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Mit seiner genialen Super-G-Show hatte Didier Cuche (34) zum Auftakt den Funken geworfen. Eine Sekunde Vorsprung – eine Fahrt wie von einem anderen Stern. Dass der Perfektionist und Kämpfer in der Abfahrt nicht nachdoppeln konnte, lag bloss an der Sternstunde des Kanadiers John Kucera.
Dann erhob sich Lara Gut (17) auf den Thron des Shooting-Stars. Silber in Super-Kombi und Abfahrt, die junge Tessinerin brillierte mit Frechheit und Können. Lara setzte mit dem Erfolg ihres Privat-Teams bei den Swiss-Ski-Frauen ein Zeichen.
Carlo Janka (22), der coole Eismann, wurde nach Abfahrts-Bronze im Riesenslalom zum Giganten. Ganz grosser Sport, wie der Obersaxer diesen störrisch-steilen Berg fast spielerisch zähmte.
Sechs WM-Einzel-Medaillen, zwei davon in Gold, drei Schweizer Superstars. Und der Held von Åre vor zwei Jahren, Daniel Albrecht, lag bis Donnerstag noch im künstlichen Tiefschlaf in der Universitäts-Klinik von Innsbruck im Bett.
Die Schweiz ist definitiv wieder eine Ski-Macht.
Lara Gut rettete Frauen
Aber das Eis bleibt dünn. 2007 in Åre waren mit Bruno Kernen, Didier Cuche, Marc Berthod und zweimal Daniel Albrecht noch vier Athleten für die fünf Einzel-Medaillen verantwortlich. In Val dIsère hing das Edelmetall nur noch an drei Hälsen.
Wäre Ausnahme-Talent Lara Gut nicht gewesen, hätte es eine kapitale Schlappe für die Swiss-Ski-Frauen abgesetzt. Dass in der Männer-Super-Kombi das volle Startplatz-Kontingent von vier Schweizern nicht ausgenützt werden konnte, ist ein weiteres Signal.
Männer-Cheftrainer hält dagegen
Klar, Martin Rufener kann als Männer-Cheftrainer entgegenhalten: Dani Albrecht hat gefehlt, Marc Berthod war nicht fit, Didier Défago hat nach seinen Weltcup-Abfahrts-Triumphen den Rank an der «Face de Bellevarde» wohl vor allem nervlich nicht gefunden. Und Silvan Zurbriggen hatte in der Super-Kombi das Hundertstel-Pech.
Wie schnell dünnes Eis schmelzen kann, hat Swiss-Ski schon mal erlebt: 1997 in Sestrière warens ebenfalls sechs Medaillen – 1999 in Vail nur noch zwei.
Was aber ist los im Frauen-Lager? Lara Gut habe die anderen Schweizerinnen mit ihren Exploits blockiert, sagte Frauen-Cheftrainer Hugues Ansermoz. Das ist eine Kapitulation. Nicht nur für Nadia Styger, Fränzi Aufdenblatten, Fabienne Suter oder Dominique Gisin, sondern vor allem für die Trainer-Crew von Ansermoz. Es gibt doch nichts Schöneres, als frei von der Last, das Team reissen zu müssen, WM-Rennen fahren zu dürfen.
Aber dazu braucht es halt Trainer, die überzeugen und motivieren können. Was passiert, wenn es Lara mit ihrer stürmischen Angriffslust dereinst in einer Abfahrt «zerreisst»? Dann wäre bei Olympia in einem Jahr in Vancouver Tabula rasa! Einen Lichtblick lieferten wenigstens die Slalom-Girls: Denise Feierabend Sechste – alle vier unter den Top 16 – doch nicht etwa, weil Lara nicht fuhr?
Vancouver, wir kommen!
Apropos Vancouver 2010: Am 13. Februar soll die Olympia-Abfahrt der Männer steigen. Am 13. Februar 2009 hat Carlo Janka im WM-Riesen geglänzt und von Dani Albrecht gabs am gleichen Tag erlösende Nachrichten aus dem Spital. Gute Vorzeichen für Swiss-Ski – zumindest für unsere Männer.