Gestern Abend im Walliser Heimatdorf Fiesch Jenny (25): Eine Kerze für Dani

Ein Dorf ist im Schockzustand. In Albrechts Heimatgemeinde bangen alle um ihren Daniel.

  • Publiziert: 23.01.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Jan Fischer

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich nach dem Mittag im Dorf die Schreckensnachricht. «Wir sind alle sehr betroffen», sagt Gemeindepräsident Klaus Russi (50). Wie viele andere sitzt er im «Des Alpes». Das Hotel mitten im Dorf wird von der Familie des Skistars geführt.

Russi will Beatrice (56) und Martin (63) Albrecht in ihren schweren Stunden beistehen. Doch das Wirtepaar ist bereits weg, zusammen mit Danis älterem Bruder Fabian (28) – ein Helikopter hat sie abgeholt, um sie nach Innsbruck zu ihrem schwerverletzten Sohn und Bruder zu bringen.

Danis Mutter war am Skifahren und sah den fürchterlichen Sturz in einer Ski-Hütte am TV.

In der Gaststube des «Des Alpes» läuft der Fernseher immer noch. Die Stimmung ist gedrückt. Alle reden nur über den schweren Unfall ihres Skihelden.

«Wir sind ein gläubiger Ort. Es werden heute wohl viele für Dani beten», ist Gemeindepräsident Russi überzeugt.

Auch Martin Walpen (58) und seine Familie haben daheim gleich eine Kerze angezündet, als sie vom Unfall ihres Skistars erfahren haben.

Sie sind alle Mitglieder des Fanclubs von Daniel Albrecht. «Wir wünschen ihm und seiner Familie von ganzem Herzen alles Gute», sagt Walpen traurig. «Hoffentlich ist er bald wieder gesund und kann wieder Rennen fahren.»

Der schwere Sturz in Kitzbühel geht dem Dorfgaragisten in doppelter Hinsicht nahe. Sein Sohn fährt selber Skirennen.

Seine Tochter Jenny (25) ist sogar in die Kirche gegangen, um für Daniel Albrecht eine Kerze anzuzünden. «Wir sind alle bestürzt über das Geschehene.» Sie werde für seine Genesung beten.

Sakristan Josef Wellig (66) öffnete das Gotteshaus extra für den jungen Fan des Kombi-Weltmeisters. Auch er nimmt grossen Anteil.

Wellig war früher Abwart der Dorfschule und kennt den Skistar seit frühester Kindheit. Er kämpft mit den Tränen: «Das ist wirklich eine ganz schlimme Sache. Furchtbar.»

Beltrametti: «Was will uns das Schicksal sagen?»

Beltrametti war gestern in den Dolomiten mit seinem «Sitz-Ski» am Skifahren. Von Albrechts Sturz erfuhr er per SMS. Er, Silvano Beltrametti, weiss, was das bedeuten kann. Sein Horrorsturz 2001 in Val d’Isère hat ihn querschnittgelähmt in den Rollstuhl geführt.

«Abwarten, bis am nächsten Tag eine weitere Diagnose fällt. Hoffen, dass alles nicht so schlimm wird», sagte Beltrametti. «Als Erstes kommt mir gleich wieder mein eigener Sturz hoch. Ich weiss genau, was ich alles durchgemacht habe.» Er versuche aber, das zu verdrängen, für Albrecht zu hoffen.

Vergeht Beltrametti dabei nicht die Freude am Skisport? Silvanos Antwort ist zweigeteilt: «Auf der einen Seite habe ich am Wochenende in Wengen erlebt, welche Emotionen und Freuden die Sportart auslösen kann. Das sind Momente, wo ich stolz bin, auch nach meinem Schicksal weiterhin in der Ski-Welt aktiv zu sein – jetzt allerdings auf Management-Seite.» Die andere Seite sei dunkler: «Es macht mir schon Mühe, wenn ich sehe, was alles passieren kann. Da frage ich mich: Was will uns das Schicksal mit Danis Sturz sagen? Mache ich noch das Richtige, wenn ich in diesem Sport tätig bin?»

Cuche: «Man wird nervös»

Am Start der Streif hatte Didier Cuche (34, Bild) Albrechts Horrorsturz am Fernsehen angeschaut – danach raste er den Berg runter, als wäre nichts geschehen.

Keine Gefühle? Cuche wies diese Unterstellung gestern beim ORF-Interview resolut zurück. «Selbstverständlich habe ich Danis Fahrt am Fernsehen verfolgt. Vielleicht hätte ich von seiner Linie etwas lernen können», sagte Cuche. «Bis zu diesem bösen Sturz. Da wird man schon nervös – hofft, dass man nicht den gleichen Fehler macht.» Es sei schlimm, so etwas zu sehen. Oben will man schon wissen, wie es ihm geht. Aber nicht zu viele Details. Man muss ja selbst auch noch runterfahren. Da wird es schwierig, sich noch voll konzentrieren zu können.»

Bei der Besichtigung vor dem Training war es noch zum Disput gekommen. Cuche bremste demonstrativ kurz vor dem Zielsprung bei vollem Tempo. Solche Aktionen schätzen Pistenarbeiter gar nicht. Der Abschnittschef stauchte den Schweizer Kitzbühel-Sieger von 2008 zusammen. Cuche wollte mit den quergestellten Ski nur die Kante ein wenig abtragen. «Das habe ich den Pistenarbeitern auch gesagt und ich wollte es mit meiner Bremsaktion noch unterstreichen.»

Von Erich Morger, Kitzbühel

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