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Soll ich überrascht sein, dass Roger Federer gegen Del Potro so hart zu kämpfen hatte? Nein, ganz sicher nicht. Dieser Argentinier spielte das ganze Jahr über bemerkenswert. Die tolle Statistik von Roger spielt in solch einem Halbfinal keine Rolle mehr. Das hat nichts mit Madrid oder der zweiten Runde in Key Biscayne oder irgendwas anderem zu tun. Da gehts nur noch ums Tennis, nicht um Bilanzen.
Hierarchie bleibt bestehen
Und im Halbfinal hatte er nun einmal einen sehr starken Gegner. Ich bin überzeugt, dass Del Potro bald einmal ein Grand-Slam-Turnier gewinnen wird. Er bewegt sich gut, schlägt extrem stark auf und ist ein Spieler mit Charakter. Dass Federer in den entscheidenden Situationen dennoch mutig attackiert hat, zeigt den Champion. Wenn man das gesamte Turnier mit den Überraschungen anschaut, hat man gesehen, dass es noch andere Tennisspieler gibt als die Top 4.
Trotzdem bin ich überzeugt, dass diese Hierarchie in der nächsten Zeit noch bestehen bleibt. Bei Nadal hatte ich ja schon Zweifel, ob der wirklich noch ein Mensch ist.
Denn aus der Erfahrung meiner Karriere wusste ich, dass jeder irgendwann einmal eine Schwäche hat. Nun hat es auch ihn getroffen. Zum Glück, kann man sagen. Sein grosser Gegenspieler Federer beweist mit seiner erneuten Finalqualifikation, dass er sich nur noch an den Grand Slams orientiert. Diese Turniere zählen letztlich. Aber davon war ich schon im Februar überzeugt.
Es zählen nur die Grand Slams
Er muss nicht in Miami oder Monte Carlo brillant spielen, sondern bei den vier Grossereignissen. Einer wie er lässt sich von Tiefschlägen nicht aus der Ruhe bringen. Dafür war er zu lange die Nummer 1 und hat in seiner Karriere schon zuviel gewonnen. Wenn Sie mich fragen, steht sein Name schon auf dem Pokal. Im Prinzip wird er mehr mit sich selbst beschäftigt sein als mit dem Gegner.
Denn es geht am Sonntag nur darum, wie er seine Nerven in den Griff bekommt. Taktisch gesehen darf er sich nicht in die Defensive drängen lassen. Er muss Söderling bewegen, denn das ist eine der Schwächen des Schweden. Wenn er den 14. Titel gewinnt, zieht er zwar mit Sampras gleich, aber gleichzeitig steht er ein bisschen besser da. Denn Federer hat dann auch auf Sand gewonnen. Am Sonntag werde ich zwar in der Sonne von Ibiza sein, aber der Fernseher ist organisiert. Diesen Final werde ich mir auf keinen Fall entgehen lassen!