Aksel hat den Adler im Griff

  • Publiziert: 03.12.2008, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Carl Schönenberger

Für Norwegens Ski-Giganten war gestern ein wichtiger Tag. Aksel Lund Svindal (25) schloss mit der «Birds of Prey»-Piste in Beaver Creek Frieden.

Gestern Mittag, kurz nach elf Uhr Ortszeit. Da stand er also wieder, oben an der Kante des spektakulär hohen Golden-Eagle-Sprungs. Svindal und sein Coach Marius Arnesen wirkten nachdenklich.

371 Tage flach gelegen

«Es ist wohl der wichtigste Tag in Aksels Karriere», hatte Arnesen vor der ersten Strecken-Besichtigung für die Super-Kombi vom Donnerstag und die Abfahrt vom Freitag gesagt.

371 Tage sind seit Svindals Schicksals-Trainingsfahrt verstrichen. Am 27. November 2007 war der Norweger von eben dieser Golden-Eagle-Kante ins Elend geflogen.

«Aksel war ungewohnt unkonzentriert auf den Sprung zugefahren», blendet Arnesen zurück. Die Folgen sind bekannt: schwere Prellungen am ganzen Körper, mehrere gebrochene Gesichtsknochen und eine tiefe Schnittwunde im Gesässbereich. Für Monate war Svindal flachgelegt.

Ein Champion steht wieder auf

Gestern stand er also wieder da. Was ging in diesem Moment in Svindals Kopf ab? «Es wird keine einfache Sache», hatte der Gesamt-Weltcupsieger von 2006/07 vor der Besichtigung gesagt. «Aber als Champion muss ich das meistern können.»

Arnesen schwenkte bereits in die Zukunft: «Nach dieser ersten Begegnung mit dem Unfall-Ort ist für Aksel endlich alles vorbei. Auch der spezielle Medienrummel.»

Was Svindal den gestrigen Friedens-Schluss mit «Golden Eagle» leichter machte: Er kennt die Ursachen seines Sturzes. «Dass ich vor einem Jahr beim Sprung nicht konzentriert genug war, habe ich bei der Video-Analyse gesehen.»

Und Arnesen liefert noch einen weiteren Grund für ihren Optimismus: «Aksel ist wieder gesund und fit – er kann voll angreifen.»

«Du warst der Schnellste»

Wie vor seinem Horrorsturz im letzten Jahr. «Wie schnell bin ich bis zu meinem Crash gewesen?», hatte er seinen Coach damals im Spitalbett als Erstes gefragt. «Du warst der Schnellste, vor Didier Cuche», hatte im Arnesen geantwortet. Für Svindal war diese Antwort Motivation während der monatelangen Reha.

Und für die bevorstehenden Rennen auf der «Birds of Prey», der Raubvogel-Piste, macht ihn die letztjährige Zwischenzeit erst recht heiss.

Beim von Bode Miller dominierten Training hats Aksel gestern bewiesen: nur drei Zehntel hinter Didier Cuche. Vater Svindal und Arnesen sind nach Aksels 50-m-Satz beim «Golden Eagle» schwere Steine vom Herzen geplumpst.

Beaver: Training

Bode Miller war im ersten Abfahrts-Training in Beaver Creek, Colorado (USA), eine Klasse für sich. Der Amerikaner knöpfte der Konkurrenz eine Sekunde und mehr ab. Didier Cuche lag als Fünfter anderthalb Sekunden zurück.

Miller, der schon in Lake Louise in den ersten beiden Trainings der Schnellste gewesen, im Rennen aber nicht über Rang 16 hinausgekommen war, schien die Scharte so schnell als möglich auswetzen zu wollen. Die klare Bestzeit überrascht indessen nicht; in Beaver Creek hatte Miller die Abfahrt schon zweimal (2004 und 2006) für sich entschieden. (si)

Resulate

Erstes Training für die Weltcup-Abfahrt und die -Super-Kombination vom Donnerstag und Freitag (nach 50 Fahrern): 1. Bode Miller (USA) 1:42,82. 2. David Poisson (Fr) 0,99. 3. Werner Heel (It) 1,17. 4. Michael Walchhofer (Ö) 1,38. 5. Didier Cuche (Sz) und Hermann Maier (Ö) 1,56. 7. Erik Guay (Ka) 1,59. 8. Marco Büchel (Lie) 1,77. 9. Aksel Lund Svindal (No) 1,85. 10. Steven Nyman (USA) 2,22.

11. Didier Défago (Sz) und Klaus Kröll (Ö) 2,37. 13. Peter Fill (It) 1,48.

Ferner: 19. Tobias Grünenfelder 3,39. 25. Ambrosi Hoffmann 3,76. 31. Cornel Züger 4,37. 39. Carlo Janka 4,78. 41. Daniel Albrecht 4,82. 43. Silvan Zurbriggen 5,22.
play ... die ihn vor 371 Tagen ins Spital katapultiert hatte. (Reuters)

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