
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für einen Rücktritt? Wann hat man ihn verpasst? Gibt es ihn eigentlich? Diese Frage stellt sich jeder Spitzensportler – meist wird sie ihm sogar von aussen aufgedrängt.
Hermann Maier kann uns diese Antwort sicher nicht geben. Sonst gäbe es das Skimärchen Hermann Maier nicht.
Maier hat sicher ein halbes Dutzend richtige Zeitpunkte verpasst, und wir alle kamen immer wieder in Versuchung, für das bröckelnde Ski-Denkmal Mitleid zu verspüren.
Das war auch noch vor einer Woche so. Hermann kämpfte in Lake Louise mühsam gegen die Tücken der vereisten Piste und fuhr mehr seit- als vorwärts.
Er, der mehrfache Weltmeister, Olympia- und Weltcupsieger. Er, der in seiner Karriere fast bei jedem dritten Einsatz auf dem Podest stand und jedes fünfte Rennen gewann.
Hermann Maier ist gesundheitlich angeschlagen, die Nachwehen seines Unfalles provozieren immer neue Probleme. Warum tut er sich dies noch an? Warum packt er nicht einen dieser Glücksmomente, um als Sieger abzutreten? Am letzten Sonntag zum Beispiel?
Jean-Claude Killy trat 1968 nach drei Olympia-Goldmedaillen mit 24 Jahren zurück. Toni Sailer war ebenfalls erst 24, als er nach dreimal WM-Gold abdankte. Ich selbst habe diese Entscheidung als 30-Jähriger getroffen – innert fünf Minuten nach meiner ersten Frage über Rücktritt.
Bei Maier, am nächsten Sonntag wird er 36, ist es anders. Bei ihm dreht sichs nicht ums Wann, sondern ums Warum.
Warum soll Maier aufhören, wenn er an der Herausforderung noch Spass hat? Warum nicht weiterhin geniessen, wenn er nicht mehr siegen muss? Verlieren kann Hermann Maier nichts mehr.