Martina Hingis: «Das waren zwei harte Jahre»

  • Publiziert: 21.10.2009, Aktualisiert: 02.01.2012
  • Von Christian Bürge

Nach zwei Jahren Sperre gab Martina Hingis «L’Equipe» ein spannendes Interview.

Am 30. September, exakt an ihrem 29. Geburtstag, endete die Doping-Sperre gegen Martina Hingis. Aus der Öffentlichkeit zog sie sich lange fast völlig zurück. Die Einblicke, die sie nun der französischen Sportbibel «L’Equipe» gab, sind offen und schonungslos zugleich.

Hingis zu… Comebackplänen
«Nein, nein! Ich habe das einmal gemacht. Aber wenn man sich Kim Clijsters und Justine Henin anschaut, weiss man, dass das nicht mit einem Fingerschnippen geht. Das braucht sehr viel Opferbereitschaft, Aufwand und Motivation. Ich bin nun 29 Jahre alt, habe früh begonnen und war zwölf Jahre auf der Tour. Natürlich schwelgt man an Tagen, an denen man gut Tennis spielt, in diesen Gedanken. Aber mein Tennis reicht nicht. Man braucht dazu eine physische Verfassung, die Tag für Tag und Woche für Woche gut genug ist. Ich habe ein schönes Leben hier. Ein schönes Haus, meine vier Pferde. Auf der Tour habe ich kein Leben. Tennis spiele ich manchmal zweimal pro Woche, manchmal drei Wochen gar nicht. Ich spiele auch mit meinem Freund (der Anwalt und GC-Interclubspieler Andreas Bieri, d. Red.), der fast dasselbe Niveau hat. Manchmal teste ich die Jungen in der Akademie meiner Mutter. Aber ein Comeback ist nur möglich, wenn man ein Ziel hat.»

...zu ihrer Dopingsperre
«Die Menge an Kokain, die in meinem System gefunden wurde, war viel geringer als jene, die man bei Richard Gasquet nachwies. Unsere Experten in den USA haben nachgewiesen, dass ich beim Zähneputzen mit einer kontaminierten Zahnbürste mehr aufgenommen hätte. Oder wenn ich mir beim Geldzählen einen Finger abgeleckt hätte. Im Gegensatz zu Richard Gasquet habe ich keinen blassen Dunst, wie ich das Kokain absorbiert habe. (...)
Aber wie beweist man einen Fehler, den man nicht begangen hat? Wie beweist man, dass man nichts getan hat? (...) Schauen Sie, ich habe immer zu allem offen geantwortet. Und wenn ich Kokain genommen hätte, hätte ich gesagt: ‹Okay, ich habs genommen. Kein Problem›.»

...harten Momenten
«Während zwei Jahren durfte ich nirgends antreten. Im Tennis konnte ich nicht mal als Kommentatorin arbeiten oder mir Spiele anschauen gehen. Ich durfte auch keine anderen Sportarten wie das Reiten wettkampfmässig ausüben. Nicht mal bei den Amateuren. Das ist verrückt. Du warst eine wichtige Person fürs Tennis, jemand, der zählte. Du hast Titel gewonnen. Aber das wurde mit dem, was mir passierte, alles wie weggefegt. (...)
Ich habe harte Momente durchgemacht in den vergangenen zwei Jahren. Manchmal stand ich morgens auf und wusste nicht, was ich tun sollte. Das war ärgerlich. Aber ich hab mir auch gesagt, dass es Schlimmeres gibt im Leben. Ich habe schliesslich viel Geld gewonnen während meiner Karriere. Und wenn ich mit meinem Pferd unterwegs bin zwischen dem Zürichsee und den Bergen, ist es, als ob ich im Paradies wäre.
Das, was passiert ist, ist passiert. Es ist Teil meines Lebens, das ich auf die bestmögliche Weise weiterführen will. Ich will das Leben, das so kurz ist, in vollen Zügen geniessen.»

play Martina Hingis mit ihrem Pferd Ragana. Im Dezember wird sie in Paris bei einer Springkonkurrenz der Trophée Gucci starten. (EQ Images)

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