Carlo Janka Ein Genie fährt Ski

  • Aktualisiert am 02.01.2012
  • Von Marcel W. Perren
Klein-Carlo als Dreijähriger Knirps bei einem seiner ersten Skirennen in Obersaxen GR.- ZVG

«Federer des Schneesports», nennt ihn Pirmin Zurbriggen. BLICK bringt die Serie zum neuen Ski-Star.

Im Videoarchiv von Reto und Ursula Janka lagert aus den frühen Achtzigerjahren ein Dokument von Junior Carlo, das fast so spektakulär ist wie die Aufnahmen seiner drei Siege in Beaver Creek.

Der «Streifen» zeigt den kleinen Carlo, wie er einzig mit Windeln und Gummistiefeln bekleidet durch das Restaurant seiner Mama läuft. Die Kommentare der Gäste lassen den schnuckeligen «Iceman» schon damals völlig kalt.

Noch etwas ist über all die Jahre gleich geblieben: Wirkliche Emotionen zeigt der coole Bündner nur dann, wenn er im TV englischen Fussball sieht.

«Als Kind hätte er am liebsten 24 Stunden am Tag Fussball geschaut. Ich musste an unserem Haus in Obersaxen eine Satellitenschüssel montieren, damit sich Carlo die Übertragungen aus England ansehen konnte.» Papa Reto schmunzelt: «Und nach Niederlagen von Manchester United oder der englischen Nationalmannschaft war er jeweils richtig niedergeschlagen.»

Persönliche Niederlagen steckt der kleine Carlo wesentlich lockerer weg. Zum Glück, denn: Der junge Skirennfahrer Janka muss auf der Skipiste lange unten durch. Vor allem der Diego Züger aus Tamins fährt dem «Jänks» in den ersten JO-Jahren um die Ohren.

Doch dann führt ein Leihski die Wende herbei. Papa Reto: «Carlo war 13, als er bei den JO-Rennen den ganzen Winter hinterher fuhr. Weil ich spürte, dass er wegen seiner Kinderski nicht vom Fleck kommt, lieh ich beim Menzli-Sport in Ilanz einen
Erwachsenenski aus.
Ein Atomic, wie ihn sein grosses Vorbild Hermann Maier fuhr. Dieser Schachzug ging super auf. Carlo gewann mit diesen Ski auf Anhieb zwei Medaillen bei den Bündner Verbands-Meisterschaften.»

Zwei Jahre später will Janka erstmals bei einem Internationalen Rennen für Furore sorgen: Im Engadin will er bei einem FIS-Rennen an den Start gehen. Doch für einmal steht im seine unglaubliche Nervenstärke im Weg.

Der Reihe nach: Als sich seine Konkurrenten schon längst total fokussiert und angespannt im Startgelände aufs Rennen vorbereiteten, steht Carlo seelenruhig am Pistenrand, um sich die Fahrt eines Kollegen aus Obersaxen anzuschauen.

Dabei vergisst er sich so sehr, dass er erst am Start eintrifft, als er schon längt im Ziel hätte sein sollen. Das Super-Talent hat den Start zu seiner internationalen Karriere klassisch verschlafen. Die Trainer schicken ihn nach diesem eklatanten Versäumnis nach Hause. Doch Janka kommt zurück.

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