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Becker: «Roger, lass den Davis-Cup!»

Roger Federer befindet sich in der schwierigsten Phase seiner Karriere. Was Ex-Tennis-Crack Boris Becker dem mehrfachen Weltsportler rät.

Von Boris Becker | Aktualisiert um 15:38 | 22.02.2009
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Roger Federer ist ins Zweifeln gekommen. (Keystone)
Roger Federer ist ins Zweifeln gekommen. (Keystone)
Boris Becker über Rafael Nadal: «Federer muss Nadal hassen!» (Keystone)
Boris Becker über Rafael Nadal: «Federer muss Nadal hassen!» (Keystone)
Die Phase, in der Roger Federer drinsteckt, ist bestimmt nicht einfach. Ich kann fühlen, was in ihm vorgeht. Aber ich bin auch überzeugt, dass das keine Krise ist. Es ist vielmehr ein reiner Nadal-Komplex.

Denn Federer ist motiviert, strahlt Freude beim Spielen aus. Das hat man auch in Melbourne gesehen. Er war seinen Gegnern überlegen, spielte frei, gelöst. Und dann kommt Nadal. Ich sehe es ihm förmlich an, wie er verkrampft. Das ist auf einen Mangel an Erfahrung zurückzuführen. Und zwar an Erfahrung mit Spielern, die ihm auf Augenhöhe begegnen.

«Man hat schon fast eine Midlife-Crisis»

Federer war über Jahre unantastbar. Er kannte die Situation gar nicht, einen echten Gegner zu haben. Plötzlich war in Paris dieser Nadal da. Und dies war wohl ein Aha-Erlebnis für beide. Bei Federer kam einer von null auf hundert in sein Reich und besiegte ihn zuletzt auch auf Hartplatz. Solche Niederlagen sitzen tief.

Eine der schlimmsten zog ich im Halbfinal von Paris ein, als ich gegen Stefan Edberg klar in Führung lag, ehe er mich im fünften Satz noch abfing. Das sass. Es dauerte eine Zeit, bis ich es verarbeitet hatte. Junge Herausforderer machen einem mental zu schaffen. Als ich in Wimbledon den starken Sampras aufsteigen sah, kam ich ins Grübeln. Man hat schon fast eine Midlife-Crisis, denkt, der ist jünger, schneller, unverbraucht. Man stellt sich auf ihn ein, spielt nicht mehr instinktiv, denkt zu viel.

«Roger, lass den Davis-Cup!»

Wie Federer in Melbourne. Er breakt sofort, verliert aber sein Service wieder. Das war ein Ausrufezeichen der Nervosität. Ich bin aber überzeugt, dass dieser Nadal seine Karriere nicht verkürzt, sondern verlängert. Denn für Federer muss es doch langweilig gewesen sein, gegen Leute vom Kaliber eines Hewitt zu gewinnen. Er ist ein intelligenter Spieler, der daraus lernen kann, noch härter trainiert.

Borg hat gegen McEnroe einmal Wimbledon verloren und dann aufgehört. Federer sieht es als Herausforderung. Was er verändern muss, ist seine Einstellung gegenüber Nadal. Ich bin immer überrascht, wie nett er ist. Er soll ihn neben dem Platz mögen. Aber nur dort. Auf dem Platz soll er sich bewusst sein: Der hat mich die letzten drei bis vier Grand-Slams gekostet. Ohne ihn wäre ich schon längst der Grösste der Geschichte. Der will mir etwas wegnehmen. An diesem Tag ist er mein schlimmster Gegner. Und ich seiner.

Ich bin überzeugt, dass Federer motiviert bleibt. Wenn er irgendwann einmal regelmässig in den Halbfinals ausscheiden sollte, wird ihn das nicht mehr reizen. Aber zuletzt hat er viermal in Major-Finals gestanden, hat ein Grand-Slam-Turnier gewonnen. Das ist weit von einer Krise entfernt. Selbst bei seinem Massstab. Er muss aber Prioritäten setzen. Das heisst auch, er soll den Davis-Cup auslassen. Ich habe das damals auch gemacht, und sie haben mich dafür in Deutschland fast gekreuzigt. Doch in diesem Jahr war ich dafür die Nummer 1 – und alle waren zufrieden.»
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