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«Eine Weltcup-Abfahrt ist definitiv eine Runde gefährlicher als Base-Jumpen. Der das sagt, ist kein Geringerer als der Evergreen, der älteste und bunteste Vogel im Ski-Zirkus, Marco Büchel.
Der 37-jährige Liechtensteiner taxiert die tollkühnen Base-Sprünge in die Tiefe als weniger gefährlich als die Ski-Abfahrten.
Das sagt alles darüber aus, was auf die Athleten zukommt, wenn sie sich ab Samstag wieder mutig die Steilhänge hinabstürzen. «Beim Abfahren musst du dich in zwei Minuten mit über hundert Stundenkilometern gegen Eis, Schläge und schwierigste Kurven durchsetzen. Ganz anders beim Base-Jumpen. Dort komme ich ja nur mit Luft in Kontakt.»
Büchel hat in diesem Sommer fünf Jumps gemacht. In seiner wildesten Zeit waren es jeweils über hundert. Damals wars ihm auch egal, wenn er sich bei der
Landung mal einen Fuss verknackst hat und darum ein paar Wochen nicht trainieren konnte. «Heute ist mir das Trainieren wichtiger als meine Hobbys.»
Der neue Marco Büchel
Früher galt er als schlampiges Genie. Er räumte reihenweise schöne Trophäen ab – als Schürzenjäger und «Ländle-Casanova». Doch seit er vor fünf Jahren der rassigen Ostschweizerin Doris das Ja-Wort ins Ohr gehaucht hat, ist alles anders, ist er zum Siegfahrer geworden. Seine Vorbereitung auf den Winter verdient jetzt das Prädikat «topseriös».
Auch diesen Sommer packte er es professionell an. Aber im Gegensatz zu den Jahren zuvor, vermochte der letztjährige Kitzbühel-Sieger in den teaminternen Zeittrainings mit den Schweizern kaum Bestzeiten auf den Gletscherschnee zu setzen.
«Junge, es lohnt sich nicht, alles zu riskieren.»
Nicht zuletzt wegen eines Trainingssturzes in Saas Fee, bei dem er sich Knochenquetschungen und einen heftigen Bluterguss zuzog. «Seit diesem Crash fällt es mir schwer, beim Skifahren das allerletzte Risiko einzugehen.» Bei jeder schnellen Trainingsfahrt stoppe ihn sein Unterbewusstsein mit den Worten: «Junge, es lohnt sich nicht, alles zu riskieren.»
Eine schwierige Situation, denn Büchel weiss, dass ohne totales Risiko in diesem Sport kein Blumentopf zu gewinnen ist. Noch hat er ein bisschen Zeit, die mentale Handbremse zu lösen. Die guten Erinnerungen an Lake
Louise werden ihm dabei helfen. Hier hat er vor zwei Jahren die Abfahrt gewonnen.
Bis zu den Olympischen Spielen 2010 möchte der Liechtensteiner mit Schweizer Mutter und Schweizer Pass dem Skizirkus noch erhalten bleiben. Ob er das durchziehen wird, hängt auch von den Resultaten in Lake Louise ab und davon, ob er den internen Zweikampf gegen sein Unterbewusstsein gewinnen wird. Büchel gegen Büchel.