Alt Bundesrat Ogi So rettete ich das Lauberhorn

Ohne Adolf Ogis Kampfgeist hätten die Lauberhorn-Rennen keinen Fix-Platz im Weltcup. Deshalb rief Viktor Gertsch den alt Bundesrat an sein Sterbebett.

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Die Stimmung in Wengen ist trotz 50-Jahr-Jubiläum des Ski-Weltcups bedrückt. Über dem Lauberhorn hängt seit dem 26. November 2016 ein Schatten – an diesem Tag ist der lang­jährige OK-Präsident Viktor Gertsch gestorben. Darum wirkt auch unser ehemaliger Bundespräsident Adolf Ogi in diesen Tagen besonders nachdenklich.

Der Kandersteger hatte in Gertschs grossem Herzen einen ganz besonderen Platz eingenommen. Die aussergewöhnliche Männer-Freundschaft zwischen dem «Dölf» und dem «Vik» beginnt in den 60er-Jahren. Gertsch organisiert in dieser Zeit mit seinem Vater Ernst die Lauberhorn-Rennen, Ogi wird Direktor beim Schweizer Ski-Verband.

Und in dieser Rolle kämpft Ogi gemeinsam mit seinem Präsidenten Karl Glatthard wie ein Löwe um die Lauberhorn-Rennen. «Bei der Gründung des Weltcups hatte das Lauberhorn beim internationalen Ski-Verband einen schweren Stand, weil es am Hundschopf oder bei der Wasser-Station bezüglich der Breite nicht den FIS-Vorschriften entsprach», hält Ogi fest.

Aber es waren nicht nur ­einige hohe Herren von der FIS, sondern auch Schweizer Funktionäre, die sich gegen die ­Weltcup-Rennen in Wengen aussprachen. Ogi: «Im Weltcup-Gründungsjahr hatten wir Schweizer drei Weltcup-Rennen im Kalender, alle drei ­wurden mit Wengen, Adelboden und den Frauen-Rennen in Grindelwald im Berner Oberland ausgetragen.»

Vor allem die Bündner und Walliser hätten sich dagegen gewehrt. «Weil vor allem die Vertreter von Laax und St. Moritz wussten, dass das Lauberhorn auch beim Weltverband umstritten war, wollten sie den Wengenern den fixen Platz im Weltcup-Kalender wegnehmen.»

Doch Ogi hat mit Präsident Glatthard den Weltcup-Platz Wengen gerettet. «Wir haben die Damen-Rennen von Grindelwald in die nationale Rotation gegeben. Gleichzeitig haben wir den Bündnern und den Wallisern versprochen, dass sie die Lauberhorn-Rennen übernehmen dürfen, wenn in Wengen nicht genügend Schnee liegt. Mit dieser Lösung konnten dann alle gut leben.»

Vater und Sohn Gertsch haben auf besondere Weise die kritischen Töne in der FIS-Zentrale verstummen lassen. «Dank der ruhigen und souveränen Organisation von Ernst und Viktor Gertsch hat sich das Lauberhorn gemeinsam mit Kitzbühel im Weltcup-Kalender schnell zu einem Kristall in den Mineralien entwickelt», schwärmt Ogi.

Viktor Gertsch war seinem Freund Ogi bis zum letzten Atemzug dankbar für die Unterstützung von damals. Deshalb war Ogi auch einer der letzten, welcher Viktor im Berner Inselspital besuchen durften. Ogi: «Am 20. November hat mir sein Sohn Philipp ausgerichtet, dass Viktor mich gerne sehen möchte. Ich habe mich deshalb am Morgen vom 21. November zu ihm ins Spital begeben.»

Diesen Besuch wird der populärste Alt-Bundesrat nie vergessen: «Als ich vor Viktor am Spitalbett stand, bat er mich, ihm die Hand zu geben. Mit seiner anderen Hand hat Viktor zu einem kleinen Stern gegriffen, der am Griff den Bett-Galgens hing. Er sagte zu mir: Siehst du, so nahe bin ich schon bei den Sternen.»

Ogi holt Luft und sagt traurig: «Fünf Tage später hat Viktor die irdische Welt verlassen und hat seine Reise zum Stern in Angriff genommen.»

Dabei war Viktor Gertsch mit seinen überdurchschnittlichen Qualitäten schon zu Lebzeiten ein Mann, wie von einem andern Stern.

Publiziert am 11.01.2017 | Aktualisiert am 13.01.2017
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