Schläpfer vs. Abderhalden Jetzt wirds richtig dreckig

Kurz vor Weihnachten eskaliert die hässlichste Familienfehde im Schweizer Sport: Schwinger-Obmann Ernst Schläpfer attackiert seinen Göttibuben Jörg Abderhalden. Und: Schläpfer will im Amt bleiben!

  • Publiziert: 22.12.2011, Aktualisiert: 10.01.2012
  • Von Felix Bingesser und Oliver Görz

Eigentlich schien alles klar und erledigt: Der Zentralvorstand des Schwingerverbandes schloss am 24. November mit Jörg Abderhalden einen Vergleich. Der langjährige Streit um die prozentuale Abgabe von Abderhaldens Werbeeinnahmen schien damit beendet. Und Abderhalden, der aus dem Verband ausgetreten war, kehrte zurück in die Schwingerfamilie.

All dies geschah gegen den Willen von Schwinger-Obmann Ernst Schläpfer und auch gegen den Willen der Werbekommission. Das war ein Schlag ins Gesicht von Schläpfer, der mit seinem Göttibuben Abderhalden seit Jahren im Clinch liegt. Schläpfer trat entnervt zurück. Und der Schwingerverband hat in Mario John den Nachfolger bereits gefunden. Der 56-jährige Bündner soll im März zum Schläpfer-Nachfolger gewählt werden.

Doch der Frieden täuscht. Denn hinter den Kulissen kämpft Schläpfer verbissen weiter. In einem mehrseitigen Schreiben, das BLICK vorliegt, stellt er in Aussicht, dass er seine Amtszeit als Obmann ordnungsgemäss erst 2014 beenden würde. Aber dazu müsste man an der Abgeordnetenversammlung im März auf den Vergleich mit Abderhalden vom November zurückkommen. «Die Bemühungen zur Eindämmung der Werbung wurden da mit einem Schlag zunichtegemacht», schreibt Schläpfer. Schläpfer will sein Amt nun Mario John, der Abderhalden nahesteht, nicht kampflos überlassen.

Schläpfer stellt Abderhalden in diesem Schreiben als raffgierigen Abzocker hin. Und bringt Beispiele. So sei Abderhalden 2007 zum Abschlussabend des Eidgenössischen in Aarau eingeladen worden. Abderhalden aber habe sein Kommen von einer «erklecklichen Entschädigung» abhängig gemacht. Und 2004 habe er beim Eidgenössischen in Luzern mit dem OK gefeilscht, weil der Muni nicht der wertvollste Preis war. Weiter: Dem Rigi-Schwingfest habe Abderhalden abgesagt. Mit der Begründung: «Wegen einem Glöggli gehe ich nicht auf die Rigi.»

Entscheid gegen die Familie

«Bezüglich Jörg Abderhalden stand ich selbst in einer dummen Situation. Wenn ich als Verbandspräsident gegen ihn vorgehen würde, wäre der Krach in der Familie programmiert. Würde ich nicht gegen ihn vorgehen, würde man mir zu Recht Vetterliwirtschaft vorwerfen. In dieser Zwickmühle habe ich mich für den Verband und gegen die Familie entschieden», schreibt Schläpfer.

Nun geht die Schlammschlacht also unrühmlich weiter. Und Schläpfer zieht sich nicht einfach zurück. Sondern ist kampfeslustiger denn je. Der zweifache Schwingerkönig Schläpfer gegen den dreifachen Schwingerkönig Abderhalden. Der erbitterte Kampf wird immer dreckiger.

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