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Gemeinsames Trinken: Severin Lüthi und Roger Federer. (EQ)
BLICK Severin Lüthi, wie stark sind sie an Roger Federers Erfolg beteiligt?
Severin Lüthi: In erster Linie macht der Spieler die Arbeit, er gewinnt die Turniere. Aber ich habe meinen Teil dazu beigetragen. Es ist auch eine Genugtuung für mich. Niemand kann mir das nehmen. Da können die Leute sagen, was sie wolllen.
Sie sind immer an Rogers Seite, logieren in den besten Hotels, werden bevorzugt behandelt. Was oder wer sind Sie nach Roger Federers Karriere?
Ich fühle mich nie als etwas Besseres, nur weil ich mit Roger herumreisen darf. Ich war vorher Severin Lüthi und werde auch nach seiner Karriere derselbe sein. Ich wäre dumm, mir etwas anderes einzubilden. Wenn ich mich aufspielen würde, wäre die Gefahr eines Absturzes da. Aber das ist ja nicht der Fall.
Fällt Ihnen dank Federer alles in den Schoss?
Nein, aber ich muss trotzdem dankbar sein. Was ich erleben darf ist Wahnsinn. Es gibt ausgezeichnete Coaches, die jahrelang knüppelhart arbeiten und nichts erreichen. Für die ist es nur schon ein Traum, einen Spieler im Haupttableau zu haben. Ich weiss schon, dass es nicht selbstverständlich ist, einen Grand-Slam-Titel nach dem anderen mitzufeiern.
Die Weltpresse fragte sich immer wieder, warum Roger Federer keinen Trainer mit grossem Namen anstellt. Ist jeder Sieg von Roger auch eine Rechtfertigung für Sie?
Mir ist es eigentlich egal, was da geschrieben wird. Ich kann es nicht ändern, also mache ich mir auch keine Gedanken darüber.
Niemand ausser Mirka ist so nahe an Roger dran wie Sie. Er wirkt immer perfekt. Hat er auch Schwächen?
Sagen wir es so. Er bietet sicher keine Angriffsfläche. Er geht nicht gross aus oder betrinkt sich. Er macht keine Negativschlagzeilen. Er trainiert immer pflichtbewusst. Das mag für die Medien langweilig sein. Vielleicht mag auch er langweilig erscheinen. Aber das ist er nicht. Ob er Fehler hat? Vielleicht. Aber er lässt mich nichts davon spüren. Wir hatten schon vorher eine Freundschaft und gehen relativ locker miteinander um. Wenn er mir gegenüber arrogant wäre oder mich schlecht behandeln würde, hätte ich das nicht nötig. Aber Roger behandelt jeden korrekt.
Hat er sich verändert, seit er Vater geworden ist? Ist er richtig weich geworden? Spricht er über andere Dinge?
Ich finde überhaupt nicht. Vielleicht redet er zwischendurch mal mit anderen Vätern wie Ivan Ljubicic über Kinder. Aber dass er um 180 Grad anders geworden wäre, kann ich nicht behaupten.
Federer hat jetzt 15 Majors gewonnen. Wie motivieren Sie ihn jetzt noch?
Er spielt ja nicht nur Tennis wegen der Zahlen. Er liebt es einfach. Und er will die Nummer 1 behalten. Denn jetzt ist er noch dran. Wenn er mal die Nummer 20 ist, ist es schwierig, nochmals nach vorne zu kommen. Darum ist auch das Training kein Problem. Er mag sture Übungen beispielsweise nicht. Dinge, die ihm nicht einleuchten. Dann machen wir halt was anderes. Aber wenn ich sage: Komm, jetzt bewegen wir uns noch oder das wäre noch angesagt, spielt er nicht den Chef, sondern er machts. Auch wenn er sich die Freiheit im Prinzip rausnehmen könnte.
Wenn Federer verliert, hagelts Kritik. Wie geht er damit um?
Er ist schon überrascht. Vor allem, weil das ja in keinem Verhältnis steht. Der Masstab ist halt unheimlich hoch bei ihm. Man muss sich mal die Karrieren von Agassi und Sampras anschauen. Die gewannen zwischen den Grand-Slams gar nichts und sackten ab. Roger fiel zurück auf die 2. Dann gings gleich los. Auch in der Schweiz. Den Leuten sollte bewusst sein, was Roger für den Sport und die Schweiz bedeutet, wie gross er tatsächlich ist.
Nadal geht’s nicht anders.
Das finde ich ebenso daneben. Wie kann man Nadal jetzt schon abschreiben? Der ist ein fantastischer Tennisspieler. Niemand weiss, was in einem Jahr ist.