Albrecht: «Wusste nicht mehr, wie gut ich als Skifahrer war»

  • Publiziert: 29.04.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Raphael Fiore

BERN - Erstmals nach seinem fürchterlichen Unfall am 22. Januar in Kitzbühel präsentiert sich Daniel Albrecht der Öffentlichkeit. Und seine Aussagen lassen auf eine rosige Zukunft hoffen, bereits heute darf der Skistar nach Hause!

Was für ein Auftritt von Daniel Albrecht. Zur Pressekonferenz erschien der Skistar mit einem breiten Lachen im Gesicht und legte gleich los: «Ich bin froh, hier zu sein und euch alle zu sehen. Es ist soviel gelaufen, ich bin so vielen Leuten enorm dankbar.» Ganz besonders hebt Albrecht dabei seine Familie, seine Freundin, seinen Manager Giusep Fry und die Ärzte hervor.

Das berührende Interview mit SF-Hüppi

Danach führte Matthias Hüppi von SF mit Daniel Albrecht ein bewegendes Interview. Und egal, was Dani sagte, sein Lächeln verlor der Ski-Held nie. Auch dann nicht, als er über den Unfalltag sprach. Albrecht: «Ich habe absolut keine Erinnerungen mehr an den Unfalltag.»

Hüppi wollte auch wissen, wie es gewesen sei, als Dani aus dem Koma erwachte: «Ich bin sehr spät zu mir gekommen. Meine ersten fassbaren Gedanken habe ich erst seit ich hier in Bern bin, also im März.» Zur Erinnerung: Albrecht ist bereits Mitte Februar aus dem Koma erwacht, sprach damals bereits mit seiner Familie und seiner Freundin!

Zu diesem Zeitpunkt wusste Albrecht nicht einmal, welches Jahr wir haben. Dank intensiven Gesprächen mit den Eltern und der Freundin kam das Erinnerungsvermögen allmählich zurück.

Hat Dani den Horrorsturz gesehen?

Albrecht wollte sich den Sturz vom 22. Januar anschauen, zunächst riet ihm sein Umfeld aber davon ab. Doch beim Betrachten der Bilder waren es für ihn zwar «krasse Bilder», aber als ob jemand anderes dort stürzen würde.

Mit der Therapie konnte Albrecht gut umgehen, obwohl er nicht einmal eine Liegestütze schaffte. «Da kam nicht die Frage auf, ob ich je wieder Skifahren kann. Ich haderte nicht mit der Situation. Ich sagte zu mir selbst, dass ich einfach unglaublich dünn aussehe, und halt nicht in Form sei. Fragen über meine Zukunft habe ich mir da nicht gestellt.»

Der Schmetterling und Daniel Albrecht

Albrecht weiter: «Jetzt kann ich wieder so reden wie früher, das war zu Beginn nicht so. Ein Beispiel: Ich wusste, wie ein Schmetterling aussieht, konnte das Tier aber nicht beim Namen nennen. Erst nachdem mir meine Freundin sagte, dass dies ein Schmetterling sei, konnte ich den Namen wieder aussprechen. So lernte ich alles wieder von Grund auf.»

Albrecht freut sich nun auf sein zu Hause in Fiesch. «Und ich denke auch ans Skitraining. Übergeordnet ist jedoch die Gesundheit, ich will aber wieder Skirennfahrer werden. Ich werde es noch mal probieren, es war ein richtig cooler Job!» Ob dieses Unterfangen gelingen wird, wird sich mit der Zeit weisen, Dani «werde Schritt für Schritt nehmen».

Der Unfalltag

Am 22. Januar verunfallte der Walliser im Training zur Abfahrt in Kitzbühel und wurde zuerst auf der Intensivstation des Universitätsspitals von Innsbruck behandelt. Am 15. Februar konnte Albrecht ins Inselspital Bern verlegt werden, wo er zuletzt in wöchentlich rund 30 Stunden sein Schädel-Hirn-Trauma therapierte. Seit dem Unfall hat Albrecht zehn Kilogramm abgenommen. (Si/raf)

Das Interview

Das erste Interview mit Daniel Albrecht nach seinem Unfall führte Matthias Hüppi. Der routinierte SF-Moderator brillierte dabei und stellte – ohne Spickzettel notabene – auf eine sehr menschliche Art die richtigen Fragen.

Das sagte Swiss-Ski-Präsident Lehmann:

«Wir sind riesig erfreut. Die Bilder vom 22. Januar sind uns noch im Kopf, wenn ich Dani jetzt so sehe, ist das Wort «Wunder» sicherlich angebracht. Für die Zukunft stehen Dani unsere Tore stets offen, für den restlichen Weg wünschen wir Dani alles Gute!»
play Zehn Kilo leichter, aber voller Zuversicht: Daniel Albrecht. (ZVG)

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