Federer: «Schön, Juan Martin so glücklich zu sehen»

  • Aktualisiert am 19.01.2012
  • Interview von Christian Bürge aus New York
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Nach dem aufreibenden Final an den US Open gibt Roger Federer völlig ausgepumpt Auskunft.

Roger Federer, warum haben Sie verloren?
Roger Federer Ich hatte eigentlich einen guten Start. Ich hatte die Sache unter Kontrolle. Auch im zweiten Satz. Dass ich den nicht gewann, kostete mich wohl das Match. Denn wenn ich mal zwei Sätze in Führung liege, ist der Sieg nicht mehr weit. Aber Juan Martin spielte grossartig. Er hat sich reingehängt, hat sich Chancen erarbeitet. Und am Ende war er der bessere Spieler.

Wie enttäuschend ist es, den sechsten US Open-Titel in Serie nicht gewonnen zu haben?
«Fünf war schon toll. Sechs wären ein Traum gewesen. Aber man kann nicht alle haben. Es war ein wahnsinniger Sommer, eine tolle Serie. Ich bin nicht so enttäuscht, weil ich ein wundervolles Turnier gespielt habe. Im Final habe ich einfach meine Chancen nicht gepackt. Das ist halt unglücklich.

Können Sie sich in Del Potro reinversetzen? Wie ist es, wenn man das erste Mal nach einem Grand-Slam-Sieg auf den Boden liegt?
Ich kann es mit meinem Wimbledon-Sieg vergleichen. Das erste Major ist immer eine Riesen-Geschichte. Es ist das beste Gefühl auf dem Planeten nach all der harten Arbeit, die man geleistet hat. Es ist speziell gut, wenn man es in jungem Alter erreicht. Für ihn kommt es ja ein wenig unerwartet. Es war schön, ihn so glücklich und emotional zu sehen. Er sollte es geniessen. Er verdient es. Es war ein tolles Match für ihn.

Sie nervten Sich über den Fakt, dass er so lange brauchte, bis er die Challenges nahm. Was ging da zwischen Ihnen und dem Schiedsrichter vor?
Wir hatten nur einmal etwas. Sie wissen, wie ich über das Hawk-Eye denke. Das sollte es nicht geben. Und zum zweiten: Das sollte nicht passieren, dass er so lange braucht.

Sie haben sich über eine Challenge geärgert, die den Match veränderte.
Ja, sie war out. Aber das System gab sie in. Da weiss ich nicht mehr, was ich sagen soll. Das Ding ist so lächerlich. Ich sehe doch den Ball landen, sehe genau, wo er den Boden berührt und dann heisst es, sie sei drin. Ich hätte die Differenz eben vorher machen sollen, dass das keine Rolle mehr gespielt hätte. Aber,… ach, lassen wirs.

Wurden Sie so abgelenkt?
Nein, so etwas lenkt mich nicht ab.

Können Sie seine Vorhand mit anderen vergleichen?
Ja, er schlägt gut drauf auf der Vorhand-Seite. Auch die inside-out ist auch gut. Aber es gibt bessere. Aber er schlägt sie mit grosser Geschwindigkeit und guter Marge. Manchmal schlägt er verrückte Bälle. Aber das passiert halt, wenn man es immer wieder probiert. Auf der Rückhand hat er eine tolle Technik. Sehr solide.

Del Potro wurde schon lange als grosses Talent gehandelt. Erinnert er Sie an Sie selbst in diesem Alter?
Für ihn ist es in diesem Alter ein Riesen-Exploit. Vor allem die US Open zu gewinnen ist schwierig. Weil alle fit sind. So wie er es durchgezogen hat, dass er Nadal und mich geschlagen hat, ist sicher toll und gut fürs Tennis.

In Australien haben Sie nach der Niederlage geweint, hier nicht. Warum?
Manchmal passiert das eben, manchmal nicht. Ich kann keinen Knopf drücken und will es auch nicht. Es soll einfach natürlich sein. Heute wars okay so. Ich bin müde. Manche treffen dich eben mehr als andere. Vielleicht hat es auch mit der Musik zu tun. In Wimbledon oder Australien wird es eben sehr leise und man hat viele Dinge, die einem durch den Kopf gehen. Hier gibt es Musik, die dich ablenkt. Das ist gar nicht so schlecht.

Hat es vielleicht auch mit Ihrer Rolle als Vater zu tun, dass sie eher über der Sache stehen?
Ich glaube nicht, dass das viel verändert. Es war ein Finalspiel, das ich hätte gewinnen sollen. Von daher schmerzt es mich. Gleichzeitig weiss ich, dass ich nicht die ganze Zeit gewinnen kann. Manchmal muss man es einfach schlucken können. Und das werde ich jetzt tun. Das ist kein Problem.

Wie war das erste Major mit Kindern? Wollen Sie etwas verändern?
Reisen war ja nicht das schwierigste mit den Kindern. Es war schön, sie jeden Tag um mich zu haben. So wollen wir es auch in Zukunft machen. Im Moment bin ich einfach müde. Ich brauche eine Pause.

Wie sieht Ihre Entscheidung punkto Davis-Cup aus? Sind Sie in Italien dabei?
«Ich denke, dass ich gehe. Aber ob ich spiele hängt davon ab, wie ich mich fühle heute und morgen.

Haben Sie noch genug Energie für den Rest der Saison?
Natürlich hätte ich jetzt gerne ein paar Wochen Pause. Aber jetzt ist mal der Davis-Cup und dann wird analysiert, wie es weitergeht. Eigentlich will ich an meinem Programm festhalten. Tokio, Schanghai und so weiter. Es kommt jetzt auch darauf an, ob ich Davis-Cup spiele. Weil es ist immer riskant, trotz grosser Müdigkeit zu spielen. Dazu kommt ja auch noch ein Belagwechsel. Ich muss mir alles genau überlegen.

«Juan Martin spielte grossartig. Er hängte sich rein, am Ende war er der Bessere.» Roger Federer- Reuters

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