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Es ist 09.30. Das Thermometer vor dem Hotel «Playa de Muro» hat die dreissiger Marke bereits überschritten – und auch Dani Albrecht ist auf Betriebstemperatur. 16 Wochen nach seinem Unfall brennt der Walliser auf seine erste längere Tour mit dem Fahrrad.
Konditionstrainer Reto Weiss-kopf hat für seinen Schützling eine rund 70 Kilometer lange Route zusammengestellt, die knapp drei Stunden dauern soll. Eine forsche Marschtabelle, wenn man bedenkt, dass sich Albrecht erst vor ein paar Tagen nach langer Abstinenz wieder mal auf den Drahtesel gesetzt hat. «Auf den ersten paar Metern habe ich ziemlich geschwankt, aber dann habe ich das Bike wieder ganz ordentlich in den Griff bekommen.»
«Ein ganz spezieller Moment»
Mittlerweile hat der Kombi-Weltmeister von 2007 das Rennrad schon wieder total unter Kontrolle – obwohl Weisskopf ein ordentliches Tempo anschlägt, kann Dani das Hinterrad problemlos halten. Weisskopfs Slogan auf der Radlerhose «Go for Gold» scheint unserem zwischenzeitlich abgestürzten Überflieger Aufwind zu geben. Bei der ersten Steigung geht er erstmals in Führung.
Höhenluft schnupperte Albrecht schon kurz vor der Abreise nach Spanien: Auf dem 3300 Meter hohen Kaunertal Gletscher schnallte er erstmals nach seinem Horrorsturz die Ski an. «Ein ganz spezieller Moment», erzählt Albrecht SonntagsBlick, «ich wusste wirklich nicht, ob es schon wieder funktionieren würde. Doch kaum hatte ich mich mit den Stöcken abgestossen, war das Gefühl schon wieder ziemlich gut. Ich konnte mich auch relativ schnell wieder an skitechnische Details erinnern, die ich in den letzten Jahren gelernt habe.»
Nur einmal fühlte er sich bei seinem Comeback auf Ski nicht wirklich wohl: «Nach ein paar normalen Fahrten ging ich in die Halfpipe. Das Problem war, dass eine Hälfte dieser Pipe in der Sonne stand, die andere im Schatten. Dieses Licht-Schattenspiel bekam mir nicht gut, mir war danach wirklich schlecht.»
Vom Hals weg ein Elefant
Schlecht wird ihm bei seiner Radtour auf Mallorca nicht. Als er nach drei Stunden im Hotel des ehemaligen Bahnrad-Champions Max Hürzeler eintrifft, strahlt er zufrieden: «Alles ging gut.»
Konditionstrainer Reto Weiss-kopf ist nach der Zieldurchfahrt noch euphorischer gestimmt: «Danis gesundheitliche Entwicklung ist wirklich sensationell! Noch vor ein paar Wochen hielt ich es für ein Ding der Unmöglichkeit, dass ich in diesem Sommer auch nur ein einziges Mal mit ihm trainieren kann. Jetzt kann ich mit ihm schon wieder längere Touren auf dem Velo bestreiten. Bis jetzt hat Dani hier auf Mallorca immer Einzeltrainings absolviert. Geht es im selben Stil weiter, kann er gewisse Einheiten schon bald mit den Teamkollegen absolvieren.»
Zur Erinnerung: Vor knapp zehn Wochen wusste der Skistar noch nicht einmal, wie er heisst. Albrecht: «Ich musste schon ein paar Mal schmunzeln, wenn mir meine wunderbare Freundin von der Zeit im Spital berichtete. Vor allem als sie mir erzählt hat, dass ich ohne zu murren Dinge gegessen habe, die ich vor dem Sturz verpönt habe. Aber in den ersten Wochen nach dem Koma kam es mir so vor, als wenn alle Speisen gleich schmecken würden.»
In derselben Zeit hatte «Albright» in der Nacht auch immer denselben Traum: «Ich habe oft geträumt, dass ich vom Hals weg ein Elefant bin!» Jetzt hat Dani wieder einen wahrscheinlicheren Traum: der Traum von der Rückkehr in den Weltcupzirkus. Diesen Wunsch wird er morgen ganz besonders äussern, schliesslich feiert Albrecht seinen 26. Geburtstag. Dani selber weiss am besten, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, dass er diesen erleben darf.
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Rasante Tour: Albrecht (l.) hat das Velo total im Griff und Trainer Weisskopf ist begeistert. (Sven Thomann)