Cuche im Glück, Défago bäuchlings, Janka cool

  • Aktualisiert am 19.01.2012
  • Von Carl Schönenberger
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Tolle Schweizer Abfahrtsbilanz. Didier Cuche: Silber. Carlo Janka: Bronze. Wir sind wieder einen Ski-Macht. Nur Didier Défago schlitterte bäuchlings ins Elend.

Die Schweizer Abfahrer standen erstmals seit 18 Jahren wieder zu zweit auf dem WM-Podest. 1991 in Saalbach war Franz Heinzer Weltmeister, Daniel Mahrer Dritter geworden. Didier Cuche schrammte gestern nur vier Hundertstel an seinem zweiten WM-Gold vorbei. Das holte der Kanadier John Kucera.

Cuche (34) nimmts locker. «An diese Hundertstel-Geschichte habe ich mich gewöhnt. Ich habe Silber gewonnen und nicht Gold verloren», sagt er und erzählt von zwei Fehlern, die er vor dem engen Fels-Couloire und in der Zielkurve gemacht habe. «Weil ich von der Super-Kombi schon Gold im Sack habe, ist es in der Abfahrt zwar leichter gewesen.» Dafür hat ihn das Wetter gestresst. «Es war ein brutaler Druck am Start.

Der Himmel über mir war blau, unten auf der Strecke aber habe ich den Nebel kommen und gehen sehen – nicht sehr angenehm.» Aber eigentlich habe er die Abfahrts-Medaille bereits bei der Startnummern-Auslosung gewonnen. «Die 16 – wie im Super-G. Die nach mir folgenden Fahrer mit den Nummern 17, 18, 19 und 20 hatten im Nebel keine Chance für ein gutes Resultat. Dafür sage ich sorry!»

Aber weshalb der rennentscheidende Fehler in der Zielkurve bei der Anfahrt zum letzten Sprung? Hatte sich Cuche mit seinen Diskussionen in den Tagen vor dem Rennen zu sehr mit dieser Stelle befasst? «Nein», sagt Didier, der Glückliche. «Es ist eine Frage der Kraft gewesen. Ich habe im Rennen mehr «gepusht» als in den Trainings. Meine Beine waren müde.»

Happy, dass er nach Riesenslalom-Bronze 2006 in Are, mit Gold und Silber jetzt seinen WM-Medaillen-Satz komplettiert hat, ist Cuche allemal. Und am Freitag im Riesenslalom? «Ich bin ein Gourmand und immer hungrig auf ein weiteres feines Rennen. Aber erzwingen will ich nichts.» Er gehe jetzt zwei Tage lang Riesenslalom trainieren, sein Material abstimmen. Danach werde man sehen.

Für Didier Défago, den Unglücklichen, ist die Stimmungslage anders. Bei idealer Sicht passierte dem Lauberhorn- und Kitzbühelsieger einmal mehr ein legendärer Défago-Fehler. Auf dem Bauch, anstatt auf dem WM-Podest – seinen Val d’Isère-Aufenthalt hatte er sich definitiv anders vorgestellt.

Carlo Janka behielt die Nerven

Von Marcel W. Perren

Im House of Switzerland hatte er sich 24 Stunden vor der Abfahrt ein Raclette auf einen Ski schmieren lassen. «Vielleicht hat genau das den Unterschied zwischen Bronze und Leder ausgemacht», freute sich Carlo Janka (22) nach der Siegerehrung.

Ansonsten war der coole Bündner trotz dem Gewinn seiner ersten WM-Medaille nicht zum Scherzen aufgelegt: «Der Glanz dieser Medaille wird halt durch die Absenz von Daniel Albrecht überschattet. Leider liegt er immer noch im Koma, darum widme ich ihm diese Medaille.»

Dass Janka in Val d’Isère eine Medaille gewinnt, haben vor dieser WM viel Experten erwartet. Aber kaum jemand hat damit gerechnet, dass er in der Königsdisziplin Edelmetall holt. Auch Janka selber nicht: «Ich habe mir sehr viel für den Super-G und den Riesenslalom vorgenommen, aber in der Abfahrt ging ich eigentlich ohne konkretes Ziel an den Start.»

Wenn er im mittleren Streckenabschnitt nicht durch eine Nebelwand hätte fahren müssen, hätte Super-Carlo vielleicht sogar Gold geholt. Sieger Kucera hatte an dieser Stelle auf jeden Fall perfekte Sichtbedingungen. Doch das wollte unser Shootingstar nicht als Ausrede gelten lassen: «Natürlich war die Bodensicht nicht gut, doch so viel hat das trotzdem nicht ausgemacht.»

Vielleicht scheint ja in der Super-Kombination und im Riesenslalom die Sonne ganz speziell für Janka.
Und im House of Switzerland geht man fest davon aus, dass Janka vor diesen Rennen zum Wachsen kommt. «Hausmeister» Urs Zenhäusern von Wallis Tourismus: «Am Freitag haben wir nur einen Ski mit Raclette gewachst. Wenn er uns vor den nächsten Rennen beide Ski vorbeibringt, gewinnt er Gold.»
Défago hat es eiskalt erwischt. Er landete bäuchlings im Schnee.- AP

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