Olympia 2014 Pauli wieder am Berg

  • Publiziert: 28.09.2008, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Carl Schönenberger
play «Ich habe nicht lange überlegt und mein Geschäft in der Schweiz so organisiert, dass es mein Bruder allein führen kann.»
Paul Accola (Bernhard Russi)

Rosa Khutor, der Olympia-Berg für 2014 in Sotschi, macht es Pisten-Architekt Bernhard Russi nicht einfach. Doch seit Anfang August hilft ihm Ex-Weltcupsieger Paul Accola (41) mit seinen Bagger-Künsten.

Er könnte sich die Haare raufen, weil er nicht früher an Accola gedacht habe, ärgert sich BLICK-Skikolumnist Russi. «Erst im Juli ist mir die Idee mit Pauli gekommen. Die russischen Bauherren und die türkischen Bauarbeiter waren vorher kaum in der Lage, meine Ideen umzusetzen.»

Ausserdem hätten die Arbeiter kein Ski-Verständnis, sagt Russi. «Da habe ich im abgelegenen Gelände einen Menzi-Muck-Bagger stehen sehen und habe sofort an Pauli gedacht.»

Accola hat Russi nicht im Stich gelassen. «Zwar hasse ich das Fliegen», sagt der Davoser, «aber die Chance, in Russland zu arbeiten, hat nicht jeder. Ich habe nicht lange überlegt und mein Geschäft in der Schweiz so organisiert, dass es mein Bruder allein führen kann.»

Am 4. August flog Accola erstmals zusammen mit Russi in die Wildnis am Schwarzen Meer. Und Pauli legte am Olympia-Berg sofort selbst Hand an. «Unglaublich», sagt Russi. «Paul steigt am Berg in irgendeine Baumaschine und erledigt in einer halben Stunde die Arbeit, für die die Türken einen ganzen Tag benötigt hätten.»

Accola verhalte sich im Naturschutz-Gebiet erst noch viel subtiler. «Die Russen und Türken fräsen die Steine und Unebenheiten einfach weg», sagt Accola. «Ich weiss, dass eine Olympia-Piste nicht planiert sein darf wie eine Autobahn, dass es Schläge und Unebenheiten braucht. Entsprechend arbeite ich. Mit Plänen kann ich nichts anfangen, die Erfahrungen aus meiner Rennfahrer-Zeit nützen mir bei dieser Arbeit viel mehr.»

Für Accola ist seine Aufgabe in Russland so etwas wie ein Bubentraum: «Fantastisch – es gibt hier sowohl uralte Maschinen aus der Kriegszeit als auch ganz moderne Geräte.» Bloss – wie unterhält sich der Bündner eigentlich mit den Russen und Türken? «Kein Problem», sagt Accola und lacht. «Mit Händen und Füssen. So verstehen wir uns blendend.»

Zweiundzwanzig Tage hat Accola seit Anfang August am russischen Olympia-Berg bisher gebaggert. «Zehn Stunden pro Tag, und ein freies Wochenende kennen sie dort unten nicht», sagt Accola. Im Gegensatz zu den türkischen Bauarbeitern, die draussen am bewaldeten Berg in ärmlichen Baracken hausen, darf der Schweizer wenigstens in Krasnaja Poljana im Hotel residieren.

«Aber auch dort habe ich natürlich Heimweh nach meiner Frau und meinen drei Kindern zu Hause.» Drum kehrt er auch immer wieder nach Davos zurück. Am 6. Oktober will Bagger-Pauli ein letztes Mal für dieses Jahr nach Sotschi fliegen. «Eine Woche brauche ich noch, dann bin ich mit meiner Arbeit so weit, wie Bernhard vor Wintereinbruch sein will», sagt Accola.

Noch kann der berühmte Schweizer Pisten-Architekt also zu Hause ruhig schlafen. Denn Russi weiss, dass Bagger-Pauli in Sotschi der einzige ist, der sein «Russisch» perfekt versteht.

Sobald es am 2300 Meter hohen Rosa Khutor aber richtig weiss ist, möchte Accola am Olympia-Berg auch anders wüten. «Dann fliege ich mal dorthin, um meine Piste auf den Ski zu testen. Und dazu darf dann wohl auch meine Familie mal mitkommen.»

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