Skikaiser der Herzen Albrecht kämpft wie Napoleon

  • Aktualisiert am 19.01.2012
  • Von Marcel W. Perren
So wollen wir Dani wieder sehen. Vor dem fatalen Trainings-Crash beim Zielsprung gab Albrecht am Mittwoch für BLICK den Napoleon.

Kostüme von Kaiser, Aesch BL- Toto Marti

Daniel Albrecht (25) hatte seinen Pisten-Streifzug mit derselben Schlitzohrigkeit geplant wie Napoleon vor 200 Jahren seine Feldzüge. Jetzt kämpft er auf der Intensivstation mit dem Kampfgeist des einstigen französischen Kaisers ums Überleben.

Am Donnerstag, ein paar Stunden nach Dani Albrechts schrecklicher Bruchlandung beim Zielsprung der gefährlichen Streif-Abfahrt, erzählte Technik-Trainer Jörg Roten: «Er hatte den Killerblick eines Feldherren drauf, bevor er sich zum Hahnenkamm-Starthaus hinaus katapultierte.»

In diesen Tagen und Stunden braucht der Mann mit der mentalen Stärke und dem Genie von Napoleon Bonaparte (1769 – 1821) die Qualität eines grossen Kämpfers. Und die bringt der Fiescher auf alle Fälle mit, schliesslich hat er in seinem Leben trotz seines gottbegnadeten Talentes von Beginn an fighten müssen.

Dani war ein schmächtiger 14-jähriger Jüngling, als er sein warmes Nest im Elternhaus in Fiesch verliess, um sich in der berühmten Talentschmiede von Stams (Tirol) zu einem grossen Skifahrer modellieren zu lassen.

«Die ersten Monate in Stams waren für mich die Hölle. Die Unterkünfte erinnerten an Militärkasernen, das Essen war sehr gewöhnungsbedürftig und ich hatte starkes Heimweh. Trotzdem habe ich mich hier durchgesetzt und das hat mich stark gemacht», erzählte Dani, nachdem er 2007 bei der WM in Åre die Goldmedaille in der Super-Kombi gewonnen hatte.

«Das Skifahren war halt von seiner frühesten Kindheit an sein Ein und Alles», weiss «Albrights» Papa Martin.

Die ersten Ski gestohlen

Mama Beatrice erzählt immer wieder die Geschichte, als ihr Jüngster mit knapp zwei Jahren seine ersten Ski «geklaut» hat: «Dani war damals zweijährig, als er unter dem Weihnachtsbaum ein paar Ski entdeckte, die eigentlich sein älterer Bruder Fabian bekommen sollte. Doch Dani beanspruchte die Ski für sich. Er ist dann mit den Ski durch die Wohnung gelaufen, das Pyjama betrachtete er als sein Renndress.»

Doch was passiert, wenn Daniel wegen der Folgen seines Kitzbühel-Sturzes nie mehr Skirennen fahren kann? Sein Vater schiebt solche Gedanken ganz weit von sich: «Dani und ein Leben ohne Skisport ist für mich fast nicht vorstellbar. Ich bin ziemlich sicher, dass er total enttäuscht sein wird, wenn wir ihm nach dem Aufwachen aus dem Koma verkünden müssen, dass die Kitzbühel-Rennen 2009 ohne ihn über die Bühne gegangen sind. Schliesslich hat er sich während der ganzen Saison-Vorbereitung auf diesen Event fokussiert.»

Etwas weniger Sorgen macht sich Albrechts Manager Giusep Fry für den Fall, dass Dani seine Ski-Karriere vorzeitig beenden müsste. «Obwohl er immer alles einer erfolgreichen Ski-Karriere untergeordnet hat, reicht sein Horizont weit über die Skispitzen hinaus. Darum bin ich überzeugt, dass er neben der Skipiste eine Herausforderung finden würde, die ihn ähnlich befriedigt.»

Der Chef der Agentur GFC-Chur (betreut auch Ambrosi Hoffmann, Carlo Janka, Marc und Sandra Gini) war in der Vergangenheit immer wieder von Albrechts Frühreife begeistert: «Wenn andere Skirennfahrer in der trainingsfreien Zeit ihren Hobbys frönen, befasst er sich mit unternehmerischen Sachbüchern und Businessplänen.»

Dani gibt nie auf

Kein Wunder also, dass Dani im Herbst erstmals eine eigene Ski-Bekleidungskollektion auf den Markt brachte. «Kurz vor seinem Unfall hat er mich schon wieder in neue unternehmerische Pläne eingeweiht, die er demnächst umsetzen wollte», erzählt Fry.

Ob er diese Vorhaben je wird realisieren können, kann zur Stunde immer noch nicht schlüssig beantwortet werden. Die meisten sind zwar optimistisch.

Aber eines steht fest: Dani wird wie ein Löwe dafür kämpfen. Dass einer wie er nie aufgibt, weiss kaum jemand besser als sein Ski-Zwilling und Zimmerkollege Marc Berthod (25): «Jahrelang hat ‹Albright› auf unserem Zimmer jeden Morgen vergebens versucht, den Handstand zu drücken. Doch er hat nicht locker gelassen, bis er ihm eines Tages gelang.»

Und Manager Giusep Fry setzt einen drauf: «Dani ist ein Fan von Sylvester Stallones Box-Filmen «Rocky». Ich glaube fest daran, dass er wie Rocky Balboa nach einem K.o. wieder zurückkommt und vor allem zurückschlägt.»

Und zwar wie gehabt – mit dem Killerblick des Napoleon.

Gute Nachrichten aus der Uni-Klinik

Für Daniel Albrecht verlief auch die zweite Nacht im Innsbrucker Universitätsspital äusserst stabil.

Die behandelnden Ärzte teilten den Angehörigen gestern mit, dass der Zustand des Patienten als positiv und hoffnungsvoll bezeichnet werden darf. Gemäss Experten sind Komplikationen nach 48 Stunden sehr
unwahrscheinlich.

Wann Albrecht aus dem künstlichen Koma zurückgeholt werden kann, ist noch offen. Mama Beatrice und Papa Martin werden in Innsbruck bleiben, bis ihr Sohn aus dem Tiefschlaf aufwacht.

Marcel W. Perren

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