«Das macht Janka so stark!»

  • Publiziert: 08.12.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Bernhard Russi

Seine Taktik, Technik, Physis und Persönlichkeit! BLICK-Ski-Experte Bernhard Russi erkärt das Erfolgsgeheimnis von Carlo Janka.

Der Obersaxener will gar kein Supermann sein. Das ist ein erstes Geheimnis seines Erfolges. Es gibt noch andere Komponenten, die für den momentanen Höhenflug von Carlo Janka sprechen.

Seine Technik: Carlo sucht immer die runde Linie, um möglichst viele Kurven auf Zug zu fahren. Angedriftet oder quergestellt wird nur im Notfall. Dann, wenn es zu eng, zu schnell wird, oder wenn er zu spät dran ist. Das zeigt mir, dass Carlo während seiner Fahrten bereits jetzt den Weitblick besitzt, den sonst normalerweise erst routinierte Fahrer erlangen.

Janka ist fähig, die Kurven mit einem relativ geringen Kantenwinkel zur Schneeunterlage zu steuern. Etwas, das ihm bei aggressiven Verhältnissen wie in Beaver Creek entgegenkommt.

Seine Physis: Er ist erst 23 und bereits auf extrem hohem Niveau. Seine ausgeglichene Muskulatur ist die Basis für eine stabile, zentrale Position in allen Situationen. So entsteht auch eine kräftesparende Fahrweise.

Seine Psyche: Ich glaube nicht, dass der Iceman keine Gefühle hat. Aber seine natürliche Bodenständigkeit verleitet ihn nicht zum Bau von Luftschlössern. Carlo weiss, was er kann, was geschehen könnte und ist fähig, sich auf sein Kernbusiness zu konzentrieren. Das heisst: Ski fahren, so schnell es geht, und nicht schon am Start an Titel, Podest, ans Preisgeld oder an den Applaus zu denken.

Seine Taktik: Carlo will ein Rennen nicht schon am Start gewinnen. In den ersten Toren sucht er erst einmal den Rhythmus. Er versucht den Schnee, die Unterlage zu spüren und findet so relativ rasch die ideale Druckverteilung über seinem Ski.

Danach beginnt ein Steigerungslauf.
Beim Besichtigen des Kurses ist Carlo einer der Schnellsten. Das hat nichts mit Oberflächlichkeit zu tun. Es zeigt mir, dass er die ganze Problematik einer Rennstrecke abspeichert, nicht Details wie kleine Wellen oder eisigere Stellen im Zeitlupentempo auswendig lernt, sondern dass er sich Distanzen, Radien und heikle Übergänge im Renntempo vorstellt.

Seine Persönlichkeit: Carlo ist unheimlich clever. Es hat sich längst herumgesprochen, dass er nicht viel sagt, immer kurz und bündig Antworten gibt.

Das Image nutzt er bereits jetzt aus – als eine Art Schutz vor zu viel Rummel. Das heisst, dass er sich selber auch nicht hinterfragen muss. Denn Zweifel entstehen erfahrungsgemäss erst aus Fragestellungen.

Also nehmen wir Carlo Janka, wie er ist, und geniessen wir seinen Lauf!

play Der Kolumnist: Bernhard Russi. (RDB)

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