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Ich sass schon unten im Auslauf. Franz Klammer raste dem Ziel entgegen. 50 000 Österreicher am Pistenrand schrien ihn den Berg hinunter, 10 000 Schweizern stockte der Atem. Zwei Millionen zwischen Wien und Bregenz und eine Million zwischen Buchs und Genf fieberten vor den Bildschirmen mit. Die Entscheidung der Olympia-Abfahrt 1976 in Innsbruck!
Während der ganze Berg zitterte, Franz mit Rückstand in den Zielschuss hinein sprang, spalteten sich in mir die Gefühle. Ich wollte nach 1972 diese Goldene nochmals, aber er durfte doch beim Heimspiel nicht verlieren.
Vier lange Winter hatten wir uns immer wieder bekämpft. Knapp verloren, aber auch mal gewonnen. Olympia war anders. Vor dem Start ein Handshake und ein ehrliches «Viel Glück». Dann der wilde, gefährliche Ritt über blankes Eis, der Zweikampf zwischen zwei kleinen Nationen, die beide die Grösste sein wollten.
Österreich war zum Schluss mit Klammer besser. Verloren hat damals aber eigentlich niemand -auch ich habe eine dicke Freundschaft gewonnen.
Obwohl jeder selbst den Kopf riskiert, ist Skirennfahren auch Mannschafts-Sport. Vor allem wenn es um Österreich und die Schweiz geht. Da geht es um Kompetenz, um Berge und Schnee. Um Tourismus und Leistungsausweise, um die Fragen: Wer ist die kleinste Grossmacht? Und wer beherrscht das Element Schnee?
Dieser Zweikampf ist Pfeffer und Salz im Schneesport. Oft wird er überspitzt ausgetragen, von den Verbands-Offiziellen bis an die Grenze des Fairplays, und von den Medien bis zur Seifenoper. Wobei uns Schweizern die Oper etwas weniger liegt...
Wie vermeintlich tiefgreifend diese Schlachten auf den weissen Feldern sind, zeigt, dass zum Beispiel Didier Cuche in Österreich ebenso beliebt ist, wie Hermann Maier in der Schweiz!
Bernhard Russi auf der Abfahrt im Jahr 1974. Damals gewann der Schweizer vor dem Österreicher.- Keystone