So verrückt ist die Vendée Globe Mastbruch! Feuer an Bord! Wasser im Boot!

Vendée Globe – Pannen machen die Non-Stop-Regatta für Einhandsegler rund um die Welt zum Abenteuer für Verrückte.

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Seit dem 6. November sind sie auf See. Schlaflosigkeit, Einsamkeit, Stürme. Der tägliche Kampf mit den Elementen.

Die Segelregatta Vendée Globe gehört zu den faszinierendsten Sportanlässen. Und zu den brutalsten. Von den 29 Startern mussten sieben bereits die Segel streichen. Nur etwa die Hälfte wird den Start- und Zielort Les Sables-d’Olonne an Frankreichs Westküste nach über 24'000 Seemeilen – 44'500 Kilometern – dereinst unbescholten erreichen.

Fast keiner der Teilnehmer hatte im ersten Monat keine Probleme. Den Genfer Alan Roura – mit 23 Jahren der Jüngste im Feld – hat es vor zwei Wochen noch harmlos getroffen. Ein Absturz der Bord-Elektronik zwang ihn für den Reload zum Umweg an Brasiliens Küste.

Gröber als Roura im Atlantik traf es am Sonntag den Neuseeländer Conrad Colman (33) auf der Höhe des Kaps der Guten Hoffnung (Südafrika). «Ich hatte plötzlich einen seltsamen Geruch von Plastik in der Nase», schreibt er. In der Kabine habe er vorerst nichts festgestellt. Beim zweiten Kontrollgang Minuten später ist es «letzte Eisenbahn»: «Schwarzer Rauch und züngelnde Flammen! Ein Solar-Aggregat war überhitzt. Ohne Angst vor ­einem Stromschlag habe ich das Feuer mit einer Schutzdecke erstickt und die gefährlich nahe liegenden Kabel mit blossen Händen weggezogen.» Panne behoben, Colman segelt an 12. Stelle weiter.

Nicht mehr im Rennen ist der Japaner Kojiro Shiraishi. Er beklagt bei den stürmischen Bedingungen an der Grenze zwischen Indischem Ozean und Südlichem Eismeer den Bruch seines Hauptmastes. «Ich bin traurig, aufgeben zu müssen», klagt der 49-Jährige. «Als erster Segler aus Japan in der ­Geschichte von Vendée Globe hätte ich das Rennen so gerne beendet. Sorry.»

An der Spitze liefern sich Armel le Cléac’h (Fr) und Alex Thomson (Gb) einen erbitterten Zweikampf im Rekord-Tempo. Le Cléac’h hat die Südwestspitze Australiens fünfeinhalb Tage schneller passiert als François Gabart bei seinem Rekord 2012. Le Cléac’h profitiert vom Pech Alex Thomsons. Den klar führenden Briten hat vor einer Woche ein Ufo gebremst. Ein unbekanntes fliegendes Objekt – als solche werden im Wasser treibende Container, Fässer, Bojen  oder Baumstämme bezeichnet. Jetzt, in der Nähe des Südlichen Eismeers, kommen noch Eisblöcke dazu. Das Ufo hat an Thomsons Hightech-Boot ein Foil beschädigt, den Spoiler unten am Rumpf, der bei ­gutem Wind sein Schiff zum Tragflügel-Boot macht und es noch schneller über die Wellen fliegen lässt.

Ufos sind die grösste Gefahr: Allein am Montag werden mit Sébastien Josse und Romain Attanasio zwei weitere Abenteurer von im Wasser treibendem Müll gebremst. Beide Boote sind schwer beschädigt, doch ans Aufgeben denken sie (noch) nicht.

Kito de Pavant (Fr, 55) signalisiert am Dienstagmorgen der Rennleitung sogar Seenot. Ein Ufo hat den Rumpf seines Boots durchschlagen. «Ich habe nur gehört, wie etwas sehr hart gegen den Kiel geknallt ist. Durch ein grosses Leck läuft Wasser ins Boot, ich habe die Segel eingezogen und das Schiff in den fünf bis sechs Meter hohen Wellen gestoppt. Noch ist die Situation stabil. Ich habe meine Überlebens-Aus­rüstung bei mir. Jemand muss kommen und mir helfen.» In der Nacht auf Mittwoch kommt Rettung. Das französische Versorgungsschiff Marion Dufresne II an holt de Pavant an Bord. Dem Segler «gehts gut, auch wenn er extrem enttäuscht und müde ist», so die Retter.

Alan Roura, am Dienstag eben das Kap der Guten Hoffnung passiert, hat diese stürmischen Zonen noch vor sich. Vorerst profitiert er von den Ausfällen und segelt auf Rang 17 – 4500 Seemeilen (8350 km) hinter dem Leader.

Publiziert am 07.12.2016 | Aktualisiert am 08.12.2016
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