Österreichische Ärzte sehr vorsichtig «Herr Albrecht ist nach wie vor in Lebensgefahr»

  • Aktualisiert am 19.01.2012
  • Von Marcel W. Perren
Fragen. Urs Lehmann, Präsident von Swiss Ski, orientiert in Innsbruck die Medien.- Keystone

Es sind die schwersten Stunden im Leben von Beatrice und Martin Albrecht. Ihr Sohn Daniel liegt noch immer im Koma. Und die Ärzte an der Uniklinik in Innsbruck mögen keine Entwarnung geben.

Update (Samstag, 10 Uhr)

Daniel Albrecht verbrachte erneut eine ruhige Nacht ohne Komplikationen im Unispital Innsbruck. Es gibt derzeit keine Neuigkeiten, noch immer befindet er sich im künstlichen Koma.

So verlief der Freitag

07.30 Uhr: Martin und Beatrice Albrecht werden in ihrem Innsbrucker Hotel vom behandelnden Arzt über den aktuellsten Gesundheitszustand informiert. Manager Giusep Fry schickt danach sofort ein SMS zu Cheftrainer Martin Rufener nach Kitzbühel, damit auch Danis Teamkollegen vor dem Super-G erfahren, dass ihr Kumpel die Nacht gut überstanden hat.

11.30 Uhr: Der Albrecht-Clan verfolgt den Super-G aus Kitzbühel vor dem Fernseher im Hotel. Papa Martin erkennt schon bei der Startnummer 1: «Dieser Lauf wäre unserem Sohn wie auf den Leib geschneidert gewesen.»

Später bemerkt er noch, dass Dani bis zu seinem Unfall total auf Kitzbühel fokussiert war: «Immer wenn wir mit ihm im Sommer über den Winter gesprochen haben, hat er uns erzählt, dass er neben einem Sieg bei der WM vor allem den Triumph beim Super-G in Kitzbühel anstrebt.»

13.00 Uhr: Die Albrechts freuen sich über den Podestplatz von Ambrosi Hoffmann, danach setzt man sich im Hotel Sailer zum Mittagessen hin.

13.30 Uhr: Mama Beatrice kann es kaum erwarten, bis sie in 90 Minuten ihren Sohn endlich wieder im Spital besuchen kann. «Ich brauche unbedingt eine Ablenkung. Ich suche jetzt einen Coiffeur, wo ich mir zur Zeitüberbrückung die Haare waschen kann.»

15.00 Uhr: Mama Beatrice, Vater Martin und Danis Freundin Kerstin spazieren von ihrem Hotel in Richtung Universitätsspital. Die nächste Krankenvisite steht auf dem Programm.

16.30 Uhr: Beatrice, Martin und Kerstin kehren von ihrem Krankenbesuch zurück. Obwohl ihnen der Arzt immer noch keine endgültige Entwarnung liefern konnte, versprühen sie viel Optimismus. «Der Dani packt das schon.»

Vor allem Martin Albrecht hat sich das Wiedersehen mit seinem Sohn viel schlimmer vorgestellt: «Obwohl ihm bei diesem Sturz die Ski mit scharfen Kanten um das Gesicht geflogen sind, hat er absolut keine Schnittwunden. Seine Lippen sind zwar ein bisschen vom Aufprall geschwollen und er hat ein paar Schürfungen im Gesicht. Aber ansonsten hat er mir sehr gut gefallen.»

16.45 Uhr: Vater Albrecht informiert seinen ältesten Sohn Fabian per Telefon über den aktuellsten Gesundheitszustand seines Bruders. Auch dieser hatte vor ein paar Jahren aufgrund eines Geburtsfehlers eine Hirnblutung. Heute führt er ohne die geringsten Folgeschäden das Hotel in Fiesch.

18.00 Uhr: Nach der Medien-Orientierung der Ärzte in der Uniklinik kommt Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann ins Hotel, um den Albrechts zu verkünden, dass ihnen die Zimmer in Innsbruck so lange zur Verfügung stehen wie sie wollen.

20.00 Uhr: Mama Beatrice marschiert noch einmal ins Unispital. «Dani wird zwar immer noch genau so tief schlafen, wie am Nachmittag. Aber ich will ihn ganz einfach noch einmal sehen, bevor ich mich ins Bett lege.»

Wie lange die Albrechts noch in Innsbruck bleiben müssen, bis sie mit ihrem Dani sprechen können, wissen auch sie noch nicht. Vorerst bleibt ihr Sohn im künstlichen Tiefschlaf. Und der zuständige Arzt hat je nach Verlauf von Wochen gesprochen, welche die Schweizer Ski-Hoffnung noch im Spital verbringen müsse.

Genesungswünsche des Bundesrates

Lieber Daniel Albrecht

Ich bin tief betroffen über die Nachricht von Ihrem schweren Sturz in Kitzbühel. Genauso wie ich sind unzählige Menschen in der Schweiz in Gedanken bei Ihnen. Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen baldige und gute Genesung.

Ueli Maurer

Das ärztliche Bulletin der Uniklinik

Norbert Mutz, Leiter der Intensivstation der Uniklinik Innsbruck:
«Herrn Albrecht gehts ausgezeichnet. Damit meine ich: Seine Körperfunktionen konnten wir stabilisieren. Es hat keine Ausreisser gegeben. Eine mittelbare Lebensgefahr besteht bei so einem schweren Sturz immer. Eine unmittelbare Lebensgefahr ist aber vorerst auszuschliessen.»

«Herr Albrecht ist nach wie vor in Lebensgefahr! Ich bin aber optimistisch. Die Entwicklung ist seit seiner Einweisung so gelaufen, dass ich keine übertriebene Angst habe. Seine Gehirnfunktionen sind stabil, die Lunge auch. Wie sich das in den nächsten Tagen entwickelt, weiss ich aber nicht. Hoffnung ist also durchaus berechtigt. Aber bitte keine Prophezeiungen!

Wir haben Herrn Albrecht eine ganze Palette von Befunden abgenommen. Daraus gibt es keinen Grund, besorgt zu sein – besonders besorgt zu sein.

Der künstliche Tiefschlaf ist dazu da, um Organe zu schützen. Wir überwachen Herrn Albrecht laufend und können sehen, ob seine Organfunktionen so weit stabil sind, dass wir ihn aus dem Tiefschlaf zurückholen können.»

Protokoll: Carl Schönenberger
Sonde. Mit einer Sonde überwacht Richard Bauer die Schwellung im Gehirn von Daniel Albrecht.- Keystone

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