Diese Geschichte ist zum Heulen schön: King Roger regiert wieder. Über Wimbledon und die Welt!
Die Vorhand von Andy Murray fliegt seitlich an Roger Federer vorbei – ins Aus. Der Schweizer blickt hinterher und sinkt in die Knie. Nur schon beim Zusehen werden die Knie weich.
Ungläubigkeit und ein paar Tränen blitzen in seinen Augen angesichts dieses historischen Moments. Doch es ist wahr: Federer ist siebenfacher Wimbledon-Champion – hat Pete Sampras auch auf dem Heiligen Rasen eingeholt. Mit insgesamt 17 Grand Slam-Titeln hat er seinen persönlichen Helden schon dreimal überholt.
Auf dem Stuhl verbirgt Federer sein Gesicht im Handtuch – was für Szenen gehen ihm durch den Kopf? Denkt er an den nervösen Start, bei dem es schien, als müsse er zunächst mehr Druck abschütteln als sein Gegner? Oder denkt er an seinen brillanten Volleystopp zum Satzausgleich?
Als der dritte Durchgang im geschlossenen Stadion fortgeführt wird, beginnt ein neues Spiel. Regen prasselt auf das Dach, die Akustik ist völlig anders. Das Getöse der Fans ist noch lauter. Und der beste Indoorspieler der Welt dreht noch mehr auf. Sein Service ist um längen effektiver, seine Returns sind aggressiver – der Tennis-Magier zaubert wieder. Bis das historische 4:6, 7:5, 6:3, 6:4 besiegelt ist.
Oder denkt Federer in den Minuten unter dem Handtuch an seine Frau Mirka und die Zwillinge, die gleich nach dem Matchball in die Spielerbox gehievt werden? Da sitzen sie auf der Reling, trampeln mit den Füsschen auf das Dach der BBC-Kommentatorenbox. Für sie ist Papi sowieso der Grösste. Obwohl dieser im letzten Jahr noch härter arbeitete, noch ehrgeizigere Ziele verfolgte als je zuvor. Alle Mühen und Opfer haben sich gelohnt. Für genau diesen Moment, in dem sich der Familienvater unsterblich macht.
Und die Tränen fliessen weiter. Tränen der Enttäuschung bei Andy Murray. Die Rede des Schotten, der sich nicht als Nationalheld verewigen konnte, schien schwieriger als sein Match vor 60 Millionen hoffenden Briten. Aber er muss sich nichts vorwerfen. Federer stand einfach da wie ein Fels in der Brandung. Die Wimbledon-Statue war nicht zu kippen.
Beliebteste Kommentare
Alle Kommentare (7)