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Nur noch ein Schritt fehlt Roger Federer, um den sechsten US-Open-Titel in Serie zu gewinnen, den 16. Major-Titel insgesamt. In der Nacht auf Montag bezwang er in einer Neuauflage des Vorjahres-Halbfinals Novak Djokovic mit 7:6 (7:3), 7:5, 7:5.
Die Begegnung erinnert an frühere Duelle der beiden. Djokovic ist zwar immer nahe dran, gegen Satzende zeigt sich aber jeweils die Differenz zwischen der Nummer 1 und der Nummer 4 der Welt. Es sind nicht einmal unbedingt die Schläge, die soviel besser wären, aber die Schlagwahl, das Timing und die Cleverness, die Federer vom Serben abheben. Bei den Big Points ist sein Genie erst richtig zu sehen.
Djokovic hätte nach dem zweiten Satz sowieso die Taschen packen können. Denn wenn Federer in Grand-Slams die ersten zwei Sätze gewinnt, gewinnt er auch das Spiel. Seine Bilanz: 148:0.
Federers entscheidender Zug kommt denn auch prompt bei 6:5-Führung seinerseits.
Federers Schlag seines Lebens
Mit einem unglaublichen Ball zwischen den Beinen hindurch passiert er Djokovic am Netz und kommt zum Break- und Matchball. «Der beste Ball, den ich je geschlagen habe», sagt Federer. Eine krachende Vorhand beschliesst den Halbfinal.
Vor den Augen einer ganzen Reihe von Hollywoodschauspielern wie Jack Nicholson oder Charlize Theron und Popstars wie Paul Simon, Justin Timberlake und Gwen Stefani macht Federer gute Figur.
Zur Traumbesetzung im Final kommt es aber trotz seiner Präsenz nicht.
Das verhindert Juan Martin Del Potro mit seinem 6:2, 6:2, 6:2-Sieg gegen Rafael Nadal. Es gibt nicht viele Tennisspieler, die von sich behaupten können, den Spanier in einem Major-Turnier vernichtend geschlagen zu haben. Im 57. Einsatz ist es erst die achte Niederlage. Nur zweimal, 2004 gegen Andy Roddick in New York und 2008 gegen Jo-Wilfried Tsonga in Melbourne, gewinnt er ähnlich wenige Games (7).
«Das ist der beste Moment meines Lebens», sagt Juan Martin Del Potro nach dem Spiel. Der Mann hat wuchtige Grundschläge, die gegen Nadal eine zerstörerische Kraft entfalten. Dass er den Mallorquiner bezwingen kann, wusste man. Aber die Deutlichkeit überrascht – und hat einen Grund. Nadals Bauchmuskelzerrung. «Wenn ich nach aussen aufschlug, killten mich die Schmerzen», sagt er. Die paar Prozente, die ihm beim Aufschlag fehlen, reichen schon, dass er vom Platz gefegt wird. Unter den Besten ist schon ein minimes Nachlassen fatal.
Nadal: «Es ist kein glückliches Jahr für mich»
Seine Grand-Slam-Bilanz 2009 ist durchzogen. Nach dem Sieg bei den Australian Open schied er in Paris in den Achtelfinals aus, musste Wimbledon auslassen und kam nun in New York nicht über die letzten vier hinaus. «Es ist kein glückliches Jahr für mich», sagt Nadal. «Es sind viele Dinge schlecht gelaufen. Das mit dem Knie war schon hart. Dann komm ich zurück und muss gleich Masters-Series-Niveau spielen. Das hat meinem Körper auch nicht geholfen.» Er weiss, wenn er um die ganz grossen Titel spielen will, muss er perfekt vorbereitet sein.
Del Potro ist perfekt in Form. Der 1,98 Meter grosse Fels von einem Mann hat gegen Federer eine 0:6-Bilanz. Zuletzt brachte er ihn aber bei den French Open in einem engen Fünfsatzmatch an den Rand einer Niederlage. Der Geheimfavorit vieler wird dem fünffachen US-Open-Sieger heute mit Sicherheit einiges abfordern. Den Rekord von «Big Bill» Tilden erhält Federer mit Garantie nicht geschenkt.