Faule Sprüche vor Carlos Jungfernsprung über die Kamelbuckel: «Janka, häsch Angscht?»

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Obwohl in Gröden gestern nur ein Trainingstag war, wird sich Carlo Janka sein Leben lang daran erinnern. Grund: Er flog erstmals über die Kamelbuckel.

Es herrscht eine gespenstische Stille in der Gondel, mit der die Swiss-Ski-Stars zum Start der Saslong-Abfahrt transportiert werden. Nach ein paar Minuten Stummfilm ist es der Glarner Patrick Küng, der das Schweigen bricht und seinem Kumpel Carlo Janka (24) die Mutter aller Fragen stellt: «Jänks, du sprichst heute noch weniger als sonst schon!», grinst er schelmisch. «Häsch Angscht?» Eine berechtigte Frage, denn für Jänks steht die erste Fahrt über die berühmt-berüchtigten Kamelbuckel in Gröden an.

Der Iceman lässt sich wie gewohnt nicht in die Karten und die Seele schauen. Er lächelt nur müde, scheinbar emotionslos.

Im Vorjahr war Janka zwar schon im Super-G auf der Saslong unterwegs, doch bei der Abfahrt verord- neten ihm die Trainer damals eine Pause. Darum kennt der Gesamt- weltcup- und Olympiasieger die drei Killerwellen namens Kamelbuckel bis jetzt nur vom Hörensagen.

Ein paar Kapitel aus der Geschichte dieses tierischen Sprungs lassen wohl auch den Iceman nicht kühl: 1980 übersprang der Österreicher Uli Spiess die Kamelbuckel als Allererster in einem Satz. Ganz hässlich lesen sich die Geschehnisse aus dem Jahr 1989: Damals liessen neben den Schweizern Müller und Schuler auch die Italiener Mair, Piantanida und Perathoner sowie der Österreicher Pfaffenbichler ihr Kreuzband bei den Kamelbuckeln liegen.

Als Janka den Sprung anfährt, ist er hochkonzentriert. Er hebt ab, erreicht eine Flughöhe von acht Metern, der Himmel scheint zum Greifen nah. Der Obersaxer landet butterweich bei der 60-Meter-Marke. Uff, geschafft!

Bis im Ziel fährt er einen Rückstand von 2,90 Sekunden auf seinen Teamkollegen Cuche ein, doch die Zeit spielt für Janka keine Rolle: «Für ein erstes Training auf absolutem Neuland war die Fahrt okay», sagt er im Ziel. «Jetzt werde ich mir die Darbietung von Didier Cuche genau auf dem Video anschauen. Danach werde ich auf dieser Piste sicher noch besser zurechtkommen.» Cuches Sprung über die Kamelbuckel wird Carlo besonders genau analysieren. Da kann er noch viel lernen: «Keiner springt so kompakt wie Didier – er ist unter den Alpinen der beste Springer der Welt.»

Dann gibt der coole Janka doch noch zu, dass sein Herz kurz vor seinem ersten Sprung über die Kamel-buckel wesentlich höher geschlagen hat als normal: «Als ich im Sommer für BLICK einen Fallschirmsprung gemacht habe, ging mein Puls auf knapp 140 hoch. Heute war er bestimmt höher. Nicht nur wegen der Überwindung, sondern vor allem wegen der grösseren Anstrengung. Aber im Nachhinein darf ich sagen: Es war ein richtig schöner Sprung!»

play Janka hebt ab über die Kamelbuckel, steigt acht Meter hoch und fliegt 60 Meter weit. (Sven Thomann)

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