Alle Liveticker Live-Center

«Sorry, Roger!»: Swiss-Indoors-Boss entschuldigt sich bei Federer

Es war der Telefon-Jux des Jahres und löste geharnischte Reaktionen aus. Jetzt reicht Swiss-Indoors-Boss Roger Brennwald die Hand – und bittet Superstar Roger Federer um Entschuldigung.

  • Publiziert:
play

Brennwald und Federer kennen einander seit fast 20 Jahren.

(AFP)

SonntagsBlick: Roger Brennwald, Sie hätten sich bei der Spielerpräsentation vor den Medien am Montag im Glanz von sechs attraktiven Namen sonnen können: Federer, Nadal, Del Potro, Wawrinka, Raonic, Nishikori ...
Roger Brennwald:
Ja. Aber dann kam es – quasi in der Nachspielzeit – zu einem Intermezzo, das aus meiner Sicht falsch interpretiert wurde. Ich machte einen Fehler, indem ich vor den Augen aller versuchte, Roger Federer auf dem Handy zu erreichen.

Warum liessen Sie sich zu so ­etwas verleiten?
Vor mir sassen zahlreiche Journalisten. Ich verspürte eine enorme Erwartungshaltung. Ein Journalist fragte: ‹Wieso telefonieren Sie nicht einfach mit Roger, um alle Ungereimtheiten aus der Welt zu schaffen? Das ist doch kein Problem für Sie.› Meine Antwort war: ‹Ich habe es ein paar Mal versucht und kann es auch jetzt nochmal probieren.› Diese Reaktion war dumm von mir. Aber glauben Sie mir: Böse Absicht steckte nie und nimmer dahinter. Ich bin keiner, der unredlich oder illoyal handelt.

Einem Mann mit Ihrer Erfahrung sollte das nicht passieren.
Sie haben recht. Ich entschuldige mich auch dafür. In erster Linie natürlich bei Roger. Aber auch bei allen anderen, die es als unangebracht empfanden.

Waren die letzten Tage die schwierigsten in Ihrer 43-jährigen Swiss-Indoors-Karriere?
Das kann man wohl sagen. Mir liegt viel an der Beziehung zu Roger und seiner Familie. Roger fuhr als Bub mit dem Velo ins Stadion, er war Balljunge, seine Mutter Lynette engagierte sich während zehn Jahren in der Organisation. Eine märchenhafte Geschichte! Ich wünsche mir, dass Roger meine Entschuldigung, die ich ihm auch persönlich zukommen liess, annimmt. Sorry Roger, ich bin auch nur ein Mensch.

Sie kennen ihn ja schon seit ­vielen Jahren. Haben Sie Roger schon damals als Balljungen wahrgenommen?
Ja. Er wurde auch noch als bester Nachwuchssportler der Region geehrt und durfte mit Jimmy Connors und Mansour Bahrami posieren. Es war eine Publikumswahl unter zehn Talenten, Roger elf- oder zwölfjährig. Er bekam 5000 Franken.

Federer hat seine Teilnahme am diesjährigen Turnier in einem Zeitungsinterview zugesagt. Empfanden Sie dieses eigenartige Vorgehen als Provokation?
Nicht als Provokation, aber als ­ungewöhnlich.

Der Balljunge von einst tanzt Ihnen auf der Nase herum.
Ich denke, es bringt nichts, sich ­darüber den Kopf zu zerbrechen. Die eigenen Befindlichkeiten sind jetzt nicht mehr gefragt.

Federer ist Chef seines Unternehmens. Wenn er seinem Manager sagt, einige dich mit Brennwald, ist der Fall doch im Nu erledigt.
Das wäre der Idealfall. Aber ich habe mich nicht einzumischen in die Interna von Roger Federer. Es bleibt zu akzeptieren, dass wir die Vertragsverhandlungen mit seinem Manager führen müssen. Trotzdem äussere ich seit geraumer Zeit den Wunsch, mit Roger unter vier Augen zu reden.

Wenn Federer ohne Vertrag spielt, bekommt er keine Antrittsgage und nur das Preisgeld. Wird es tatsächlich so weit kommen?
Stand heute, ganz nüchtern und geschäftlich betrachtet: Ja! Aber emotional betrachtet: Nein. Ich bin es gewohnt, für beide Parteien tragfähige Vereinbarungen zu treffen. Deshalb strebe ich weiterhin einen Vertrag an.

Wollen Sie gar nicht, dass Federer gratis spielt? Zahlen Sie ihm auch ein Antrittsgeld aus, wenn es ihm gar nicht zustehen würde, weil er keinen Vertrag hat?
Das Budget ist zwar aufgebraucht. Aber mit mir lässt sich immer reden. Das Ziel muss sein, dass beide Parteien zufrieden sind und Roger mit einem guten Gefühl seinen sechsten Titel an den Swiss Indoors anpeilen kann.

Ist nicht längst zu viel Geschirr zerschlagen, um das noch zu flicken?
Ich bin nicht nachtragend. Wer Irrtümer und Enttäuschungen nicht hinter sich lassen kann, kommt nicht vorwärts im Leben.

Haben Sie keine Angst, dass Sie für Ihr Turnier zu einer ­Hypothek werden könnten und der Zwist darin gipfeln könnte, dass Sie die Verantwortung für den Anlass früher als geplant abgeben?
Sicher nicht. Früher oder später werden wir das Problem lösen.

Sie sind jetzt 66 Jahre alt. Wie lange gedenken Sie diesen Job noch zu machen?
Nach dem Motto von Udo Jürgens fängt das Leben mit 66 ja erst an. Die Basis aller Pläne und Ideen ist die Gesundheit. An Begeisterungsfähigkeit und Leidenschaft mangelt es nicht. Und auch nicht daran, wie ich von meinem Team und der 700-köpfigen Organisation unterstützt werde.

War der Wendepunkt in der Beziehung mit Federer, dass Sie nicht auf seine Avancen, das Turnier allenfalls einmal übernehmen zu wollen, eingingen?
Ein Kauf beziehungsweise Verkauf stand nie zur Diskussion. Roger hat mich lediglich gebeten, ihn zu informieren, wenn ich je auf die Idee kommen sollte, das Turnier zu verkaufen.

Betrachten Sie es als Ihre letzte grosse Aufgabe, das Turnier in die Zeit nach Federer zu führen, bevor Sie es firmen- oder familienintern in neue Hände legen?
Ob das meine letzte grosse Aufgabe ist, weiss ich nicht. Vielleicht warten ja noch grössere Aufgaben auf mich (lacht).

Haben Sie keine Angst, dass das Interesse am Tennis in der Schweiz nach Federer rapide abnehmen wird?
Doch, natürlich ist die Besorgnis da. Aber wenn der Zeitpunkt gekommen ist, führt kein Weg daran vorbei, dass der traditionsreiche Event weiterlebt. Die Swiss Indoors bleiben die Swiss Indoors, Tennis bleibt eine faszinierende Sportart.

Aber ohne Federer stünde das Turnier nicht da, wo es heute steht.
Keine Frage: Federer hat das Turnier in den letzten sieben Jahren geprägt. Aber schon vor seiner Zeit kamen die weltbesten Spieler nach Basel und waren die Swiss Indoors ein sportlicher und gesellschaftlicher Höhepunkt in unserem Land. Und der Entwicklungsprozess ist nie abgeschlossen. 2017 sollte die St. Jakobshalle saniert sein. Dann sollte es für einen Veranstalter dank modernster Einrichtungen einfacher und hoffentlich auch kostengünstiger werden, den Ansprüchen der Konsumenten zu genügen.

Erstaunlicherweise ist das Turnier ja trotz des Zugpferds Federer nicht ausvermarktet. Das heisst, Sie suchen weitere Sponsoren. Werden Sie diesbezüglich einen einfacheren Stand haben, wenn Federer einmal nicht mehr alles Interesse auf sich zieht?
Die Mittelbeschaffung war noch nie einfach und wird es auch in Zukunft nicht sein. Wir sind, ob mit oder ohne Federer, auf den Goodwill der Werbewirtschaft und Sponsoren angewiesen.

Was sagen Sie eigentlich zum Hoch Ihres Nachbarn FC Basel?
Ich kenne keinen Basler, der nicht stolz ist auf seinen FCB. Auch ich sitze gerne auf der Tribüne und geniesse die tollen Spiele und die mitreissende Atmosphäre hautnah. Die Basis des Erfolgs sind die professionellen Strukturen des Vereins. Angefangen beim Präsidenten Bernhard Heusler bis hin zum Platzwart.

Haben Sie an der diesjährigen Fasnacht in den Schnitzelbänken viel einstecken müssen wegen des Zoffs mit Federer?
Nein, das hielt sich im Rahmen. Es mussten Politiker dranglauben, und andere Sujets wie das Littering, die Abzockerei und das Steuerabkommen standen im Vordergrund.

Zuletzt die Frage: Wer gewinnt das Turnier in diesem Jahr?
Roger Federer.

Der Fall

Mit den Swiss Indoors 2012 läuft der Fünfjahresvertrag des Turniers mit Roger Federer aus. Während des Events wird der Zwist um eine neue Vereinbarung öffentlich.

Federer fordert statt 500 000 Fr. Antrittsgeld einen siebenstelligen Betrag. Das geht Brennwald zu weit. Er unterbreitet Federer «die beste Offerte, die wir je einem Spieler gemacht haben» – mit einer Frist bis 15. Februar 2013. Federer lässt die Frist verstreichen, Brennwald reagiert mit der Verpflichtung von Nadal. Auch Federer macht Brennwald noch einmal ein Angebot: für ein Jahr, finanziell im alten Rahmen, befristet bis 10. April. Federer lehnt ein zweites Mal ab.

Beliebteste Kommentare

  •   marc , Bern
    Einen siebenstelligen betrag als Antrittsgage und das beim Heimturnier? Mann kann ja denken was man will, aber auch da würde ich schon langsam das Wort Abzocker in den Mund nehmen! Und ausserdem hat er in seiner Karriere schon so viel Geld verdient, dass er ganz sicher nicht auf die Antrittsgage angewiesen ist!
  • Peter  Kay , Niedergösgen
    Jeder darf Fehler machen. Aber was Brennwald getan hat war nicht ein Fehler, sondern einfach fehlender Stil und niveaulos. Er nimmt sich selbst viel zu wichtig.

Alle Kommentare (24)

  • Carla  Schär , Gottmadingen
    ..In Bezug auf eine Nachfolgereglung meine ich: Falls Roger für den Kauf von SwissIndoor in Frage käme, wäre es noch 3-4 Jahre zu früh, da er ja so lange noch spielen will...aber falls es denn so herauskäme, wäre die Attraktivität dieses Turnieres absolut gewährleistet, das kann man mit Bestimmtheit annehmen!Für viele Tennisfreunde wäre es sicher besser so, als wenn RF dann in der Anonymität verschwinden würde!
    • 05.05.2013
    • 9
    • 7
  • André  Häberli , Cape Town , via Facebook
    Für die Swiss Indoors, Basel und den Veranstalter wäre eine vorzeitige Nachfolgeregelung in guten Zeiten sportlich und finanziell der Zeitpunkt nicht schlecht. Manchmal muss man zum Glück gezwungen werden. Ich weiss, es ist nicht leicht den richtigen Zeitpunkt zu wählen, aber wenn möglich bevor der Höhepunkt überschritten ist ;-
    • 05.05.2013
    • 28
    • 5
    • André  Häberli , Cape Town , via Facebook
      Ich glaube Roger hat mehr gegeben dem SwissOpen als bekommen. Geben und nehmen ............
      • 05.05.2013
      • als Kommentar auf André  Häberli , Cape Town
      • 11
      • 21
Seite 1 2 3 4 5 »
Seitenanfang

Top 3

1 Hobby-Models gesucht Wir setzen Amateur-Sportler in Szene!bullet
2 Mega-Angebot! Leverkusen bietet 9 Millionen für Drmicbullet
3 Das geht unter die Haut! Beckhams neues Liebes-Tattoobullet

Sport