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Das Leben kann ganz schön ungerecht sein. Auf der einen Seite Roger Federer: Die Weltnummer 1 kann gemütlich ein paar Wochen in der Sonne geniessen, dann gemächlich das Training wiederaufnehmen, um beim Heimturnier in Basel (ab 2. November) in Bestverfassung antreten zu können.
Anders Andy Murray: Er sucht fast schon verzweifelt nach einer Kur für sein lädiertes linkes Handgelenk, verpasst deshalb wie Federer das Masters-1000-Turnier in Shanghai.
Der grosse Unterschied: Der Schweizer profitiert von einer Art «Altersbonus», der Schotte könnte für sein Fehlen sogar gesperrt werden.
Grundsätzlich sind die Masters-1000-Turniere für die Topspieler Pflicht. Da Federer aber bereits über 600 Matches auf der ATP Tour gespielt hat, darf er unentschuldigt einmal fehlen.
Sonst hätte er nach Reglement trotz eines Zwickens im Oberschenkel für zwei Tage nach China fahren und Werbung für das Turnier machen müssen. Darauf hatte er bestimmt keine Lust. Lieber verbringt er Zeit mit seinen Zwillingsmädchen.
Keine Wahl hat hingegen Andy Murray. Dass er, die Nummer 4der Welt, wegen seines lädierten Handgelenks nicht spielen kann, steht ausser Frage.
Da er sich aber – wie Federer – nicht in Shanghai zeigt, drohen ihm nun gravierende Konsequenzen. Er verliert seinen Jahresend-Bonus – zwischen 2 Millionen (wenn er das Jahr als Nummer 1 beendet) und 400 000 Dollar (Nummer 5) – und wird bei seinem in den letzten zwölf Monaten besten Masters-1000-Turnier gesperrt. Für Murray bedeutet das, dass er seine 1000 ATP-Punkte in Miami 2010 nicht verteidigen darf.
Für Murray kommt es knüppeldick
Damit kommt es für Murray knüppeldick. Der Schotte, der so stark ins Jahr gestartet war, dass er sogar Federers Position als Nummer 1 gefährden konnte, befindet sich im freien Fall. Am nächsten Montag fällt er hinter Djokovic auf Platz 4 zurück. Und Insider munkeln
von einem mentalen Burn-out wegen der Belastung auf der Tennis-Tour.
Eine Hoffnung bleibt Murray. Er kann die im Reglement vorgesehenen Bussen bei einem Rekurskomitee anfechten. Vielleicht darf er dabei sogar auf Gnade hoffen.
Die ATP war schon lange nicht mehr so unter Druck, die kräftezehrende Saison zu verkürzen. Die Kritik der Spieler in Shanghai – von Nadal über Roddick bis Safin – fiel heftig aus. Da wäre eine drakonische Strafe wegen Verpassens eines Turniers vielleicht eher kontraproduktiv.
Verlieren wird die ATP so oder so. Wendet sie ihr Regelwerk nicht an, wird sie zum blossen Papiertiger. Bestraft sie Murray wie vorgesehen, provoziert sie wohl einen Aufstand der Tennis-Stars.