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Aschenputtel ist ein Klacks dagegen. Als kleines Mädchen muslimischer, iranischer Eltern in Frankreich sind Aravane Rezaïs Aussichten wenig rosig. Der Vater beschliesst jedoch, seine Tochter nicht unter einer Burka zu verstecken, sondern zur Tennisspielerin zu formen. Oder besser zu prügeln. Das Ziel: nichts weniger als die Nummer 1. Nach dem Finalsieg in Madrid über Venus Williams kommt sie diesem Ziel schon recht nahe.
Arsalan Rezaï ist als fanatischer Tennis-Papa bei weitem nicht alleine. Jennifer Capriati oder Mary Pierce haben ähnliches erlebt. Die Rezaïs leben allerdings in den Immigranten-Vorstädten von St-Etienne. Da kann man sich die Mitgliedschaft in einem Tennisclub nicht leisten. Also steigen Vater und Tochter zu nächtlicher Stunde über Zäune, um auf Tennisplätzen trainieren zu können.
Im Winter schaufelt der Papa den Court mit Hilfe eines Holzbretts frei, doch bald schreiten Sicherheitsleute oder Polizei ein und schalten den Strom ab. Vater Rezaï «bastelt» auf einem brach liegenden Stück Land einen eigenen Tennisplatz. Er verbrennt Holzplanken, damit sich Tochter Aravane die Hände wärmen kann. Wenns dunkel ist, stellt er sein Auto quer zum Platz hin, damit im Licht der Scheinwerfer weiter trainiert werden kann.
«Er ist ein strenger Vater», sagt Aravane, mittlerweile 23 Jahre alt. «Aber das ist gut. Ohne harte Arbeit gibts keine Resultate.» Ihr Aufstieg kommt praktisch ohne Hilfe des französischen Verbands zustande. Und verläuft alles andere als geradlinig. 2006 schafft sie an den French Open als Qualifikantin in der 3. Runde den Durchbruch. Danach folgt eine Achterbahn-Fahrt.
Nach zwei eher enttäuschenden Jahren ist sie seit rund einem Jahr wieder auf der Überholspur. Zufall oder nicht, aber der Papa ist mittlerweile nicht mehr der Trainer, sondern Patrick Mouratouglou von der bekannten Tennis Academy in Paris. Madrid bedeutet den grössten Triumph für die Tochter iranischer Immigranten. Der Reihe nach bezwang sie Justine Henin, Jelena Jankovic und im Final die neue Weltnummer 2 Venus Williams. Selber macht Rezaï einen Sprung von Platz 24 auf 16.
Mittlerweile kann sie sich auch Flugreisen leisten, muss nicht mehr im Wohnmobil durch Europa tingeln. In zwei Welten lebt sie als Muslimin dennoch. «Wenn wir in Europa sind, darf sie sich anziehen wie eine muslimische Europäerin», erklärte Vater Arsalan 2006. «Wenn wir im Iran sind, trägt sie die dort übliche Kleidung.»
Auf dem Tennisplatz gibt sich Rezaï auf jeden Fall alles andere als prüde. Im Gegenteil: Immer wieder fällt sie durch ausgefallene und gewagte Outfits auf. In Madrid ist es eine Kreation in schwarz und gold. Und so spielt sie derzeit auch. Fast schon wie eine Nummer 1.