
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Ein Hauptakteur – nicht bloss aus Schweizer Sicht – ist in den nächsten zwei Wochen in Savoyen nicht dabei. Dani Albrecht (25) liegt nach seinem fatalen Trainingssturz vom 22. Januar beim Zielsprung in Kitzbühel noch immer auf der Intensivstation des Universitäts-Spitals in Innsbruck. Mit einem Schädel-Hirn-Trauma, Blutungen, Entzündungen und einer Schrumpfung in der Lunge wird der Patient dort von den Ärzten nach wie vor im künstlichen Tiefschlaf gehalten.
Didier Cuche und Co. stürzen sich in den kommenden Tagen waghalsig die unkonventionellen Pisten des steilen WM-Bergs «Face de Bellevarde» hinab. Daniel Albrecht und die Innsbrucker Ärzte führen gleichzeitig einen Kampf, der den vielseitigsten Schweizer Ski-Star steil bergaufwärts bringen soll – zurück zum höchsten und wichtigsten Gut jedes Sportlers, zurück auf den Gipfel der Gesundheit. Albrechts Kampf ist definitiv schwieriger und unberechenbarer als der seiner Kollegen in Frankreich.
Daniel Albrecht – erinnern wir uns an die WM vor zwei Jahren im schwedischen Åre. Dort hatte der frühere Junioren-Weltmeister auf höchster Ebene den Durchbruch geschafft. Weltmeister in der Super-Kombination, WM-Silber im Riesenslalom, Bronze im Team-Wettkampf. Mit einem kompletten WM-Medaillen-Satz stand der damals 23-jährige Fiescher fast auf einer Höhe mit Abfahrts- und Riesenslalom-Weltmeister Aksel Lund Svindal.
Seit Åre ist Albrecht noch stärker geworden, vor allem kompletter. Dani wäre in den dreizehn Tagen von Val d’Isère in jedem der fünf WM-Rennen für die Schweiz als einer der Favoriten am Start gestanden. Genau so, wie das jetzt sein norwegischer Åre-Rivale Svindal wieder tun kann. Dieser Aksel Lund, dessen Karriere im Winter 2007/08 ebenfalls an einem seidenen Faden hing.
Ähnlich wie jetzt bei Dani wurde damals nach dem furchtbaren Trainings-Crash in Beaver Creek von den Ärzten auch um Svindals Leben tagelang gekämpft. Der Elch hats geschafft, ist auf den Pisten zurück, hat den Kampf gewonnen. Hoffentlich kann das Dani Albrecht in einem Jahr bei Olympia in Vancouver dann auch von sich sagen.
Ausgangslage ist gut: Super-Start mit Super-G
Wenn der Walliser nicht selbst an der «Face de Bellevarde» um WM-Medaillen fahren kann, tun das in Val d’Isère eben die anderen Schweizer für ihn.
Die Ausgangslage ist fantastisch: Die insgesamt neun Weltcupsiege der letzten Saison sind heuer bereits vor dem WM-Break übertroffen. Didier Défago mit seinen beiden Abfahrts-Triumphen von Wengen und Kitzbühel, Didier Cuche als Super-G-Sieger von Val Gardena, Carlo Janka als Super-Kombi Held von Wengen und
Riesenslalom-Gewinner der WM-Hauptprobe im Dezember in Val d’Isère, Silvan Zurbriggen als Kombinations-König von Kitzbühel brillierten auf der Männer-Seite.
Bei den Frauen taten dies Dominique Gisin als Abfahrts-Siegerin in Zauchensee und Cortina, Lara Gut beim Super-G-Triumph von St. Moritz. Zu dieser Rechnung hat Dani Albrecht vor seinem Unfall seinen Beitrag noch leisten können, mit zwei Riesen-Siegen in Sölden und Alta Badia.
Also auch ohne Albrecht – die Schweizer Alpinen haben in Val d’Isère das Potenzial, für den verunfallten Walliser ein Ski-Fest zu feiern. Mit dem Frauen-Super-G am Dienstag und der gleichen Disziplin am Mittwoch für die Männer ist alles für einen Super-Start angerichtet. Fabienne Suter, Lara Gut sowie Didier Cuche und Carlo Janka können das Feuerwerk zünden.
Was nach einem gelungenen WM-Start möglich ist, hat Åre vor zwei Jahren gezeigt. Dort hatte Bruno Kernen im ersten WM-Rennen mit Super-G-Bronze die Erfolgsspur gelegt. Insgesamt waren Albrechts Gold und fünf weitere WM-Medaillen die starke Schweizer Ausbeute. An dieser Bilanz will sich Swiss Ski auch in Val d’Isère orientieren.
Erfreulich dabei: Nicht bloss «die Alten» wie Cuche, Défago, Zurbriggen oder Suter und Nadia Styger wollen Trümpfe spielen. Nicht bloss die jungen Weltcup-Sieg-Debütanten wie Janka, Gut oder Gisin sind heiss. Mit
Andrea Dettling, Nadja Kamer oder Sandro Viletta sind Junge dabei, die ihr Überraschungs-Potenzial auch schon aufgezeigt haben.
Nach der WM 2007 von Dani Albrecht in Åre kann also die WM 2009 für Dani Albrecht in Val d’Isère am Dienstag losgehen.
Åre 2007: Albrecht feiert sein Super-Kombi-Gold.- Toto Marti