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Berühmt, beliebt, bewundert: Cuche wird 2011 zum zweiten Mal Sportler des Jahres. (Reuters)
Wengen, Freitag, 13. Januar
Der junge Beat Feuz gewinnt die Abfahrt der Lauberhorn-Kombination in bestechender Manier. Didier Cuche schaut sich das Rennen an. Er ist beeindruckt. Und er weiss: Es wird verdammt schwierig, diesen Feuz auf dieser Strecke am Tag danach zu bezwingen.
Die Lauberhorn-Abfahrt, die ganz grosse Lücke in seiner beeindruckenden Laufbahn. Ein Sieg auf der längsten Abfahrt der Welt ist das letzte ganz grosse Ziel in seiner Karriere. Cuche macht sich Gedanken, Cuche zweifelt.
Wengen, Samstag, 14. Januar
Vor dem Start zur Lauberhorn-Abfahrt bereiten sich Cuche und Feuz auf das Rennen vor. Der Meister und sein Lehrling. Der Champion und sein Nachfolger. Die Körpersprache lässt keine Zweifel offen. Cuche mit verkrampften Gesichtszügen. Feuz locker, mit dem Vertrauen des unbekümmerten Newcomers. Zu verlieren hat er nichts. Er gewinnt alles. Cuche kommt ins Ziel. Unter ferner liefen. Es ist eine seiner grössten Enttäuschungen der Karriere.
Zürich, Samstag, 14. Januar
Im Fernsehstudio wird der Schweizer des Jahres gewählt. Hochkarätige Personen stehen zur Auswahl. Das Publikum wählt Didier Cuche. Es wird ein Mann geadelt, der weit über den Sport hinaus Bewunderung und Sympathie geniesst. Es ist der Lohn für ein sportliches Lebenswerk voller Höhen und Tiefen. Ein Trost ist es nicht. «Würden Sie den Titel Schweizer des Jahres gegen den Lauberhorn-Sieg tauschen?», wird Cuche gefragt. Er, der aus seinem Herzen noch nie eine Mördergrube gemacht hat, sagt: «In erster Linie bin ich Sportler.»
Kitzbühel, Montag, 16. Januar
Didier Cuche fährt nach Kitzbühel. «Wenn ich das Ortsschild Kitzbühel passiere, dann ist das ein Gefühl, wie wenn man nach längerer Zeit zu seiner alten Freundin zurückkehrt», sagt er.
Kitzbühel, Mittwoch, 18. Januar
Cuche fährt beim Training eine beeindruckende Bestzeit. Der beste Abfahrer der letzten Jahre zeigt auf der schwierigsten Strecke der Welt, wer der wahre Meister ist. Am Abend trifft ihn BLICK zum Doppelinterview mit Franz Klammer. Beide haben auf der Streif viermal gewonnen. Cuche ist locker, albert mit dem grossen Klammer, ist mit sich und der Welt im Reinen. «Didier Cuche, nach dem Lizenz-Entzug von Xamax sind Sie jetzt wohl das einzige grosse Aushängeschild des Neuenburger Sports?» «Heute noch», sagt Cuche, lächelt und geht.
Kitzbühel, Donnerstag, 19. Januar
Didier Cuche bittet zur Medienkonferenz. Alle Journalisten, eigentlich der Neutralität verpflichtet, applaudieren. «Ich trete Ende Saison zurück. Ich bin extrem erleichtert und befreit. Zuletzt war ich im Kopf nicht mehr frei», sagt Cuche erstaunlich gefasst.
Kitzbühel, Freitag und Samstag, 20./21. Januar
Sollte Cuche den Super-G oder die Abfahrt gewinnen, dann hätte er in sieben Tagen die ganze Berg- und Talfahrt seiner Karriere im Zeitraffer nochmals erlebt. Es wäre eines der grösseren Sportmärchen. Und dann würden auch die Tränen fliessen. Garantiert.
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