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Das Flügelsegel der Oracle wird als Wunderding gepriesen, weil man es klappen und folglich besser in den Wind stellen kann. Kann es das Rennen entscheiden?
Es ist sicher eine sehr interessante Technologie. Und wenn die Technologie ausgereift ist, ist sie besser und schneller. Jetzt ist die Frage, ob etwas, das in der Theorie gut ist, aber noch nicht ausgereift, besser ist als etwas, das weniger gut ist, aber beherrscht wird. Wir haben grosse Segel, die wir im Griff haben. Sie haben etwas Radikales, bei dem sicher noch nicht das ganze Potential ausgeschöpft ist. Wenn sie das können, werden sie wahrscheinlich schneller sein.
Nervt die Warterei?
Nerven nicht. Weil es gehört einfach zu unserem Sport, dass wir warten. Ich würde schon lieber segeln, ganz klar. Immer verschieben ist nicht unbedingt angenehm.
Ist es wirklich zu gefährlich zum segeln, wenn es zwei Meter hohe Wellen hat?
Ja, die grossen Multihulls sind gebaut worden für nicht viel Wind und nicht viel Wellen. Aber wir wären bis jetzt auch mit den alten Booten nicht gesegelt. Das sind extreme Boote, die am Limit gebaut sind für eine gewisse Windstärke. Am Mittwoch hätte es gefährlich sein können. Wenn der eine Schwimmer nicht auf derselben Welle ist wie der andere, gibt es grössere Torsionen. Und dann kann ein Teil brechen.
Könnten Sie einen Mast ersetzen?
Ja, sicher könnten wir das. Es kommt immer darauf an, wie der Mast runterkommt. Vielleicht hat man Glück und das Boot geht nicht kaputt. Dann kann man am nächsten Tag mit einem anderen Mast segeln. Aber es können natürlich auch viele andere Sachen kaputtgehen.
Am Montag waren Sie fast 10 Stunden lang auf See am Warten. Was macht man 10 Stunden lang?
Ja gut, es ist ja ein relativ grosser Parcours. Man startet weit weg vom Ufer. Man muss 25 Seemeilen rausfahren, das braucht schon fast zwei Stunden. Dann macht man ein paar Trainingsschläge, isst etwas, wartet ein wenig, redet mit den anderen Seglern über alles Mögliche und fährt zurück. Zehn Stunden gehen schnell vorbei.
Wo kriegen sie das Essen her und was essen Sie?
Das wird uns von Beibooten gebracht. Und es ist nicht jeden Tag dasselbe. Viel Teigwaren, Gemüse, Sandwiches. Im Moment auch Suppe. Denn es ist kalt auf dem Wasser. Wir trinken aber auch warmen Tee, essen Kraftriegel.
Sind Ihre Frau und die Kinder auch hier?
Nein, die sind in der Schweiz geblieben, weil es eine relativ kurze Zeit ist, Etwas über einen Monat. Meine Frau kommt mal für drei Tage auf Besuch und die Kinder sind dann bei den Grosseltern. Es ist fast normal in dieser Kampagne, dass man die Familie nicht dabei hat. Denn wir waren in den Emiraten, in Valencia, in Italien und so weiter. Da wäre es schwierig, die Familie immer mitzunehmen. Vor allem, da meine grössere Tochter jetzt zur Schule geht. Vorher wäre es sicher möglich gewesen.
Glauben Sie, die Schweiz hat noch Freude an der Alinghi?
Die meisten haben eigentlich Freude, dass Alinghi wieder segelt und etwas auf dem Wasser passiert. Und sie stehen hinter uns. Sie vergessen, was vor Gericht passiert ist und denken ans Segeln. Ich denke, dass man in der Schweiz trotz allem noch Alinghi-Fan ist. Ich habe auch hier nicht so viele Schweizer erwartet. Es ist Februar, es ist kalt und trotzdem kommen viele Leute und wollen uns zuschauen. Es gibt vor allem in der Westschweiz viele Leute, die nichts mit dem Segeln zu tun haben und die Fan sind wie von einem Fussball-Klub.
Nervt Sie der Streit zwischen Ernesto Bertarelli und Larry Ellison?
In den letzten Paar Wochen habe ich die Streiterei gar nicht mehr verfolgt. Das interessiert mich auch nicht mehr gross. Man hat sich daran gewöhnt. Ich finde das nicht mehr so seriös. Klar finde ich gewisse Dinge, die sie sagen, völlig daneben. Aber ich rege mich nicht mehr darüber auf.
Würden Sie nach dem Cup mit einem Oracle-Segler eins trinken gehen?
Ich kann mir das schon vorstellen. Wir sitzen doch alle im selben Boot.
Alinghi-Trimmer Nils Frei.- zvg