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Blick: Vor einer Woche in Wengen waren Riesen-Diskussionen im Gang, weil der Zielsprung abgetragen worden war. Die Lauberhorn-Abfahrt sei um ein Spektakel kastriert worden, hiess es.
Günter Hujara: Genau. Und jetzt gehen zum Teil die gleichen Leute wieder auf uns los mit dem Vorwurf, wir seien am schweren Sturz von Daniel Albrecht beim Zielsprung in Kitzbühel schuld. Das kann ich einfach nicht ernst nehmen.
Beim Zielsprung von Wengen ist aber seit dem Rennen im Januar 2000 kein folgenschwerer Sturz mehr passiert. Beim Zielsprung von Kitzbühel hingegen stürzte vor einem Jahr schon der Amerikaner Scott Macartney fürchterlich.
Der Sprung in Kitzbühel macht von unserer Seite her keine Korrekturen erforderlich. Mit der richtigen Vorbereitung, der korrekten Bewegung, ist es ja fast kein Sprung mehr. Das hat man auch vor und nach Albrecht gesehen. Axel Lund Svindal ist überhaupt nicht mehr abgehoben. Der Zielsprung von Kitzbühel, so wie er jetzt ist, verzeiht den Fahrern sogar relativ viel. Aber wenn ein Fahrer halt mit einem Positionsfehler – oder bereits mit Rückwärtsbewegung – drüber fährt, kann der Sprung das nicht mehr verzeihen.
Aber nach dem Macartney-Sturz hätte die FIS doch etwas ändern müssen?
Wir haben den Sprung nicht nach Macartneys Sturz angepasst, sondern vorher. Im letzten Jahr – nach dem Training, auf das Rennen hin. Es ist unser Ziel, vor schweren Unfällen für die Sicherheit zu sorgen, nicht erst danach. Wir wollen und dürfen doch nichts provozieren.
Was wurde in Kitzbühel am Zielsprung konkret geändert?
Wir haben beim Zielsprung eine Kante gemacht, damit jeder Fahrer weiss, wo er abspringt, oder wo er den Sprung drücken muss. Das war zuvor nicht der Fall.
Offensichtlich war das nicht genug, wenn Macartney und Albrecht danach dennoch so schwer gestürzt sind.
Von der Sicherheitsseite her können wir machen, was wir wollen – Fehler können immer wieder passieren. Skirennfahren ist und bleibt ein Risikosport. Dessen müssen sich endlich alle bewusst sein. Danis Sturz ist ganz klar das Ergebnis eines Fahrfehlers. Genau den gleichen Fehler hat im letzten Jahr Scott Macartney an der selben Stelle gemacht. Wir können doch nichts für Fahrfehler!
Das tönt jetzt aber nach Kapitulation.
Nein. Wir machen weiter. Die einzige Alternative wäre, aus Sicherheitsgründen mit allem aufzuhören, daheim zu bleiben und keine Rennen mehr zu fahren. Aber die Athleten betreiben ihren Sport ja in vollstem Bewusstsein. Ein Beispiel dafür hier in Kitzbühel: Direkt nach Albrechts Sturz und dem langen Unterbruch ist Hermann Maier als erster wieder den Berg runtergefahren. Mit neuer Bestzeit – er hat also kaum weniger riskiert.