte dies vor fünf Jahren, ebenfalls in Paris (3. Runde out gegen Kuerten). Das sieht er selber auch so. «Ich gehöre sicher zu den Favoriten, wie in den letzten Jahren auch», sagt er. Einfacher werde es aber nicht. Trotz einer überraschenden Niederlage gestern – 5:7 in einem Wohltätigkeits-Schaukampf gegen den Argentinier Dabul (ATP 109) – bleibt Nadal das Mass aller Dinge im Stade Roland Garros.
10 Mal in Paris dabei: Total 42 Spiele (32 Siege/10 Niederlagen) Bestes Resultat: Finals 2006
(Niederlage gegen Nadal), 2007 (Nadal), 2008 (Nadal).













